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Heute ist der: 10.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Eine Handvoll Paradies

Die Unterschiede zweier Abziehbilder

Rüdiger «Rüde» Sutor, ein Mitglied der Rockergang «Dark Dogs», wird tot an einer Landstrasse gefunden. Der Fall ist für den Moped fahrenden Kommissar Jens Stellbrink klar: Das ist nichts für die Mordkommission, sondern ein Fall für die Verkehrspolizei. Natürlich liegt Stellbrink falsch - die kleine, zotige Konfrontation zwischen ihm, dem Liegenlasser, und Kollegin Lisa Marx, der Anpackerin, hat einzig den Zweck, die Differenzen zwischen ihnen zu "vertiefen".

Hauptkommissar Stellbrink stoppt die Rocker. Bild: SR/Manuela Meyer

Also Mord durch Genickbruch, kein Unfall auf der Harley Davidson. Da die Rocker sich den gewieftesten Rechtsanwalt leisten, brausen sie bald schon auf und davon, und die Kommissare haben das Nachsehen: Es wird von Stellbrink ebenso eifrig mimisch nachgestellt, wie er es fluchend betont. Dass einer der «Dark Dogs» ein Mörder sein könnte, glaubt man dem TATORT Eine Handvoll Paradies kaum, denn so, wie man die Rocker kennenlernt, traut man denen eher zu, dass sie alle gemeinsam vom Motorrad steigen und den Fernverkehrsbus nehmen, als dass eine Intrige in ihren Reihen gedeihen könnte.

Frau mit Geheimnis? Taja. Bild: SR/Manuela Meyer

Bellende Hunde beissen nicht

Weiter werden clevere Drogendeals eingefädelt und in der Mitte der, ach! wie harten «Dark Dogs» tauchen ein Verdeckter Ermittler und eine geheimnisvolle Asiatin auf. Regelmäßige TATORT-Seher werden sich bei der Auflösung dieses Geheimnisses stark an einen bestimmten Münsteraner TATORT erinnert fühlen. Um den Handlungsstrang des Verdeckten Ermittlers und seiner Frau lagert sich die einzige «Spannung» des Abend ab, die nicht sofort von Stellbrink-Marx-Dubois vergeigt wird. Dass die Rocker nicht mit den Bullen gemeinsame Sache machen, weil sie ganz grosse Buben sind, die ihre Angelegenheiten unter sich regeln, wird so schülertheaterhaft betont, dass man sich freuen würde, wenn diese, ach! wie grossspurig betonte Grimmigkeit auch einmal auf Handlungsebene angetippt würde. Doch leider kommt es nicht so weit, und selbst die Szene, wo man erstmals ein ganz klein wenig um den VE bibert, wird von der Nervensäge Stellbrink und seiner nervensägenden Kollegin Marx in einer Hanswurstiade versemmelt.

Razzia: Staatsanwältin Nicole Dubois mit Hauptkommissarin Lisa Marx. Bild: SR/Manuela Meyer

Rumdödeleien statt Schicksale

Die Arbeit wird den Ermittlern erschwert durch die Vorgesetzte, Nicole Dubois. Wo es die beiden auch sonst schon schwer haben, um zwischen billigen Dialogen, die immer wieder die Diskrepanzen der beiden Ermittler betonen, und prächtigen Landschaftsbildern mit Moped, Motorrad und Harley Davidson ansatzweise so etwas wie «TATORT» aufkommen zu lassen, wird es durch die Interventionen der gluckernhaften Chefin auch nicht leichter. Für Details zu den Drehorten, die von Wiesenlandschaften bis zu Grubenanlagen viele Aspekte des Saarlands zeigen, verweisen wir auf unser SR-Drehort-Special.

Inhaltlich wird ein Abend lang Sendezeit aufgeworfen, um die Unterschiede zweier Abziehbilder zu überzeichnen. Hier der in sich ruhende Dödel, der weder auf den Mund gefallen ist noch den Schauspielkünsten eines Devid Stresow gerecht wird. Dort die taffe rothaarige Powerfrau Marx, die Stellbrink Feuer unter dem Hintern macht, ihn mitleidig anschaut, dann aber - welch Überraschung! - doch nie müde wird, sich für ihn zu verwenden. Diesen Sauglattismen wird der Handlungsstrang um den VE und seiner Frau geopfert, was schade ist, da es das einzige menschlich nachvollziehbare Schicksal in dieser Rumdödelei war.

Ermittlungsergebnisse: Jens Stellbrink und seine Kollegin Lisa Marx zusammen mit Horst Jordan. Bild: SR/Manuela Meyer

Keine neuen Münsteraner braucht das TATORT-Land

Schon in der zweiten Episode stagnieren die neuen Saarbrücker Ermittler auf einem Niveau, zu dessen Etablierung Boerne und Thiel zehn Jahre gebraucht haben. Den Vergleich mit Münster sucht Saarbrücken ganz offensichtlich. Dieser Anspruch spiegelt sich in einer unausgegorenen Geschichte, die kaum mehr als Aufhänger für ein paar Dialoge ist: Man ist sich nicht zu schade, noch die billigsten Münsteraner Rocker-TATORT-Versatzstücke zu kopieren - Rocker, Dealer, Frauenfeinde. Die Reduktion der Ermittler auf ein Hin und Her von Drolligkeiten, Filmmusik und Slapstick mag auf dem Papier gefallen, auf dem Bildschirm hält man es kaum aus. Keine neuen Münsteraner braucht das TATORT-Land. Man mag sich kaum ausrechnen, in welche Richtung Stellbrink und Marx sich in Zukunft «entwickeln» werden. Wird Stellbrink, nachdem er im ersten Teil Yoga und im zweiten einen auf Tourette machte, im dritten Teil einen «anger management»-Kurs belegen? Wird Kollegin Marx ihn medikamentös versorgen? Wie soll das mit den neuen Saarbrückern weitergehen?



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