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Letzte Tage

Schönes, krankes Mädchen

Eigentlich ist sie viel zu jung für ihn. Doch Kommissar Kai Perlmann verfällt dem zarten Mädchen Mia binnen eines Augenblicks. Als sie urplötzlich in der Konstanzer Fußgängerzone vor ihm steht, weiß er gleich, dass die Begegnung schicksalhaft ist. Und auch der Zuschauer versteht die Zeichen der Regie auf Anhieb: Diese blasse Medizinstudentin in ihrem Retro-Outfit ist etwas ganz Besonderes.

Kai Perlmann hat die Medizinstudentin Mia Hennig kennengelernt, die ihn mit ihrer Spontanität bezaubert, aber auch zum Nachdenken bringt. Bild: SWR/Stephanie Schweigert

Nicht nur weil sie seltsam klingende Sätze in die Nacht flüstert. "Einmal in der Woche lasse ich mich einfach nur treiben, nichts planen, nur gucken, was passiert", erklärt sie dem verdutzten Perlmann, als der sie ins Kino einlädt. Und dort geht sie ran, aber hallo. Bei Perlmann ist es Liebe, beim Zuschauer Neugier, doch der eine wie der andere werden sich im phasenweise ergreifenden Bodensee-TATORT Letzte Tage bald gewahr, dass auch diese Love Story traurig enden dürfte.

Mia, die von der 26-jährigen Nachwuchsschauspielerin Natalia Rudziewicz  einerseits bezaubernd und verführerisch, andererseits fast verstörend exaltiert angelegt wird, ist unheilbar erkrankt. Das Mädchen lebt - so intensiv und so lange es noch geht und bringt damit einen Hauch von Melancholie in den Film, der ansonsten etwas trocken zwischen Drama und Pharmakrimi osziliert.

Prof. Dorle war nicht nur der Arzt des leukämiekranken Jochen Heigle, sondern untersuchte ihn auch im Rahmen einer Anwenderstudie. Bild: SWR/Peter Hollenbach

Perlmann und seine Chefin Klara Blum haben Mia und ihre Leukämie-Selbsthilfegruppe bei einem heiklen Medikamentenskandal in den Fokus genommen. Die Kommissare ermitteln, nachdem ein an Leukämie erkrankter Mann auf der in Konstanz anlegenden Autofähre aus dem schweizerischen Romanshorn tot im Wagen gefunden worden war.

Anders als ihr Thurgauer Kollege Matteo Lüthi, der die Leitung der Ermittlungen beansprucht, glauben die Konstanzer nicht an Selbstmord. Tatsächlich finden sie heraus, dass der tote Familienvater an einem illegalen Medikamententest teilnahm. Und schon führt die Spur nicht nur zu den Verzweifelten der Leukämie-Gruppe, sondern auch hinter die Glasfassaden eines Schweizer Pharmakonzerns, wo natürlich keiner etwas wissen will von dubiosen Versuchen und anderen Mauscheleien.

Weil der Schweizer Kollege ihr dauernd ausweicht, hat Klara Blum ihn kurzerhand an sich gefesselt. Was Matteo Lüthi nicht wirklich mit Humor nimmt ... Bild: SWR/Peter Hollenbach

Wirklich geschickt gemacht, wie hier die Aufmerksamkeit auf eine romantische Figur gelenkt wird, die eigentlich nur am Rande des Falls steht. Die Geschichte von Mia und Perlmann löst sich ab vom Rest und könnte für sich eine sehenswerte Romanze hergeben. Doch Perlmann, im Suff der Selbsterkenntnis näher denn je, sagt ganz zu Recht: "Mein Leben ist überhaupt nicht wie im Kino." Und so läuft's dann doch beinahe auf Business as usual hinaus: Kompetenzgerangel mit dem Schweizer Kollegen überwinden, Pharmafritzen in die Schranken weisen, Menschen aufmischen, denen es sowieso schon dreckig geht ...

So mancher junger Schauspieler hat dank einer aufsehenerregenden Episodenrolle im TATORT schon den Durchbruch geschafft. Es ist eine gute Tradition, die, wenn man so will, schon 1977 mit Nastassja Kinski in Reifezeugnis ihren Anfang nahm. Aus der jüngeren Geschichte fällt einem etwa Nora von Waldstätten ein, die mit ihren blauen Augen im Internats-Thriller Herz aus Eis die Kritiker kirre machte. Oder Sergej Moya, der als wütender Jugendlicher im Saar-Psychokrimi Hilflos die Zuschauer nachhaltig verstörte. Nur drei Beispiele aus einer ganzen Reihe von Jugendrollen, die TATORT-Geschichte schrieben und zu denen sich nun gewiss auch Natalia Rudziewicz' Auftritt als todkrankes und gerade deshalb nach Leben und Liebe süchtiges Lolitawesen gesellt.

Frank Rauscher - Teleschau Mediendienst
 
BUCH: JETZT SEI NICHT SCHWIERIG

"Jetzt sei nicht schwierig!": Frauenbilder der 1970er zwischen soziologischer Sicht und medialer Aufbereitung

Hauptseminararbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Germanistik, Note: 1,0, Universität Göttingen

Der Frage, wie die gesellschaftliche Situation der Frau, im Öffentlichen wie im Privaten im untersuchten Zeitraum - nämlich ab Mitte der 1970er Jahre bis Anfang der 1980er Jahre - tatsächlich aussieht, wird sich der erste Teil dieser Arbeit widmen. Der zweite Teil dieser Arbeit will exemplarisch an der im Rahmen der Reihe TATORT erschienenen Fernsehproduktion Wodka Bitter Lemon untersuchen, wie diese mit den in den Studien erarbeiteten Frauenbildern umgeht. Betrachtet werden soll, ob und in wie weit sich die zentralen Frauenrollen in Wodka Bitter Lemon an den Stereotypen der bundesrepublikanischen Fernsehlandschaft der 1970er Jahre orientieren, ob die Themen Emanzipation und/ oder Doppelrolle der Frau thematisiert werden, und nicht zuletzt, welche Funktion das Konzept ?Emanzipation? in Wodka Bitter Lemon hat.

Autor: Christina Durant

Erschienen bei folgenden Verlagen:
- GRIN, 2008, 80 Seiten, ISBN 3-640-16460-1



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