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Heute ist der: 18.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Geburtstagskind

Im Schatten einer Sekte

Als Programmfarbe ist der Schweizer TATORT sicher eine Bereicherung. Leider muss man aber feststellen, dass auch die nunmehr fünften Folge aus Luzern nicht ganz überzeugt. Die Story ist wieder einmal reichlich zäh, die Synchronisation lässt zu wünschen übrig - eigentlich erstaunlich, wenn man bedenkt, wie gut Schweizer Schauspieler für gewöhnlich Hochdeutsch sprechen.

Konkurrieren um Vaterrolle: Beat Halter und Kaspar Vogt. Bild: SWR/Daniel Winkler

Dabei hat sich vor allem Stefan Gubser als Kommissar Flückiger als Leitwolf im Kopf des Zuschauers etabliert - dank stärkerer Episoden in der Vergangenheit. Nun aber, in der Folge Geburtstagskind: eine sehr schlichte Aufteilung in Gut und Böse, in bigotten Sektenmensch und bemitleidenswerten Outcast-Junkie vom Campingplatz.

Sie halten an ihrem schauervollen, stets gehauchten Suspense-Ton fest, die Schweizer. Es ist wie in einem alten Heimatfilm. In Zeitlupe wird die Geburtstagstorte der 14-jährigen Amina angeschnitten, als die Stimmung plötzlich auf den Nullpunkt sinkt. Aminas leiblicher Vater, ein gar gefährlich wirkender Schratt, steht vor der Tür. "Guten Abend, Beat!", "Guten Abend, Kaspar!" hauchen der Stiefvater, Gemeindeoberhaupt einer freichristlichen Endzeit-Sekte, und der wild wirkende Eindringling einander zu.

Amina Halter wird tot aufgefunden. Bild: SWR/Daniel Winkler

Marcus Signer, mit einer Stimme wie Kinsky gesegnet, will sich vom Stiefvater nicht vertreiben lassen, singt auf der Straße noch lauthals mit heißerer Stimme sein Geburtstagslied für die Tochter und wirft später zum Abschied auch gleich noch eine Fensterscheibe ein.

Auf den Mann muss aller Verdacht dieser Welt fallen, als bald darauf ein Förster Aminas Leiche entdeckt. Das Mädchen wurde mit einem harten Gegenstand erschlagen. Und schwanger, so stellt sich später im Verlauf der Recherchen heraus, war sie auch. Wie konnte das in so christlichen Kreisen passieren?

Reto Flückiger befragt die Mutter des toten Mädchens. Bild: SWR/Daniel Winkler

Da ist man bald auf Kommissar Flückigers Seite: Sehr schnell hat er den Frömmler, der angeblich Aminas Mutter gerettet hat, durchschaut. "Typische Erlösungsphilosophie", interpretiert er des Stiefvaters Sekte, "die Welt geht gleich unter, und die sind die einzigen, die davonkommen!". Indessen spielt sich Marcus Signer, der als Ex-Junkie von der Frau verlassen wurde und Besuchsverbot bei der Tochter bekam, einen Wolf. Gar gefährlich schleicht er auf seinem Dauercampingplatz herum und hat auch sonst immer etwas gefährlich Satanisches in der Stimme.

Eine falsche Fährte auf zwei Beinen, wie sie im Buche steht. Dem Zuschauer wird's da die Entscheidung für den wahren Mörder viel zu leicht gemacht. Bleiben ein paar schöne Luzernbilder mit Zeitraffer und Nebel aus der Vogelperspektive, auch Sarah Spale-Bühlmanns leidende Mutter prägt sich ein. Doch als Psychodram geht der Film nicht unter die Haut. Da ist er viel zu wenig bei seinen Personen und in der Wirklichkeit.

Hans Czerny - Teleschau Mediendienst
 


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