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Heute ist der: 25.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Die Wahrheit stirbt zuerst

Schon wieder ein Zweikampf mit dem BKA

Die Leipziger TATORT-Kommissare Eva Saalfeld und Andreas Keppler werden an einen zugefrorenen Waldsee gerufen. Hier wurde die Leiche eines siebenjährigen Mädchens entdeckt, das Kind wurde in einem Boot auf eine Decke gelegt. Kommissarin Saalfeld glaubt fest an die Tat eines Familienangehörigen.

Im Wald wird Amelie tot aufgefunden. Bild: MDR/Saxonia Media/Junghans

Amelie sollte nämlich mit ihrer Mutter und ihrem neuen Lebensgefährten nach Ägypten fliegen, um künftig dort zu leben. Als Amelies Vater, der seit Jahren von der Mutter getrennt lebt, kurz danach mit aufgeschnittem Puls entdeckt wird, glauben die Kommissare, mit dem Versuch eines erweiterten Selbstmords konfrontiert zu sein. Wollte sich Amelie Vaters wegen der anstehenden Trennung von der Tochter rächen? Die Konstellation verspricht jede Menge Spannung im TATORT Die Wahrheit stirbt zuerst.

Hauptkommissar Andreas Keppler mit Johannes Bittner in dessen Firma. Bild: MDR/Saxonia Media/Junghans

Amelie litt unter Asthma, sie starb durch Ersticken, so stellen die Ermittler fest. Als Kommissar Keppler ein volles Asthmaspray im Handschuhfach von Amelies Vater Peter Albrecht findet, stellt sich die Frage, ob Peter Albrecht seinem Kind das dringend benötigte Spray verweigerte. Er habe, so wird der Vater später behaupten, das von ihm vergessene Spray zu Hause geholt, konnte aber Amelie nicht mehr retten.

So zieht sich dieser TATORT eine ganze Weile als Indizienprozess ums Asthma-Spray und anhand von Textilienfasern dahin. Mal scheint Albrecht verdächtig, mal wiederum der neue Lebensgefährte der Mutter, der anlässlich eines Großgeschäfts mit Navigationsgeräten nach Ägypten ziehen will. Als Amelie stirbt, zeigt der Geschäftsmann kaum Trauer. Welches Motiv aber sollte Johannes Bittner wirklich haben?

Hauptkommissar Andreas Keppler und BKA-Beamtin Linda Groner verbindet eine gemeinsame Vergangenheit. Bild: MDR/Saxonia Media/Junghans

Alsbald weicht die Romantik in verschneiter Landschaft einem eher zähen Whodunit-Fall. Als man sich auf mögliche familiäre Untiefen eingestellt hat, meldet sich Katja Riemann als BKA-Kommissarin am Telefon und übernimmt das Kommando des Falles. Die Entmachtung der Leipziger Kommissare droht, Bittner stehe unter Beobachtung des BKA. Die Begründung wird den Leipzigern aber erst mal vorenthalten.

Katja Riemanns Rolle wirkt indessen reichlich grob gezimmert. Allzu grob wirkt auch der Zweikampf mit den Leipziger Kommissaren, allzu giftig und streng muss die Wiesbadener Kriminalbeamtin mit der Schlafzimmerfrisur agieren. So häutet sich die Handlung wie eine überreif gewordene Zwiebel. Die Wiesbadenerin war mal mit Keppler befreundet und will ihm die fortdauernde Ablehnung nicht verzeihen. Im Übrigen scheint der Zweikampf zwischen örtlichem Kommissariat und BKA inzwischen ein TATORT-Dauerbrenner zu sein. Jüngst hat man Ähnliches aus Bremen, Wien oder München gesehen. Weit, viel zu weit, wird der Zuschauer hier per GPS in den Nahen Osten entführt.

Wilfried Geldner - Teleschau Mediendienst
 
BUCH: DAS ANDERE IM TATORT
Das Andere im TATORT

Das Andere im TATORT - Migration und Integration im Fernsehkrimi. Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Band 17

Der TATORT am Sonntagabend gilt mit durchschnittlich acht Millionen Zuschauern inzwischen als moralische Schule der Nation. Über 800 Folgen der Krimi-Reihe wurden seit 1970 von den Anstalten der ARD produziert ? und fast immer spielt das Andere eine wichtige Rolle. Das Andere steckt in jedem von uns und es ist überall zu finden. Keineswegs können nur Menschen mit Migrationshintergrund das Andere personifizieren, sondern jedes Mitglied der Gesellschaft.

In der Tiefenanalyse dreier ausgewählter TATORT-Folgen zeigt sich, dass das Andere in der Krimi-Reihe nicht nur als bloße Wiedergabe von Stereotypen konstruiert wird. Trotzdem könnten die Drehbücher dieses Phänomen noch differenzierter berücksichtigen. Die Krimireihe TATORT könnte ihre Potenziale noch besser nutzen. ?Einen deutschen Pass haben und deutsch sein ist nicht dasselbe?, heißt es in abgewandelter Form in jeder der drei Folgen. Migration und Integration erscheinen hier als zentrale Bezugspunkte für das Andere.

Autorin: Anna-Caterina Walk

Erschienen bei folgenden Verlagen:
- Tectum, 2011, 136 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-8288-2593-2



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