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Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Melinda

Baumarktparkplatz der Tollheiten

Hauptkommissar Jens Stellbrink ist ?der Neue? in Saarbrücken. Schon zwei Tage bevor er seinen Dienst offiziell antritt, gerät er in seinen ersten Fall: als er im Baumarkt ein paar Einrichtungsgegenstände kauft, trifft er ein Mädchen, das kein Deutsch spricht und elternlos durch den Baumarkt irrt. Stellbrink nimmt das Mädchen bei der Hand und verspricht im Baumarkt, sich darum zu kümmern.

Melinda klammert sich an Hauptkommissar Stellbrink. Bild: SR/Manuela Meyer

Draußen auf dem Parkplatz bemerkt er, wie das Mädchen angsterfüllt zu einem Billighotel in Baumarktnähe hinüber schaut. Da werden die Eltern schon sein, denkt sich Stellbrink und bringt das Mädchen dorthin. Als sie sich dem Hotel nähern, sehen sie auch einen verdächtig aussehenden Araber. Da sich das Mädchen vor ihm versteckt, schlussfolgert der Kommissar, dass dies der Vater ist, folgt dem Mann ins Hotel und klopft an seine Zimmertür. Der Mann öffnet die Tür einen Spalt breit. Er erkennt das Mädchen, zieht es in das Zimmer und Hauptkommissar Stellbrink will wieder zurück zum Baumarkt gehen. Als dann jedoch spitze Schreie aus dem Zimmer ertönen, beschleicht den erfahrenen Polizisten doch tatsächlich ein gewisser Verdacht. Er klopft noch einmal an und verschafft sich nun Einlass in das kleine Zimmer, wo neben dem Mädchen eine fast zu Tode gefolterte und geknebelte Frau und zwei weitere finstere Araber anzutreffen sind.

Stellbrink überwältigt die Männer und flieht mit dem Mädchen. Doch kurze Zeit später kommen ihnen die drei Araber mit gezückten Pistolen über den Saarbrücker Baumarktparkplatz hinterher gerannt. Es gelingt dem Polizisten nicht, die Polizei zu verständigen. Es gelingt ihm auch nicht, sich in den Baumarkt zu flüchten, um Hilfe zu holen. Er kann auch nicht sein altertümliches Moped anwerfen. Nein, der Kommissar flieht mit dem Mädchen aus der Stadt in den Wald bei Saarbrücken, wo sie in einen alten Vergnügungspark kommen. Hier findet sie dann endlich doch noch die Polizei, denn so alltäglich es in Saarbrücken auch sein mag, dass drei arabische Männer laut schreiend mit vorgehaltenen Schusswaffen in schwarzen Geländewagen einen blonden Mann und ein kleines Mädchen verfolgen, irgendwann wird die Polizei dann doch tätig.

Es wird nicht besser

Zahlreiche Kinder in einer dubiosen Klinik. Bild: SR/Manuela Meyer

Es ist ein komisches Gefühl, im Januar vor dem Fernseher zu sitzen und sich nicht vorstellen zu können, dass in diesem Jahr ein noch schlechterer TATORT gezeigt werden wird. Aber der neue saarländische Krimi vermag dieses Gefühl umfassend zu vermitteln. Das oben Beschriebene sind nur die ersten zwanzig Minuten und es wird nicht besser. Wir werden noch ein ?Therapiezentrum? sehen, in das unter scheinheiligen Vorwänden unschuldige arabische Kinder gestopft werden, um ihnen das im Körper befindliche Heroin herauszuholen. Stellbrink wird noch eine Streifenpolizistin mit Handschellen an ihren Dienstwagen fesseln, er wird noch Yoga machen, Wickelhosen tragen und mit gezielten Schüssen ein Auto zum Stehen bringen.

Lichtblicke bei Bildgestaltung und Choreografie

Hauptkommissarin Marx und Staatsanwältin Dubois. Bild: SR/Manuela Meyer

Gut wird es in diesem TATORT immer dann, wenn nichts gesagt wird. Die Kameraführung von Wolf Siegelmann ist ausgezeichnet, zeichnet sich durch tolle Perspektiven und wunderschöne Bilder aus. Die Choreografie der Action-Szenen ist tatsächlich teilweise so packend, dass man für einige glückliche Sekunden vergisst, was für einen miserablen Film man gerade sieht. Leider wird in diesem TATORT nur wenig geschwiegen. Die Dialoge sind hölzern, die Figurenführung ist schlecht aus Versatzstücken zusammengehämmert. So hat Lisa Marx , Stellbrinks zukünftige Partnerin Mühe, ihre abgrundtiefe Abneigung und Antipathie gegen ?den Neuen? im Zaum zu halten. Obwohl auf den gerade geschossen wurde, er ein kleines Mädchen vor bösen, bösen Männern zu beschützen versucht, hat Lisa Marx nichts als Verachtung für ihn übrig. Wir verstehen schon, dass hier zwei Gegenpole gesetzt werden sollen. Aber wenn ein Kollege in Lebensgefahr ist, macht man sich doch nicht über seine Kleidung lustig. Das ist widersprüchlich und unsympathisch. Und während der Zuschauer schon nach zwei Sekunden einen abgrundtiefen Verdacht gegen den Dolmetscher fassen muss, weil der wild mit den Augen rollt, mal etwas übersetzt, mal nicht und in dem Film alle Araber hinterlistig, raffgierig und böse sind, braucht die Saarbrücker Polizei dafür eine Ewigkeit. Ihnen dabei zuzusehen, wie sie das mit dem Dolmetscher herausfinden, fühlt sich so an, wie in der Grundschule darauf zu warten, bis der letzte Mitschüler die Division versteht.

Darsteller sind bemüht

Hauptkommissar Stellbrink hat ein paar Schrammen abbekommen. Bild: SR/Manuela Meyer

Beeindruckend schlecht ist auch der Ton. Die zahlreichen arabischen Dialoge sind in mäßiger Qualität nachsynchronisiert, so dass die Lippenbewegungen immer etwas daneben liegen, was die Hassfilmoptik dieser Szenen vollständig abrundet. Und die Schauspieler - was sollen sie machen? Weder Devid Striesow noch Elisabeth Brück können die vollkommen widersprüchlichen Kunstpersönlichkeiten mit den hölzernen Dialogen aus dem Drehbuch zu so etwas wie Leben erwecken. Wie soll man auch einen ehemaligen Bundespolizisten spielen, der kifft, ein verrostetes Mofa fährt und gleichzeitig gegen alle Vorschriften Männer in Hotelzimmern zusammenschlägt, dass das Blut bis auf den Parkplatz spritzt? Diesen Film hätten Robert de Niro und Katherine Hepburn in ihren besten Jahren nicht retten können. Dass für die restlichen Rollen vermutlich ein paar saarländische Laiendarsteller engagiert worden sind, fällt nicht weiter ins Gewicht.

Stereotype Araber

Einer von den Bösen. Bild: SR/Manuela Meyer

Aber die Darstellung der arabischen Verbrecher spottet jeder Beschreibung, praktisch kein rassistisches Stereotyp wird ausgelassen. Die Männer, angeblich sowohl Diplomaten wie auch skrupellose, gewitzte Bandenverbrecher, schreien prinzipiell miteinander herum, selbst wenn sie sich untereinander unterhalten. Sie beten zu Allah, aber sonst haben sie keine Moral. Sie sind dumm und ungeschickt, gleichzeitig listig und durchtrieben. Serienweise missbrauchen sie kleine Kinder als Drogenkuriere, das Leben eines Kindes ist für sie nichts wert. Selbst die leibliche Mutter will ihre Tochter nicht beschützen, sondern versucht nur, mehr Geld für ihre kriminelle Dienstleistung zu bekommen. Das zweite Kommunikationsmittel der arabischen Männer ist in diesem Film neben dem Geschrei die Pistole. Sie fahren große schwarze Geländewagen neuster Produktion, benutzen aber eine Landkarte und kein Navigationssystem, um sich in der Innenstadt zu orientieren. Sie sind ausländische Kriminelle, haben aber Verbindungen zu höchsten Kreisen. Als der Aufenthaltsort des Kommissars der Polizei gemeldet wird, bekommen die Araber auch gleich einen Anruf. Von wem? Egal, vermutlich von anderen Mitgliedern der arabischen Weltverschwörung. Und am Ende spazieren sie davon, geschützt von den idiotisch verständnisvollen Europäern und dem diplomatischen Status ihre Herkunftslandes (das nie genannt wird).

Wenn der Zentralrat der Muslime in Deutschland nicht gegen diesen TATORT protestiert, dann kann es nur daran liegen, dass die Einschaltquote noch niedriger als das Niveau dieses Films ist. Es ist diesem TATORT und allen Fernsehzuschauern zu wünschen, dass dieser Film für keine größeren gesellschaftlichen Probleme sorgt, sondern still und heimlich in der TATORT-Versenkung verschwindet, am besten im Giftschrank.

Jakob Hein
 


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