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Keine Polizei

Im Keller

Ballauf und Schenk ermitteln in ihrem 52. Fall in einer Entführungsgeschichte. Zuletzt waren die Fälle aus Köln bestenfalls Mittelklasse. Ein Aufwärtstrend ist diesmal nicht von der Hand zu weisen.

Elmar Thom wurde vor vier Jahren auf offener Straße entführt. Der Fall Thom weist Parallelen zu der aktuellen Entführung von Daniel Wächter auf. Bild: WDR/Uwe Stratmann

"Keine Polizei!" Der Sohn des Bauunternehmers Markus Wächter wurde entführt und die Erpresser gaben den Eltern eindeutige Handlungsanweisungen. Wenn die Polizei eingeschaltet werden sollte, wird der Sohn das nicht überleben. Ballauf und Schenk, die - zugegeben - auf etwas rumpligen Nebengleisen auf die Entführung stoßen, lassen trotzdem nicht locker und verbeissen sich in eine immer verzwickter erscheinende Erpressungsgeschichte.

Regisseur Kaspar Heidelbach, den man mittlerweile zum Urgestein des WDR-TATORTs zählen kann, hat sich sichtlich Mühe gegeben, das vor allem zu Beginn der Handlung deutlich überfrachtete Buch von Norbert Ehry zu entschlacken. Der Fall nimmt etwas behäbig Fahrt auf, wird dann aber umso wuchtiger. Ein recht düsterer Film ist dabei entstanden, in dem der Regen in endlosen Schlieren an den Fenstern des Kölner Kommissariats herunterläuft, wo Freddy Schenk die Entführungsfälle der letzten Jahre mit ähnlicher Handschrift noch einmal durchgeht. Dabei trifft er auf die Entführung von Elmar Schmitz-Thom, die fast genauso ablief wie der aktuelle Fall. Aber wo sind die Parallelen, worin münden sie? Auch der geneigte Zuschauer hat eine ganze Weile mitzurätseln, bis sich endlich alle Verbindungsstricke offen zeigen.

Max Ballauf ist froh, dass die Polizeipsychologin Lydia Rosenthal die Ermittlungsarbeiten im aktuellen Entführungsfall unterstützt. Bild: WDR/Uwe Stratmann

Es ist fast schon eine Wohltat, wie diesmal auf Buddy-Gehabe, coole Sprüche und das schnöde Durchexerzieren Kölscher Standardsituationen (Currybude, Schenks Dienstwagen, der Auftritt von Prinz') verzichtet wurde. Diese Szenen sind zwar alle in Keine Polizei! enthalten, wirken aber diesmal ruhiger als sonst, fast schon entschleunigt. Vielleicht ist das ja der Einfluss von Polizeipsychologin Lydia Rosenberg, die Juliane Köhler fast schon ein wenig gleichgültig herunterspielt. Den großen kleinen Jungen Max Ballauf kriegt Lydia schon noch erwachsen, da kann Freddy noch so viel frozzeln. Anders gesagt: Ballaufs Reife tut dem Film sichtbar gut. Hier gibt es kein hektisches Hin- und Hergerenne mehr, kein Angekeife im Büro und vor allem keine verkrampfte private Involvierung der Ermittler. Zwei Kommissare (ja, und Franziska!) lösen einen Fall, so einfach kann das funktionierende TATORT-Rezept sein.

Daniel Wächter, der 22-jährige Sohn eines Bauunternehmers, wurde verschleppt. Bild: WDR/Uwe Stratmann

Am stärksten ist Keine Polizei! immer dann, wenn er sich dem Opfer zuwendet: Die Szenen mit dem entführten Wächter Junior im Kellerverließ mit den vermummten, stummen Entführern sind in ihrer Schlichtheit fast schon als grandios unheimlich zu bezeichnen. Wer da nicht die Luft anhält, muss schon sehr abgebrüht sein. Und am Ende stehen Max und Freddy wie immer an der Bratwurstbude, vom Rhein her kriecht der Nebel an den Stehtischen hoch, Lydia fährt wortlos ab, der Fall ist gelöst - aber geholfen ist niemand, den Opfern nicht und den Tätern erst recht nicht. Schade, dass das milde Wetter nicht so recht passt: Ein Film für kalte Wintertage.

Heinz Zimmermann


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