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Heute ist der: 18.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Tödliche Häppchen

Gehen die Themen aus?

Die Arbeiterin einer Fleischfabrik hat sich von einer Brücke gestürzt - früh kommen Kopper und Odenthal dem Skandal auf die Schliche.

Lena Odenthal auf der Suche nach Beweisen, dass bei der Metropol nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Bild: SWR/Dirk Guldner

"Mir gehen allmählich die Reiseländer aus", pflegt der "Traumschiff"-Produzent und TATORT-Konkurrent vom Zweiten, Wolfgang Rademann, gerne zu sagen. Der Satz lässt sich ganz gut auf den TATORT übertragen, wandelt man ihn nur dahingehend ab, dass den Machern von Kiel bis zum Bodensee zuweilen die Themen ausgehen. TATORTe mischen sich bekanntlich gerne in gesellschaftliche Probleme ein - Probleme wie Fremdenfeindlichkeit, Drogenhandel oder Schwarzarbeit. Diesmal heißt das Thema "Fleisch". Längst kein Tabuthema mehr, jedes bessere Politmagazin greift es auf. Aber, wie gesagt, auch der TATORT braucht seine Themen - und so bekommen wir mit der auch nach 21 Jahren noch gleichbleibend sympathischen Kommissarin Odenthal diesmal allerlei Skandalöses zum Thema Fleisch serviert. Der treudoofe Titel Tödliche Häppchen (SWR) lässt sich durchaus doppeldeutig lesen.

Lena Odenthal hat den Verdacht, dass Elke Schmitz ihr so manches verschweigt. Vor allem über die Recherchen ihrer Freundin in der Firma. Bild: SWR/Maria Wiesler

Nahezu frei von jeglicher Spannung sind die Autoren Frauke Hunfeld und Josh Broecker (auch Regie) 90 Minuten lang darum bemüht, uns über die Machenschaften großer Fleischfabriken aufzuklären. Sei es, dass sie den dubiosen Chef einer Großfirma frontal über Vollverwertung, fragwürdige Abfallentsorgung und Enzymeinsatz in die Kamera sprechen lassen - oder eben die Arbeiterinnen, die unter ihren Plastikmützen am Fließband panierte Kunstschnitzel sortieren. Der Umsatz der tierischen Vollverwertungsbranche liege im "zweistelligen Milliardenbereich", so wird der mäßig staunende Zuschauer vom gefährlich adretten Chef belehrt. Kampflustige Fleischfeinde zitieren im Film gar Schopenhauer: "Wer gegen Tiere grausam ist, der kann kein guter Mensch sein!"

Nach anfänglichem Widerstreben beginnt die Ermittlung bei Tanzlehrerin Claudia Krüger Kopper richtig Spaß zu machen. Bild:SWR/Krause-Burberg

Soweit, so gut. Hätte man die Botschaft samt Kommissar Koppers (Andreas Hoppe) Bekenntnis zu Schweinemedaillons und einem Glas Rotwein mit einem halbwegs spannenden Whodunnit-Plot verbunden, wäre das alles vielleicht noch erträglich. Indessen tritt man hier viel zu früh offene Türen ein. Mobbing am Fleischfließband und kriminelle Machenschaften bei der Fleisch-Totalverwertung: Da wird früh klar, dass die Tote, die sich selbst von einer Brücke gestürzt haben soll, ein Opfer ihres Widerstands gegen die Machenschaften des Fleischfabrikanten war.

Wenn dann noch Kopper bei seinen Tanzstundenrecherchen reichlich unterbelichtet bleibt, wenn zudem die munter gemeinten Pathologenwitzchen dürftig wirken (kein Name am Verdachts-Schamhaar!), dann muss man sich um den Ludwigshafen-Krimi Sorgen machen. - Müsste man, wären da nicht immer noch diese traurig fragenden Augen der Kommissarin (Ulrike Folkerts), die beim Verhör immer noch so neugierig geblieben sind wie an ihrem ersten Arbeitstag.

Wilfried Geldner - Teleschau Mediendienst


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