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Heute ist der: 10.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Wer das Schweigen bricht

Bye, bye, Conny Mey!

Ach ja, der Blumenstrauß. Schönen Dank auch, war gute Arbeit. Die Kollegen murmeln im Vorbeischlurfen noch "Tschö, Frau Mey". Und dann steht sie da, mutterseelenalleine im Besprechungszimmer der Frankfurter Mordkommission, wie bestellt und nicht abgeholt. So lieb- und respektlos wie Nina Kunzendorf wurde wahrscheinlich noch keine TATORT-Schauspielerin in ihrem letzten Film verabschiedet, um nicht zu sagen: abgefertigt.

Hauptkommissarin Conny Mey und der Chef der Mordkommission. Bild: HR/Bettina Müller

Und wahrscheinlich ist das in der eigenwilligen Logik des HR-TATORTs sogar ein wolkenkratzergroßes Kompliment. Hier in Mainhattan, wo es niemals menschelt. Und wo durch die Ermittlungen kein folkloristischer Currywurst- oder Weißbiergeruch weht, sondern völlig angemessen der Gestank von Leichen.

Mit Wer das Schweigen bricht verabschiedet sich Nina Kunzendorf mit einem ausnehmend starken Beklemmungskrimi von der TATORT-Bühne - auf eigenen Wunsch, wie man weiß. Auch wenn man immer noch nicht so ganz verstanden hat, was die viel Verehrte zu diesem etwas überstürzt wirkenden Schritt tatsächlich bewogen hat. Aber da geht es dem bedauernswerten Frank Steier nicht anders, als ihm die Kollegin Mey etwas von der Polizeischule in Kiel erzählt, an der sie demnächst dozieren möchte. Er kapiert's nämlich auch nicht.

Hauptkommissar Frank Steier ermittelt im Jugendgefängnis. Bild: HR/Bettina Müller

Kein Wunder, dass der trunksüchtige Kommissar diesmal besonders schlecht gelaunt durch die fahl beleuchteten Flure eines Frankfurter Jugendgefängnisses stapft. Ausgerechnet vom Anstaltsleiter, einem stotternden Sensibelchen, muss er sich anhören: "Sie sind ein sehr seltsamer Mensch!" Noch seltsamer ist allerdings der Mord, den der Kommissar aufzuklären hat. Ein Häftling wurde erschlagen in der Zelle gefunden. Acht Zehennägel wurden ihm ausgerissen. Genauso wie einem Mithäftling, der allerdings noch lebt. Keiner will davon etwas mitbekommen haben. Den Mund machen die jungen Insassen allesamt nicht auf, nicht die Deutschrussen, nicht die Türken, nicht die Nazis.

Warum schweigen die Gefängnisinsassen? Bild: HR/Bettina Müller

Lars Kraume (Buch) und Edward Berger (Regie) beleben in diesem nach wahren Begebenheiten inszenierten Film die Tradition des Gefängnis-TATORTs neu (man denke etwa an den bemerkenswerten Einsatz der Münchner in "Stadelheim"). Der Tonfall ist rau, Illusionen über eine "Besserungsanstalt" gibt sich keiner hin, aber es wird auch nicht offensiv sozialkritisch herumdebattiert. Das ist auch gar nicht nötig.

Als Conny Mey das Gefängnis zu weiterführenden Ermittlungen in Richtung einer Plattenbausiedlung verlässt, stellt man verblüfft fest: anderer Ort, gleiches Ambiente. In einer Art Knast saßen die Knackis schon, bevor sie straffällig wurden. Er heißt nur anders, nämlich Sozialbau-Komplex. Jedes gut gemeinte Wort wäre da überflüssig. Hier berichten die Bilder sehr viel genauer über die gesellschaftliche Wirklichkeit in Deutschland, als es ein bemühter Dialogschreiber je könnte.

Die beiden Ermittler mit der Sozialarbeiterin Katharina Enders und Gefängsnisdirektor Rainer Vaske. Bild: HR/Bettina Müller

Man will gar nicht wissen, was aus diesen armen Sündern mal wird, wenn sie wieder in Freiheit sind. Und genauso schwer kann man sich vorstellen, wie der Steier in Zukunft ohne die Conny Mey klarkommen soll, jetzt wo man sich so mühsam angenähert hatte. Gespielt von der wundervollen Alwara Höfels hat man ihm im nächsten Fall mit dem Arbeitstitel Der Eskimo eine junge Kommissarsanwärterin ins Drehbuch geschrieben. Ob sie dauerhaft bleiben darf, ist dem Vernehmen nach noch nicht entschieden. Man würde es jedenfalls verstehen, wenn die zarte Frau vor dem groben Empathiekrüppel gleich wieder Reißaus nimmt.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst
 


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