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Heute ist der: 24.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Das goldene Band

?Das goldene Band? reicht nicht ganz aus

Vom ersten Bild an führt uns der zweite Teil der Doppelfolge dorthin, wo die erste endete: in das Rockermillieu Hannovers. Die Hauptkommissarin Lindholm zeigt sich provokativ vor dem Club von Rockerchef Koschnick. Für sie ist der Fall noch längst nicht vorbei, auch wenn Littchen, Koschnicks Unterling, den Mord aus ?Wegwerfmädchen? gestanden und dafür in den Knast gegangen ist. Genau dort sind wir in der nächsten Szene. Wer Littchen im ersten Teil nicht genügend kennenlernen konnte, wird auch im zweiten Teil dazu wenig Gelegenheit haben, denn er überlebt diesen Tatort nur wenige Minuten. Von einem Informanten verständigt, eilt Charlotte Lindholm ins Gefängnis, wo sie den toten Rocker und die äußerst lebendige Oberkommissarin Clara Prinz (Alessija Lause) antrifft. Das hier ist der Fall von Frau Prinz, was Frau Lindholm zwar zunächst gar nicht passt, sich aber immer wieder als Vorteil herausstellt. Schließlich möchte der Vorgesetzte von Frau Lindholm den Fall mit den weißrussischen Zwangsprostituierten geschlossen lassen, kann aber Frau Prinz nicht daran hindern, den Gefängnismord zu ermitteln.

Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler), Techniker Chiaballa (Christoph Glaubacker) und Carla Prinz (Alessija Lause) überprüfen den Laptop des Bankers Conelli (Christian Aumer). © NDR/Gordon Muehle

Die Ermittlungen lassen das Team noch tiefer in die Abgründe der Stadt Hannover blicken, als wir das bisher ahnen konnten. Der Immobilienhai Kaiser hat offensichtlich einen Politiker in der Hand, der ein Bundesgesetz für ihn auf den Weg bringen wird, dass aus zehntausenden Sozialwohnungen in Kaisers Besitz über Nacht eine Goldgrube machen würde. So hat wohl auch Kaiser die opulente Orgie mit osteuropäischen Prostituierten in Opernkostümen ausrichten lassen, um den Politikern einerseits zu danken, sie andererseits jedoch erpressbar zu machen. Und wo ist eigentlich Larissa Pantschuk, die Zeugin, die all das aufklären könnte?

Als wäre Charlotte Lindholms Leben zwischen diesem Fall, der sie so bewegt und dem Zwang mit der neuen, dynamischen Kollegin zusammenzuarbeiten, nicht schon schwer genug, stellt sich auch noch heraus, dass ihr neuer Freund Jan Liebermann (Ben Sadler), mit dem sie sich gerade etwas mehr vorstellen konnte, als Biograf für den widerlichen Immobilien-Kaiser arbeiten würde, der in Hannover offensichtlich Strippen in Schiffstaustärke zieht. Niemand will etwas gesehen haben, alles wird juristisch abgesichert, Charlotte Lindholm wird von einem Rocker beschattet, ihre Mutter muss sich mit ihrem Sohn verstecken, Jan Liebermann wird von seinem Redakteur verraten und möchte eine Zeugenaussage machen und irgendwann schaut die Hauptkommissarin in den Lauf der entsicherten Pistole eines korrupten weißrussischen Polizisten.

Hajo Kaiser (Bernhard Schir) als redegewandter Immobilien-Hai. © NDR/Gordon Muehle

Keinesfalls kann man dem Krimi den Vorwurf machen, heikle Themen ausgespart zu haben. Korrupte Politiker, Zwangsprostitution, Probleme internationaler Polizeizusammenarbeit, Brutalisierung des Immobilienmarktes, die Unmöglichkeit der Liebe in Zeiten wilder Schlachten, archaische Sitten im Rockermillieu, Computertrojaner, Gewalt im Gefängnis, die Schwierigkeit von Frau Lindholm, Verantwortung abzugeben u.v.a.m. Aber am Ende wirkt ?Das goldene Band? doch stark überladen und es wäre besser gewesen, weniger Stränge nuancierter zu erzählen. Wenn Larissa Pantschuk (Emilia Schüle) am Ende kurz auftaucht, sehen wir sie kurz als kaltherzige Nutte, die das böse Spiel mitspielt und Frau Lindholm das Leben schwer macht. In Larissas nächster Szene sehen wir sie als warmherzige Mutter, die ihren Sohn in die Arme schließt und ihren tränenschweren Blick auf die Hauptkommissarin richtet, die ebenfalls weinen muss. Wer eigentlich wirklich den armen Littchen im Kittchen um die Ecke gebracht hat, interessiert niemanden mehr, schließlich geht es hier um die ganz großen Dinge. Was ist schon ein toter Rocker gegen eine weißrussische Zwangsprostituierte.

Liebermann (Benjamin Sadler) begleitet Hajo Kaiser (Bernhard Schir) getarnt als Biograph für seine Recherche. © NDR/Gordon Muehle

Frau Furtwängler ist zwischenzeitlich mindestens am Rand ihrer schauspielerischen Möglichkeiten, wenn sie gleichzeitig Verzweiflung, Abscheu und tiefes Glück in einen Blick legen soll oder ihre kompetente Kollegin Clara Prinz voll Bewunderung anzicken soll. Der Lichtblick Alessija Lause währt in ?Das goldene Band? viel zu kurz, weil das Drehbuch (Stefan Dähnert) noch so viele andere Themen durchhecheln muss. Man kann sich aber sehr gut vorstellen, dass die handfeste Clara Prinz eine treffliche Ergänzung zu der immer sehr weit in die Ferne schauenden Charlotte Lindholm sein könnte.

Die Bilder von Eeva Fleig (Kamera) sind treffend und oft interessant, auch wenn insgesamt die Geschichte zwischen herrschaftlichen Hannoveraner Willen und unberührten weißrussischen Landschaften, ledergewandeten Rockern und durchgehend gewissensfreien Managern unter der Regie von Franziska Meletzky mit einer deutlichen Tendenz zum Klischee in Szene gesetzt wurde. So ist ?Das goldene Band? ein ordentlich gemachter, etwas überfrachteter Tatort, der den Adventssonntag ruhig ausklingen lässt, ohne einem eine Minute vom späteren Nachtschlaf zu stehlen.



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