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Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Im Namen des Vaters

Kein Klimbim und Traritrara 

Der neue Frankfurter TATORT "Im Namen des Vaters" zeigt ohne Firlefanz die beklemmende Abscheulichkeit eines Mordes auf: da kommt jemand nicht wie erwartet nach Hause, weil ein Mord geschehen ist. Hier wird das essenziell Böse des Tatbestandes so konsequent durchgezogen, dass man es kaum aushält.

Der "bunte Hund" Agnes Brendel. © HR/Johannes Krieg

Es ist der frühe Morgen des 1. Januars eines schon wieder neuen Jahres. In ihrem Statdviertel kennt jeder Agnes Brendel, jeder hat so seine Wahrnehmungen von ihr, die sich gerne ausgiebig in Kneipen herumtrieb. Einzig ihr Sohn Christian Brendel macht sich Sorgen um sie, als sie nicht nach Hause kommt, während ihr Lebenspartner sich lieber mit ein paar jüngeren, dralleren Prostituierten in den Laken tummelt. Schon ganz am Anfang entfaltet dieser TATORT ein stilles Grauen, atmet die Beklemmung des hilflos auf seine Mutter wartenden, besorgten Sohnes, die scharf kontrastiert mit der Gleichgültigkeit ihres weiteren Umfelds.

Pater Markus und die Kriminalhauptkommissare Conny Mey und Frank Steier. © HR/Johannes Krieg

Die Kommissare Mey und Steier machen sich an die Lösung des Puzzles. Agnes Brendel war ein "bunter Hund": Vom Kneipier, von den Kneipenstammgästen, vom Kioskbesitzer bis zum Pfarrer können sich alle daran erinnern, wann sie die Tote zuletzt gesehen haben. Agnes Brendel wurde zuletzt am Silvesterabend gesehen, in der Kneipe, wo sie mit einer Menge von Leuten das alte Jahr ausklingen ließ.

Die üblichen Verdächtige?!

Ins Visier der Kommissare geraten die üblichen Verdächtigen: Etwa Viktor Kemper, der jähzornige Lebenspartner der Ermordeten, der sich wenig um ihren Verbleib kümmert, bis er von ihrem Tod erfährt - und die Kontrolle verliert. Oder der Nachbar Werner Krabonke, der unscheinbarer nicht sein könnte: ein erprobter Kneipier auch er, dessen ganzer Stolz seine selbstgezimmerte Wohnzimmerbar in der trauten Wohnung ist. Und Pater Markus, der die Tote ebenfalls kannte und mit ihr am Abend ihres Todes trank.

Pater Markus weiss mehr, als er auszusagen bereit ist. Mit seinem Schweigen, das nicht einzuordnen ist, befolgt er eine höhere Logik - ist es das Schweigen des Mörders? Falls nicht, worauf gründet sein Schweigen sich dann? Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt: Sowohl die Polizei als auch der Lebenspartner der Toten beginnen sich für den Pater zu interessieren...

Kriminalhauptkommissarin Conny Mey und Christian Brendel. © HR/Armin Alker

Ermittler werden greifbarer

Der Frankfurter TATORT macht uns den Abschied von Conny Mey schwer. Dass man diese starke Kommissarin bald wieder vergessen muss, kann man angesichts von Im Namen des Vaters kaum glauben. Endlich wird Mey nicht mehr auf die Sexbombe reduziert, die in engen Hosen oder Höschen den langen, langen Gang im Präsidium langgehen 'darf' und Verdächtige verführt.

Auch Steier wird immer greifbarer als mit Leben und Job hadernder Alkoholiker. Ein paar Szenen mit dem tobenden Lebenspartner der Toten, einem halbschlauen Knacki, sind zwar etwas gar komödiantisch gespielt. Das ist aber nur konsequent, wenn man sieht, zu was für einem teuflischen Plan er sich in seiner Wut hinreissen lässt. Er sorgt aber auch für die einzige Aufheiterung dieses düsteren Films. Er macht sich widersprechende Aussagen zu seiner letzten Begegnung mit der Toten. Diese Aussagen werden dann als kleine, eingelagerte Filmchen-im-Film ausagiert, die ebenso schön und stimmig wie tragisch-komisch sind.

Viktor Kemper und Christian Brendel. © HR/Johannes Krieg

Reduktion auf das Wesentliche

Im Namen des Vaters ist ein TATORT der Reduktion auf das Wesentliche, ist eine Absage an den Klimbim und das Traritrara von thematischer Überfrachtung, an den Haaren herbeigezogenen Fällen und verspintisierten Auflösungen, an die man sich in so vielen anderen TATORTen längst gewöhnen musste. Auch die Parallelmontagen, die mehrere Szenen auf einmal zeigen, sind kein Effekt als Selbstzweck, sondern bringen den Film rassig, aber nicht hektisch oder publikumsgeschmacksanbiedernd, voran. Alleine die wenigen Szenen zu Beginn des Filmes, in denen der besorgte Sohn sich auf die Suche nach seiner Mutter macht, ragen an spärlich inszenierter Eindringlichkeit und Zwangsläufigkeit weit über das Mittelmaß heraus.

Es ist ein Jammer, dass Nina Kunzendorf den Frankfurter TATORT nach so wenigen, fast durch die Bank brillanten Ausgaben verlässt. Andererseits tut sie es zum rechten Zeitpunkt: Muss man doch aufhören, so lange es am schönsten ist. Viel besser als "Im Namen des Vaters" kann man einen TATORT nicht machen.

Gregor Szyndler
http://www.kommentatort.ch


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