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Heute ist der: 21.03.2019. --> Bis heute wurden 1101 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Nachtkrapp

Finsteres zum Jubiläum

Die Buben kicken unter wolkenverhangenem Himmel auf gelbbraunen Blättern, während über dem still daliegenden See geheimnisvoll die Nebelschwaden wabern: Es ist tiefster Herbst in Konstanz, aber bei Klara Blum am Bodensee wähnt sich der Krimizuschauer eigentlich immer im Herbst oder Winter. Vermutlich, weil die schwermütige Stimmung so gut zur tiefgründigen Kommissarin und ihren meistens besonders düsteren Fällen passt.

Noch lebt Beat und feuert seinen Freund Moritz an, endlich mal ein Tor zu schießen ... © SWR/Peter Hollenbach

Der neue Bodensee-TATORT ist wieder so ein Krimi, der einen frösteln lässt - mit einer Geschichte, die unter die Haut geht und dort noch Stunden nach der Ausstrahlung unangenehm kribbelt. Wenn im Film Kinder zum Opfer grausiger Morde werden, lässt das keinen kalt - aber so etwas ist auch eine schwierige Gratwanderung für die Filmemacher. Diesmal, beim Jubiläumsfall der seit zehn Jahren am Bodensee ermittelnden Klara Blum, darf man den Verantwortlichen vom SWR-TATORT attestieren, eine Menge richtig gemacht zu haben. Vor allem atmosphärisch ist der Fall von Regisseurin Patrick Winczewski (Buch: Melody Kreiss) brillant erzählt: kühl und finster, fast im Stile eines "Schweden-Krimis".

Moritz hat Angst. Nach dem Mord an seinem besten Freund fürchtet er sich noch viel mehr vor dem Nachtkrapp. © SWR/Peter Hollenbach

Wobei der Kern der Story völlig absurd ist: Der "Nachtkrapp" ist der klassische Kinderschreck, ein mythisches Fabelwesen. Die Buben im Schullandheim raunen sich die Geschichte im Schlafsaal zu: "Das ist ein großer Schwarzer Vogel. Er kommt nachts die Kinder holen, wenn sie nicht brav sind." Also immer schön die Fenster zulassen.

Dumm nur, wenn der Erwachsene anordnet, dass der Raum die ganze Nacht gelüftet bleiben soll ... - So geschieht das Unfassbare beim Schullandheimaufenthalt einer katholischen Schweizer Jugendgruppe: Einer der Jungen fehlt am nächsten Morgen. Die Leiche wird wenig später gefunden - das Kind wurde missbraucht, brutal ermordet.

Als die aus dem See geborgene Kinderleiche ans Ufer gebracht wird, begegnen Klara Blum und Kai Perlmann zum ersten Mal dem Schweizer Kollegen Matteo Lüthi. © SWR/Peter Hollenbach

"Wäre ich ein Krimineller, so wollte ich um nichts in der Welt mit Klara Blum zu tun bekommen", schreibt der kaufmännische Hauptabteilungsleiter Film- und Familienprogramm, Manfred Hattendorf, im Geleitwort zum Jubiläum der Kommissarin. Und jeder TATORT-Zuschauer weiß, wie das gemeint ist: Klara Blum ist in gewisser Weise die "gefährlichste" aller Kommissarinnen. Sie wirkt auf den ersten Blick fast zu nett und wohl auch zu distinguiert für die Verbrecherjagd. Aber was steckt alles hinter dieser Fassade! Ihrem tiefen Blick, ihrem alles und jeden durchschauenden Verstand entkommt man nicht. Und von ihrer ungeheuren Durchsetzungskraft wird auch Matteo Lüthi (Roland Koch spielt ihn fast so cool wie Henning Baum den "letzten Bullen"), ein Ermittler aus der Schweiz, gleich überzeugt. Der ehemalige Geheimdienstbeamte würde den Fall um den ermordeten Jungen allzu gerne im Alleingang lösen. Aber nicht mit Klara Blum.

Blum verhört den Verdächtigen Holger Nussbaum. © SWR/Peter Hollenbach

Die Hauptkommissarin und ihr Adlatus Perlmann (tritt zum Jubiläum respektvoll in den Hintergrund: Sebastian Bezzel) nötigen den neuen "Kollegen" zum Teamwork. Ins Visier der Ermittler geraten zunächst die Heimleiter-Familie und Diakon Hobmann (Yves Raeber). Doch der Mann wehrt sich verständlicherweise dagegen, automatisch verdächtigt zu werden - nur weil er katholischer Geistlicher ist. Doch bald konzentriert sich Klara Blum auf einen alten Fall: Holger Nussbaum (Hansa Czypionka) wurde vor 15 Jahren wegen eines einschlägigen Delikts verurteilt und eben erst aus dem Gefängnis entlassen ...

Seit zehn Jahren ermittelt Hauptkommissarin Klara Blum am Tatort Bodensee. © SWR/Peter Hollenbach

Der Film, der sich gegen Ende wieder hochdramatisch zuspitzt, bleibt über weite Strecken betont nah an der Figur der Klara Blum. Immer wieder Großeinstellungen von dem scheinbar immer ernsten, zweifelnden Gesicht der Kommissarin, dem Gesicht einer Frau, der keiner etwas vormacht. Die bisweilen von Ermittlungsdruck und Hektik getriebene, dann wieder sehr nachdenkliche, ruhige Momente durchlebende Klara Blum reißt diesmal alle mit.

Ein starker Auftritt von Eva Mattes, dem der des "Neuen", Roland Koch, aber in nichts nachsteht. Der zupackende Lüthi und die wohlüberlegte Klara - ein Gipfel der Eigenbrötler, der Lust auf mehr macht. Ansonsten hat auch Schauspielerin Eva Mattes ganz konkrete Vorstellungen, was "ihre" Kommissarin angeht: "Für die Zukunft wünsche ich ihr, dass sie die poetischen Facetten, die sie in sich trägt, weiter zum Blühen bringt, öfter Fahrrad fährt und sich vielleicht auch mal verliebt."

Frank Rauscher - Teleschau Mediendienst
 


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