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Kinderland

Die Kölner in Leipzig

Eine aufgelöste Frau erscheint bei der Leipziger Polizei und möchte ihre Tocher Anna Römer als vermisst melden. Kurz darauf wird ein anderes junges Mädchen tot aufgefunden. Saalfeld und Keppler stoßen bei ihren Ermittlungen auf die Straßenkinderszene am Leipziger Hauptbahnhof und auf den Leipziger Kinderstrich. Zur gleichen Zeit wird in Köln ein junges Mädchen tot aus dem Rhein geborgen. Für Ballauf und Schenk ergeben sich ebenfalls Verbindungen nach Leipzig. Kurzentschlossen machen sich die beiden Kölner auf den Weg nach Sachsen, ohne die dortigen Kollegen zu informieren.

Crossover in Leipzig. Bild: MDR/Steffen Junghans

Crossover in Leipzig

Ein "Crossover" zwischen zwei Ermittlerteams gab es schon des öfteren am TATORT. In den 70ern wurde das noch schlicht "Gastauftritt" genannt. Mal mehr, mal weniger intensiv wurde der Gastkommissar in die Handlung einbezogen, was ab und zu zu einigen selbstreferenziellen Kommentaren führte: "Dass wir beide mal einen TATORT zusammen haben...!" Im Jahr 2000 gab es dann erstmals eine Folge, in der zwei Ermittlerteams gleichwertig einen Fall lösten: "Quartett in Leipzig" führte Ballauf und Schenk schon vor elf Jahren nach Leipzig, damals noch zu den Kollegen Kain und Ehrlicher. Das "Rückspiel" folgte dann 2003, als sich die Sachsen zum Gegenbesuch auf die Reise an den Rhein machten.

Nun treffen also wieder die Kölner auf die Leipziger, wobei Ehrlicher und Kain inzwischen von Saalfeld und Keppler abgelöst wurden. Das besondere an dieser Neuauflage des Crossovers ist diesmal, dass erstmals zwei Fälle miteinander verknüpft wurden und die gegenseitigen Besuche an einem Osterwochenende zu besichtigen sind. Im am Ostersonntag zu sehenden 1. Teil Kinderland ist also zunächst Leipzig der Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Ballauf ermittelt undercover und ohne die örtlich zuständigen Kollegen zu informieren auf dem Leipziger Kinderstrich, wird vom ebenfalls dort ermttelnden Keppler für einen Freier gehalten und bekommt erstmal Kepplers Faust zu spüren. Unterdessen findet Freddy großen Gefallen an der Kollegin Saalfeld und gibt den gutgelaunten Charmeur. Als alle Missverständnisse ausgeräumt sind, rauft man sich zusammen und ermittelt gemeinsam.

Hauptkommissarin Eva Saalfeld begrüßt den Kölner Kollegen Hauptkommissar Freddy Schenk im Leipziger Präsidium. Bild: MDR/Junghans

Zu viele Spirenzchen

Die Krimihandlung hat es recht schwer, gegen die recht wackelige Grundkonstruktion anzukommen. Die ganzen Umstände, warum nun die Kölner nach Leipzig fahren, warum sie sich dort nicht ankündigen, warum Keppler Ballauf nicht erkennt sondern ihm erstmal eine reinsemmelt - all diese Spirenzchen nehmen viel zu viel Platz ein. Die eigentliche Geschichte um den Leiter der Organisation "Kinderland" und das Drama der Kinderprostitution schafft es einfach nicht mitzuhalten und kommt deutlich zu kurz. Stattdessen werden elend lang Freddys Annäherungsversuche an die Kollegin Saalfeld inszeniert, was in einzelnen Szenen durchaus amüsante Züge trägt, aber auf die Dauer einfach zu sehr ablenkt. Je länger der Film dauert, desto ungeduldiger wird man angesichts der immer wiederkehrenden Ablenkungsmanöver des Drehbuchs. Spannung hat an keiner Stelle eine realistische Entwicklungschance. Offenbar war man bei WDR und MDR so begeistert von der Idee des Crossovers in einer Doppelfolge, dass sich in deren Ausgestaltung die gesamte Krativität erschöpft hat.

Olaf Dürer bietet Anna Römer seine Hilfe an. Bild: MDR/Junghans

Ein weiteres Ärgernis ist die zwielichtige Figur des Olaf Dürer, der die vermisste Anna Römer bei sich aufnimmt - völlig selbstlos, wie es zunächst scheint. Dieser Dürer ist dermaßen offensichtlich als potenzieller Vergewaltiger gezeichnet, dass man sich schon arg wundern muss, dass sich Anna dermaßen naiv in seine Hände begibt. Hinzu kommt, dass sich Dürer für den weiteren Handlungsverlauf als vollkommen überflüssig erweist. Angesichts diesen dramturgischen Fehlgriffs könnte man die im Drehbuch nur behaupteten, im Film aber zu keinem Zeitpunkt überzeugend inszenierten Irrungen und Wirrungen um die Familienbande der Straßenkinder fast übersehen. Da verlässt selbst den geneigtesten Zuschauer irgendwann die Lust, das Geflecht aus Beziehungen, Elternschaft und Abhängigkeiten zu entwirren.

Großartig: Lotte Flack

Den Erwartungen entsprechend sticht alleine Martin Wuttkes bisweilen gelangweilt wirkender Keppler aus dem Ermittlerquartett heraus, der Rest der Truppe genügt sich in wiederkehrenden Szenarien. Geradezu sensationell ist jedoch der Auftritt der jungen Anne Römer. Die Freude darauf, die erfrischend natürlich spielende Lotte Flack in der zweiten Folge am Ostermontag wiederzusehen, lässt den Zuschauer dann doch ein wenig versöhnt am Ende des Filmes zurück.

Heinz Zimmermann


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