Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 22.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Das erste Opfer

Stuttgarter Blutleere

Sie dürfte zu den außergewöhnlichsten Mordwerkzeugen der TATORT-Geschichte zählen: Die Schaufel eines tonnenschweren Radladers, die den Bauunternehmer Detlef Börner zielsicher aus seinem Baucontainer, wo er spätabends noch alleine arbeitet, in einen qualvollen Tod beförderte. Wenig später wird nachts die Marbacher Restaurantbesitzerin Sigrun Karrenbrock auf einem Feldweg in den Stuttgarter Weinbergen überfahren. Beiden Opfern wurde ein blutgerinnungshemmendes Mittel gespritzt, was ihnen einen langsamen Tod durch Verbluten bescherte. Und bei beiden Opfern wurde die Fotografie einer jungen Frau gefunden.

Für Gerichtsmediziner Dr. Vogt (Jürgen Hartmann) ist der Baucontainer, in dem Detlef Börner (Thomas Huber) ermordet wurde, genau wie für die Kommissare Lannert (Richy Müller, re.) und Bootz (Felix Klare, li.) ein ungewöhnlicher Tatort. © SWR/ Stephanie Schweigert

Für die Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz stellen die beiden Morde zunächst ein unlösbares Puzzle mit zwei Teilen dar. Irgendwo in der Vergangenheit beider Opfer muss es ein verbindendes Element geben. Wer ist die junge Frau auf dem Foto? Und wer wird als nächstes ermordert? Diese Grundkonstellation trägt in sich beste Voraussetzungen für eine ansprechende und spannende Krimihandlung. Je tiefer die Ermittler in die Vergangenheit der beiden Opfer eintauchen, desto interessantere Schnittstellen tun sich auf. Die sich daraus entwickelnde, interessant konstruierte Lösung ist für den Zuschauer zwar zunächst genau so schwer zu überblicken wie für Lannert und Bootz, jedoch bleibt die Geschichte jederzeit nachvollziehbar und letztlich auch logisch und in sich völlig konsequent. Trotzdem springt der Funke nie über und der Fall lässt seltsam kalt.

Nika Banovic flirtet ohnehin gerne mit dem Computerfachmann Rico. Da passt es gut, dass sie Hilfe bei der Suche nach einer Unbekannten gut gebrauchen kann ... © SWR/ Stephanie Schweigert

Das Schlüsselwort des neuen TATORTs lautet: Blutleere. Völlig lustlos scheint hier unter der Regie von Nicolai Rohde ein Standardfall heruntergekurbelt worden zu sein. Zahlreiche Szenen und Dialoge triefen vor gepflegter Langeweile. Die eigens für den Fall von Staatsanwältin Emilia Alvarez zusammengestellte Soko ist ein reines Kuriositätenkabarett. Wie in einem schlechten Schülertheater liest hier jeder Darsteller einen Satz vom Blatt ab, bevor die Soko wieder in der Versenkung verschwindet. Dazu kommen zahlreiche Merkwürdigkeiten, die offensichtlich nur dem Zweck dienen, den vielen Teammitgliedern der Stuttgarter eine Existenzberechtigung zu liefern. Technikerin Nika Banovic muss beispielsweise eine schon vom Anrufbeantworter gelöschte Nachricht rekonstruieren, wozu sie zunächst wild auf der Platine des Gerätes herumlötet und anschließend - schwupps - die fragliche Audiodatei am PC abhören kann.

Michael Joswig (Hans-Werner Meyer) war der letzte, dessen Telefonnummer der Ermordete vor seinem Tod anrief. Aber genau wie seine Frau Nadine (Julika Jenkins) sagt Joswig aus, dass er keinen Anruf entgegennahm. © SWR/ Stephanie Schweigert

Belanglos und platt, müde Pointen

Auch der Versuch, eine ansprechende Nebengeschichte um die Privatleben der beiden Ermittler zu entwickeln, scheitert kläglich. Bootz hat mit den Sorgen eines zeitweise alleinerziehenden Vaters zu kämpfen und Lannert verdächtigt seinen Nachbarn, regelmäßig seinen Porsche zu verschmutzen. Beide Handlungsstränge sind ebenso belanglos wie platt, führen zu nichts und münden in müden Pointen. Hier fehlen eindeutig die Frauen, weder Bootz' sympathische Frau noch Lannerts geheimnisvolle Nachbarin tauchen auf. Und so müssen sich die Männer eben alleine durchwurschteln und Lannert muss Bootz zig Mal beteuern, dass es schon okay ist, wenn der andere weg muss um seinen privaten Verpflichtungen nachzukommen.

Staatsanwältin Álvarez (Carolina Vera) möchte einen Exstaatsanwalt gerne festnageln. Bootz (Felix Klare, li.) und Lannert (Richy Müller, re.) müssen deshalb ihre Beweise hieb- und stichfest machen. © SWR/ Stephanie Schweigert

Das Ende des Films nimmt man dann schon sehr gelangweilt zur Kenntnis und kann sich spätestens am Dienstag nicht mehr an Einzelheiten aus diesem Sonntag-Abend-TATORT erinnern. Nur der Täter hinterlässt einen bleibenden Eindruck, weil schon bei dessen erstem Auftreten klar ist, dass diese Figur nicht ohne Not in die Folge hineingeschrieben wurde. So ist dem geübten Krimizuschauer von Anfang an klar, wer hinter den Morden stecken muss, obwohl die eigentlichen Zusammenhänge lange diffus bleiben.

Doch leider macht der an sich geheimnisvolle Fall noch lange keinen guten TATORT aus. Auch die teils exzellenten Darsteller wie Hans-Werner Mayer oder Alexandra von Schwerin können da nichts mehr retten. Das erste Opfer ist der 9. TATORT um die von Richy Müller und Felix Klare gespielten Stuttgarter Kommissare, deren erste Folgen kleine Höhepunkte der letzten TATORT-Jahre waren. Beiden sind dringend bessere Drehbücher und motiviertere Verfilmungen zu wünschen, damit sie nicht dauerhaft im Mittelmaß untergehen.

Heinz Zimmermann


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3