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Heute ist der: 10.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Freunde bis in den Tod

Klaustrophobische Innenansicht der Welt einer Schule

Der neue TATORT aus Ludwigshafen ist ein interessanter Krimi, der ein spannendes Thema mit tollen Schauspielern sensibel verarbeitet ? aber leider ist er kein richtiger TATORT. Denn so richtig ist Regisseur Nicolai Rohde und Autor Harald Göckeritz nicht eingefallen, wie sie Lena Odenthal und Mario Kopper in die Handlung integrieren sollten. Und daran krankt im Endeffekt der ganze Film.

Weder Lena Odenthal , noch Manuels Stiefvater oder seine Mutter können Manu dazu bringen, mehr über Rons geplanten Amoklauf zu erzählen. Bild: SWR/Alexander Kluge

Roland Klaas, genannt Ron wird tot in einem abgelegenen Waldstück aufgefunden, jemand hat ihn erschossen. Zuvor hat er nicht nur hektische Filmchen über den Sinn des Lebens ins Internet gestellt, sondern auch erotisch gefärbte Aufnahmen einer Mitschülerin angekündigt. Außerdem hat er einen bei den meisten Schülern beliebten Lehrer in seinen Lebenslügen dokumentarisch festgehalten, so dass einige Menschen im Umfeld der Schule ein Motiv dafür gehabt haben könnten, Ron alles Schlechte zu wünschen. Der war nämlich ein arroganter Problemschüler, der nicht nur schlauer war als andere, sondern der es vor allem den anderen auch noch zeigen, unter die Nase reiben musste. Rons Hass auf seine Schule, seine Mitschüler und Lehrer war mindestens genauso groß wie der seiner Opfer auf ihn. Seine Mutter war völlig überfordert mit ihm, freute sich noch, wenn ihr Sohn mal ?draußen spielte? anstatt immer nur am Computer zu sitzen. Die Kommissare stoßen rasch auf ein Ballerspiel, dass er nach dem Grundriss seiner Schule konzipiert hat und dessen Ziel natürlich die Vernichtung aller Personen in der Schule außer dem Schützen selbst ist. Es zeigt sich bald, dass Rons ?Draußenspiele? in der Vorbereitung davon bestanden, dem virtuellen Amoklauf auch einen realen folgen zu lassen. Dennoch möchten weder seine Mitschülerin Julia noch sein bester Freund Manu etwas auf ihn kommen lassen. Dabei war Manu doch ganz anders als Ron, ein Mitläufer, ein klassischer Verlierertyp im Gegensatz zu dem charismatischen Überflieger Roland.

Manu und Julia: Zwei Verlorene, die einander nicht helfen können. Bild: SWR/Stephanie Schweigert

Ist es gut, wenn ein potenzieller Massenmörder vorher selbst ermordet wird? Ist es gerecht, wenn das Leben eines ungerechten Menschen vorzeitig beendet wird? Freunde bis in den Tod gelingt es durch große schauspielerischen Leistungen der jungen Darsteller, die Karriere eines psychopatisch veranlagten Schülers beklemmend genau darzustellen. Es ist beeindruckend, wie es vor allem Leonie Benesch gelingt, durch bloßes Minenspiel zu zeigen, dass die Erwachsenen, deren Fragen und deren Sichtweise der Dinge keine Hilfe und keinen Sinn in dieser geschlossenen Welt haben. Wir glauben ihr, dass sie Ron sowohl geliebt als auch gehasst haben muss. Und letztendlich müssen die Schüler ihre Probleme selbst lösen, ihre eigenen Antworten auf die Fragen finden. Was nutzen ihnen da die Erwachsenen mit ihren schablonenhaften Lösungen?

Zuerst war Mario Kopper nur fasziniert von der Programmierleistung des ermordeten Schülers. Doch dann stellen er und Lena fest, dass Ron für das Vernichtungsspiel die Räume des Schulgebäudes genutzt hat. Bild: SWR/Stephanie Schweigert

Aber TATORT bleibt TATORT. Also müssen in Ludwigshafen irgendwie auch Frau Odenthal und Herr Kopper hineingebracht werden. Und das wird zum Problem. Denn der Film ist ursprünglich erkennbar als klaustrophobische Innenansicht der Welt einer Schule angelegt, es gelingt Buch und Regie nicht, das sinnvoll mit der Welt der Polizei und ihrer Ermittler zu verbinden. Frau Odenthal stapft durch den Film und schaut eher hölzern, da ohne erkennbare Motivation, in die Gesichter der eigentlich handelnden Schüler. Herr Kopper weiß gar nicht, was er mit seiner Zeit anfangen soll und zockt die ganze Zeit auf seinem Handy das Ballerspiel des Ermordeten. Das ist besonders schade, weil Ulrike Folkerts und Andreas Hoppe schon  bewiesen haben, dass sie mehr können und die Chemie zwischen den beiden Ermittlern durchaus interessant sein kann. So verhakt sich Freunde bis in den Tod unentschlossen zwischen Psychodrama und halbentschlossenem Whodunnit, ist dadurch weder das eine noch das andere und endet leider über weite Strecken in Langeweile. Es wäre toll, wenn die Ludwigshafener sich wieder mehr um ihr Ermittlerteam bemühen würden, aber derzeit würde das wohl ein gehöriges Stück Arbeit bedeuten.



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