Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 22.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Alles hat seinen Preis

Die Kommissare bitten zum Verhör

Wer ist schneller durch Berlin unterwegs? Der eine, Hauptkommissar Felix Stark, fährt mit dem Rad, der andere, Hauptkommissar Till Ritter, steht im Stau. Das kleine Eröffnungswettrennen zu Beginn des neuen Berliner TATORTs ist mal wieder ein schönes Bild für die grundverschiedenen, aber eben doch kongenialen Charaktere der beiden Ermittler. And the winner is ... natürlich der Mann mit dem Rad. Grund zum Jubeln gibt es für ihn aber kaum, und auch Ritter muss sich das Zähneknirschen im Angesicht der Härten des Jobs verkneifen: Ziel war ein TATORT - der Berliner Taxiunternehmer Herbert Klemke wurde erschlagen in seinem Büro aufgefunden. Kurz vor seinem Tod, so finden die Beamten heraus, ging es bei ihm zu wie im Taubenschlag. Heißt: reihenweise Verdächtige und viel Verhörarbeit für Ritter und Stark.

Hat die Bankangestellte Christa Meinicke etwas mit dem Mord an dem Taxiunternehmer Klemke zu tun? Bild: rbb/Daniela Incoronato

"Wir sind nun mal so, wie wir sind: Wenn wir Deutscher Wetterdienst spielen würden, wäre er ein Hoch und ich ein Tiefdruckgebiet", gab Boris Aljinovic dereinst über die charakterliche Großwetterlage im Berliner TATORT zu Protokoll. Natürlich, so könnte man meinen, ist auch diese charmante Ungleichheit irgendwann einmal auserzählt. Aber den Berliner Machern fällt tatsächlich immer wieder etwas Neues ein. Wirklich aller Ehren wert, wie in der Hauptstadt mit relativ bescheidenen finanziellen Mitteln immer nach dem Besonderen gesucht wird. Diesmal sind es also die Parallelschnitte - hier ermittelt Ritter, dort sein Kollege Stark -, die sich als roter Faden durch den von Regisseur Florian Kern (nach einem Drehbuch von Michael Gantenberg und Hartmut Block) mit erfrischend leichter Hand und viel Sinn für Ästhetik inszenierten Krimi ziehen.

An sich monotone, spröde Verhörsituationen werden plötzlich ganz schön spannend: Schon raffiniert gemacht, wie diese Zweigleisigkeit beim Erzählen den Betrachter immer tiefer in den Fall hineinzieht. Natürlich liegt die Sogwirkung auch an den exzellent besetzten Nebenrollen. In der illustren Runde der Verdächtigen ist vor allem Dagmar Klemke, die in Australien lebende Tochter des Toten, weit vorne mit dabei. Die großartige Nicolette Krebitz gibt in einem ihrer seltenen TV-Krimiauftritte eine routinierte Vorstellung als latent genervte, abweisende Erbin eines vermeintlich großen Immobilienvermögens.

Ziska erhofft sich finanzielle Unterstützung von ihrer ehemaligen Schulfreundin Dagmar Klemke. Bild: rbb/Daniela Incoronato

Die junge Frau, die mit dem Geld ihres Vaters eine Tauchschule eröffnen wollte, stritt am Mordabend ebenso mit Klemke wie der türkische Taxifahrer Delikara, dem der Unternehmer Geld schuldete. Zoff mit Klemke hatten auch Ziska Zuckowski (so eine schöne Ladenbesitzerin hätte man auch gern um die Ecke), Dagmars ehemalige Freundin, und ihr Bruder Pit. Die beiden haben sich gerade erst mit Krediten und allem Geld, das sie besaßen, einen kleinen Feinkostladen aufgebaut - in einer Immobilie Klemkes. Die Mittel hat ihnen die gleiche Bankangestellte zugeschustert, mit der der Taxiunternehmer und Immobilienbesitzer im Dauer-Clinch lag: Christa Meinicke - sie war in der Tatnacht ebenfalls bei Klemke. Was zu guter Letzt auch für Klemkes Sekretärin Edith Welziehn gilt. Sie war ihrem Chef seit über 40 Jahren treu ergeben ... Alles in allem wirklich eine Menge Arbeit für Ritter, den Autofahrer, und Stark, den Radler.

Ritter und Stark wundern sich über den Beutel Kleingeld, mit dem ein Mieter seine Schulden bei Edith Welzien bezahlen will. Bild: rbb/Daniela Incoronato

Ob auf dem Revier oder in Altbauwohnungen und Großstadtbüros: Ruhige, intensive Gespräche prägen diesen Whodunnit-Streifen - was auch furchtbar langweilig sein könnte. Aber irgendwie schaffen es die Berliner mit viel Originalität (allein die immer wieder neuen Großstadtperspektiven sind fantastisch), einem Schuss Heiterkeit, aber auch vielen sentimentalen Momenten wieder mal, ein stringentes, unterhaltsames Krimistück mit kleinem Seitenhieb auf das leidige Großbank-Gebaren auf die Beine zu stellen. Kommissar Weber, die Quotenschnodderschnauze der Berliner, würde sicher sagen: "Ne, det globste nicht!"

Frank Rauscher - Teleschau Mediendienst
 


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3