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Heute ist der: 06.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Todesschütze

In der Straßenbahn des Todes

Großstädter, aufgepasst! Hier kommt der Nahverkehrsalbtraum. Da tuckert ein Lehrerehepaar friedlich mit der Straßenbahn durchs nächtliche Leipzig, und mit einem Mal bricht die Hölle herein. Drei jugendliche Krawallmacher entern die Tramm mit Dosenbier, traktieren einen Schüler und gleich danach einen dösenden Penner. Nach einem Wortgefecht mit der entrüsteten Lehrerin folgen die Drei dem Ehepaar in die Leipziger Nacht und prügeln die armen Leute in die Notaufnahme. Von Hamburg über Berlin bis München hört man Horrorgeschichten wie diese inzwischen fast wöchentlich. Soll keiner sagen, der MDR hätte im neuen TATORT "Todesschütze" ein wirklichkeitsfernes Szenario aufgegriffen. Was nach 14 zumeist durchwachsenen Auftritten der Kommissare Eva Saalfeld und Andreas Keppler fast schon verblüfft: Es wurde richtig packend umgesetzt.

Die Lehrer René und Anne Winkler sind auf dem Heimweg, als die streitsüchtigen Jugendlichen in die Straßenbahn kommen. © MDR/Junghans

Unter anderem liegt es auch daran: Das oftmals zähe Beziehungsgeplänkel zwischen den sich hassliebenden Kommissaren wurde diesmal auf ein erträgliches Minimum reduziert. Alle Konzentration gilt dem Fall, der aus Zuschauersicht sofort gelöst und am Anfang auch noch gar kein Mordfall ist. Dann aber verstirbt die Lehrerin Anne Winkler auf der Intensivstation an den Folgen ihrer Verletzungen, nachdem zuvor schon ihr ungeborenes Baby nicht mehr zu retten war. Zurückbleibt ihr verzweifelter Mann René, der nicht fassen kann, dass die Täter noch frei herumlaufen. Der Kunstlehrer hatte die Angreifer sogar phantombildreif skizzieren können. Auch waren zwei Streifenpolizisten Zeugen der Attacke, doch die wollen die flüchtigen Schläger im Dunkel der Nacht nicht erkannt haben.

René Winkler bedrängt die Polizisten Peter Maurer und Philip Rahn in deren Stamm-Imbiß doch bitte endlich etwas gegen die Jugendlichen zu unternehmen, die seine Frau und ihn brutal zusammengeschlagen haben. © MDR/Junghans

Schnell ist klar, was die Wahrnehmung von Polizeiobermeister Rahn getrübt haben könnte. Einer der Verdächtigen ist sein Sohn Tobias. Der Schutzmann ist hin- und hergerissen zwischen Vater- und Dienstpflichten, entscheidet aber falsch, fürs Vertuschen nämlich. Was wiederum eine tragische Eskalation weiterer Gewalt anschiebt, die Saalfeld und Keppler lange nicht stoppen können.

Manches ist Klischee in diesem Krimi (der Sensationsreporter, die Hartz-IV-Familie). Auch will das Drehbuch den Wuttke, diesen arschcoolen Hund, bisweilen noch ein bisschen cooler aussehen lassen, als er eh schon ist. Was aber die Edelschauspieler Wotan Wilke Möhring und Stefan Kurt in ihren Episodenhauptrollen aufführen, ist große Fernsehkunst von einigen wahrhaftigen Momenten.

Hauptkommissar Keppler fühlt dem agressiven Marcel Degner auf den Zahn. © MDR/Junghans

Da hätte es das Drama-Finale, für das sie sich beim MDR-TATORT so oft begeistern können, eigentlich nicht mehr gebraucht. Lynchjustiz, Geiselnahme, SEK, Tote und Verwundete, der ganz große Bahnhof. Hollywood-Action made in Sachsen. Aber geschenkt. Die oft und meist auch zu Recht kritisierten Leipziger sind diesmal zu loben für einen Krimi, der wahrscheinlich der beste der Wuttke/Thomalla-Ära ist. Ein starker, ein beklemmender Fall, der lange nachwirkt. Wohl dem, der Sonntagnacht nach der Ausstrahlung nicht mehr aus dem Haus muss.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst


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