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Heute ist der: 17.07.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Ein neues Leben

Der verhinderte Odenthal-TATORT

Der Münchner Krimi "Ein neues Leben" sollte 1999 ursprünglich als Ludwigshafen-TATORT mit Ulrike Folkerts verfilmt werden. Doch ausgerechnet TATORT-Ikone Horst Schimanski verzögerte damals (ungewollt) das Filmprojekt. Vor zwei Jahren schließlich besann sich Drehbuchautor Fred Breinersdorfer wieder auf seine alte Geschichte und bot sie dem Bayerischen Rundfunk an - mit Erfolg.

Ein Fall für Lena Odenthal? So war es 1999 jedenfalls noch geplant © SWR/ Krause-Burberg

Autor Fred Breinersdorfer war Mitte der 90er Jahre sehr erfolgreich mit seinen "Fieber"-TATORTen für die Kommissarin Lena Odenthal und den Südwestfunk (SWF/SWR). Gleich nach der Ausstrahlung des dritten "Fieber"-TATORTs im April 1999 gab der Sender eine Pressemitteilung heraus und gab bekannt, dass Autor Breinersdorfer an einem weiteren TATORT arbeite, der im Drückermilieu spiele: Die Folge "Machtrausch" solle noch 1999 gedreht werden.

In der Meldung hieß es weiter: "Die Geschichte ist im sogenannten Drücker-Milieu angesiedelt. In den letzten Jahren ist ein neuer Markt an den Haustüren entstanden. Zeitschriftenwerber, angeheuert mit falschen Versprechungen und oft ihrer Rechte mehr oder weniger beraubt, liefern sich einen harten Konkurrenzkampf bei der Anwerbung ihrer Kunden. Der Film "Machtrausch" erzählt, wie aus dem Geflecht von Abhängigkeit und falscher Hoffnung eine gewaltsame Tragödie entsteht. Gedreht wird der Film voraussichtlich 1999, ein Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest."

Ausgerechnet TATORT-Ikone Schimanski verzögerte die Realisierung von Machtrausch als Odenthal-TATORT, Bild: WDR

Drücker-Film für Schimanski verhinderte "Machtrausch"

Zur Ausstrahlung kam es nicht mehr, geschweige denn zu den Dreharbeiten. Die Entwicklung dieses Stoffes wurde vom Sender eingestellt, denn innerhalb der ARD-Fernsehfilmkoordination wurde erkennbar, dass der Westdeutsche Rundfunk (WDR) bereits an einem Film arbeite, das im Milieu der Drückerkolonnen angesiedelt war: Für den Ex-TATORT-Kommissar Schimanski, der seit 1997 in einer eigenen Reihe in der ARD ermittelte, entstand der Film "Tödliche Liebe" (Erstsendung: 12. November 2000). Währenddessen entwickelte Breinersdorfer einen 4. "Fieber"-TATORT für den SWR, die Folge "Gewaltfieber", welche die tragischen Ereignisse von Erfurt im April 2002 auf erschreckende Weise vorwegnahm.

Die TATORT-Ermittlungen führen die Kommissare zu einer Organisation, die im Namen der "Tierhilfe Direkt" angeblich Geldspenden zur Rettung von Robbenbabies sammelt. Isabella ist Chefin der Gruppe. Zusammen mit ihrer Assistentin Sandra führen die Frauen ein straffes Regiment. Es wird der "Salesman of the Month" gefeiert. Bild: BR/ Bernd Schuller

Eichinger wollte aus dem Stoff einen Kinofilm machen

Die Idee zu "Machtrausch" aber ließ Breinersdorfer über Jahre nicht los. Nach dem auch Filmproduzent Bernd Eichinger sein ursprüngliches Interesse an dem Stoff verlor - er dachte darüber nach, daraus einen Kinofilm zu machen - und man 2010 "den alten Schimanski" wieder etwas vergessen hatte, zog Breinersdorfer erneut los und bot den alten Drücker-Stoff nun dem Bayerischen Rundfunk (BR) an. Der fand  den Stoff spannend und gab ihm und seiner Tochter den Drehbuchauftrag für den TATORT-Film, der nun Ende Oktober das "Licht des Fernsehers" erblickt, wie Breinersdorfer nicht ohne Stolz erklärt.

Die Grundidee des Münchner TATORTs entspricht exakt der von "Machtrausch", wie Breinersdorfer dem TATORT-FUNDUS gegenüber bestätigt. Für die Verfilmung als Münchner TATORT von 2012 haben Breinersdorfer und seine Tochter den Stoff lediglich weiterentwickelt und vor allem auf die heutige Zeit und den Stand moderner Werbemethoden angepasst.

Innere Mechanismen einer abgeschotteten Welt

Breinersdorfer hat schon seit Jahren zu diesem Thema recherchiert und das Unwesen der Drücker beobachtet: "Die Abzocke an der Haustür hat inzwischen einen neuen zynischen Höhepunkt erreicht: Gutmütige und gutgläubige Menschen werden von Drückerkolonnen neuerdings wegen Spenden angegangen. Die Kolonnen sind im Stil organisierter Kriminalität aufgebaut, sie haben sich professionalisiert. Gier und Verzweiflung sind die Triebfedern. Wer nicht spurt, wird notfalls mit Gewalt auf Linie gebracht und manchmal endet das ?neue Leben? im Sarg, wie einige spektakuläre Fälle in der jüngeren Vergangenheit gezeigt haben. Für uns war es eine spannende Herausforderung einen Münchener TATORT über die inneren Mechanismen dieser abgeschotteten Welt zu schreiben.?

Hier hätten Lena Odenthal und Mario Kopper ermitteln sollen - ursprünglich! Bild: BR/ Bernd Schuller

Doch kein "beerdigtes" Projekt

"Ein neues Leben" wurde somit im sprichwörtlichen Sinne das Schicksal der Breinersdorfer`schen TATORT-Geschichte "Machtrausch" von 1999. Nach vielen Jahren doch noch als TATORT-Film realisiert zwingt diese Tatsache die Betreiber dieser Website, die Geschichte des TATORTs einwenig umzuschreiben. Wurde "Machtrausch" bisher noch als "Nicht realisiertes Projekt" in der Fan-Datenbank geführt (interner Titel: "beerdigte Projekte"), muss es nun neu kategorisiert und eingeordnet werden - um jetzt seine Auferstehung zu feiern.

Francois Werner


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