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Heute ist der: 24.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Das Wunder von Wolbeck

Hauptsache, es rollt

Es ist lange Zeit äußerst rätselhaft, wie die Ziege auf den Beifahrersitz des Rechtsmediziners gekommen ist. Aber da hockt sie tatsächlich, die Ohren flattern im Fahrtwind, nebendran Professor Boerne, als wäre so ein Vierbeiner der normalste Beifahrer der Welt. "Das Wunder von Wolbeck", das der neue Münster-TATORT im Titel beschwört, zielt allerdings auf etwas anderes: Es geht um rätselhafte Fortpflanzungserfolge eines ermordeten Landarztes, sofern man das überhaupt so sagen kann. Denn eigentlich geht es im Münsterland immer nur um zwei: um die rasend beliebten Antipoden Boerne und Thiel, die diesmal in der ländlichen Provinz eine astreine Mördergroteske aufführen. Matthias Tiefenbacher inszenierte einen lakonischen Westfalen-Western mit staubtrockenen Pointen um einen Fall, der geradezu unverschämt in die Länge gezogen wird.

Ganze Kerle: Wirt Thomas Krien, Metzgermeister Bert und Elektroinstallateur Gerd Krien. © WDR/Wolfgang Ennenbach

Schätzungsweise zwei Minuten. Länger dauert es am Ende nicht, bis der Mord am Heilpraktiker Raffael Lembeck aufgeklärt ist. Der Doktor, der erschlagen in seiner Praxis liegt, hat nämlich als Hämatom den Abdruck eines Siegelrings im Gesicht. Warum Kripo-Mann Thiel trotzdem geschlagene 85 Film-Minuten völlig unnötig im Dunkeln tappt und was der Rechtsmediziner damit zu tun hat, davon erzählt dieser komische Krimi (Buch: Wolfgang Stauch), in dem sich haufenweise grimmige Westerngestalten zu Country-Musik im Ausschweigen üben.

Rechtsmediziner Prof. Boerne und seine Assistentin Silke Haller in Wolbeck. © WDR/Wolfgang Ennenbach

Während Thiel also herauszufinden versucht, auf welche Weise der Ermordete seinen glücklichen Klientinnen aus aller Welt den Kinderwunsch realisieren half, stolpert der Kollege Boerne von einer bizarren Situation in die nächste. Einmal sieht man ihn mit Stetsonhut und Baumwollhemd auf die Weide des Zuchtbauern Kintrup laufen, ein andermal furzt ihm so ein Rindvieh einen Fladen ins Gesicht. Der feine Humor ist das nicht. Man muss ihn halt tragen und auch ertragen können.

Kommissar Frank Thiel verfolgt einen Verdächtigen. © WDR/Wolfgang Ennenbach

Amüsant ist das Ganze fraglos schon. Fast so amüsant, wie anzusehen, wie sich seit Jahren bereitwillig ein Millionenpublikum eine derart dünne Mördersuppe als feinste Krimiunterhaltung auftischen lässt, solange nur TATORT und die Namen Liefers und Prahl auf der Packung stehen. Ein bisschen verhält es sich mit dieser Münster-Reihe wie mit dem Dienstfahrrad, mit dem der teddyhafte Thiel unverdrossen durch die Pampa radelt, ehe die Cowboys aus der Kneipe die Ventile aufschrauben: Da denkt man schon, die Luft ist raus. Aber dann wird halt wieder aufgepumpt. Rollt ja auch ganz prima bislang.

Jens Szameit - Teleschau Mediendienst


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