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Heute ist der: 18.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Der tiefe Schlaf

Das große Fragezeichen

Ein Mädchen fährt im Dunkeln allein mit der S-Bahn nach Hause und das am Anfang eines TATORTs. Sowas kann nicht gut gehen. Sie macht noch zwei Anrufe und dann ist sie tot. Batic und Leitmayr würden wohl auch durch diesen Fall wie zwei gelangweilte Seelöwen durch den Nordpazifik treiben, wenn sie sich nicht ein Eigentor geschossen hätten. Als Kriminaloberrat Wellisch eine Nachfrage hat, beschweren sie sich bei der Gelegenheit über ihre ungenügende personelle Ausstattung. ?Ich hätte da schon jemanden?, sagt Wellisch und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Der neue Kollege Gisbert Engelhardt erklärt anhand des Anrufes von Carla wie es sich zugetragen hat. Bild: ORF/BR/Kerstin Stelter

Für uns Zuschauer indes beginnt einer der besten TATORTe des Jahres. Und das liegt zu einem ganz entscheidenden Teil an dem Neuen, der dann kommt. Denn der überaus motivierte und überaus nervende Gisbert Engelhardt ist genau das, was Leitmayr und Batic gefehlt hat. Fabian Hinrichs spielt den ehemaligen Bundeswehrsoldaten und Technikfreak mit maximaler Intensität und Brillianz.

Man kann ihn einfach nicht mögen, obwohl er einem leid tut. Aber man kann ihn auch nicht hassen, obwohl er mit seinen ständigen Fehlern und Dummheiten schon arg belastend ist. Und obwohl er voll peinlicher Sprüche steckt, will man doch nicht über ihn lachen. Lächerlich machen sich hier höchstens die Alten. Engelhardt bringt die beiden Kriminalhauptkommissare an ihre Grenzen, aber gerade nicht, weil er so viele Fehler macht. Er steigt in den Fall mit Herzblut und Engagement ein, dass sich die beiden alten Hasen wundern müssen und auch ein bisschen angefasst sind. In einer nächtlichen Aktion analysiert Engelhardt die letzte Tonaufzeichnung vom toten Mädchen und erstellt ein Täterprofil. Nach seiner Theorie müsste der Täter einen Räuspertic haben, älter als fünfzig sein und die Strecke, auf der das Verbrechen geschehen ist, sehr gut kennen. ?Und ich habe eigentlich immer Recht?, sagt er dann auch noch.

Carla ist der Bus vor der Nase weggefahren. Sie geht zu Fuß nach Hause. Bild: ORF/BR/Kerstin Stelter

Leitmayr sieht seine Aufgabe zunächst vor allem darin, das Fenster seiner Dienststube wieder zuzumachen, damit die viele frische Luft nicht die ganzen schönen Akten durcheinander wirbelt. Denn Engelhardt ist ein notorischer Aufreißer, zumindest was Fenster und den eigenen Mund betrifft. So verspricht er der Mutter des toten Mädchens, den Täter auf jeden Fall zu schnappen, was Leitmayr fast genauso aufregt wie das offene Fenster. Viel wahrscheinlicher als die übergeschnappte Serientäter-Idee ist doch schließlich eine Beziehungstat und außerdem hatte das Mädchen Fotos von ihrem Lehrer bei sich im Zimmer zu hängen. Engelhardt will alles richtig machen, stimmt seinen Kollegen manisch zu, die ihn zeitweise wie einen Hund im Auto vergessen. Nett werden sie erst zu ihm sein, wenn sie ihn rausschmeißen wollen.

Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr verfolgen einen Verdächtigen. Bild: ORF/BR/Kerstin Stelter

Drehbuchautor und Regisseur Alexander Adolph ist hier ein wirklich guter TATORT gelungen. Der Fall wird in interessanten Rückblenden erzählt, kommt nicht zu kurz, endet aber trotzdem mit einem großen Fragezeichen. Aber auch so erfahren wir viel im Rückblick, im Nachhinein, ohne dass wir uns dadurch betrogen fühlen. Im Mittelpunkt stehen die Ermittler Leitmayr und Batic, die durch den naiven Draufgänger Engelhardt gezwungen sind, sich selbst in Frage zu stellen. Am Ende bringt er die beiden sogar in eine existenzielle Krise. Adolph hat ein Faible für Typen wie den armen Gisbert, schon in seinem Film ?So glücklich war ich noch nie? stand ein ähnliches Würstchen im Zentrum der Handlung. Trotz der großen Ernsthaftigkeit und Ambition des Stoffs wird die Geschichte mit viel Humor erzählt, eine Tugend, die in Deutschland noch nicht sehr entwickelt ist. Wir würden hier so gern noch einiges erzählen und lamentieren, warum Fabian Hinrichs nicht weiter in München ermitteln kann, haben aber das Gefühl, damit doch zu viel zu verraten und das Vergnügen an diesem überaus sehenswerten Krimi schmälern. Und das wollen wir nicht. Unbedingt anschauen.

Jakob Hein
 


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