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Heute ist der: 11.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: Mord in der ersten Liga

Schwule Fußballprofis?

Schwule Fußballer? Skrupellose Spielermanager? Gewaltbereite Hooligans? Der neue NDR-"Tatort" will hinter die Kulissen der Bundesliga blicken.

Bild von: NDR / Marc Meyerbröker Ben (Luk Pfaff, Mitte) outet sich bei einer Pressekonferenz.

Irgendwann wird es sie sicher tatsächlich geben, diese bemerkenswerte Szene, die hier gegen Ende des neuen Hannoveraner TATORTs zu sehen ist: Da sitzt er, der Erstligafußballer, bei der Pressekonferenz vor der wartenden Meute. Und outet sich als schwul. Getrieben von der Presse, die öffentlich Vermutungen angestellt hatte. Homosexualität und Fußball - es war der DFB-Präsident Theo Zwanziger höchstselbst, der in einem Gespräch mit Hauptdarstellerin Maria Furtwängler dieses Thema für einen neuen Krimi aus dem Norden anregte. Furtwängler: "Das fand ich eine so gute Idee, dass ich auf den Sender und die Produzentin zugegangen bin und gesagt habe: Lasst uns das unbedingt machen."

Lange dreht sich also zunächst einmal alles um die Frage: Wer ist schwul und wer nicht? Einer, aus dessen Badezimmer Musik von Marianne Rosenberg erklingt, ist schnell ausgemacht. Bei anderen dauert es länger. Ganz ohne Klischees kommt der Film, der ansonsten recht sorgsam mit dem Thema umgeht, dann doch nicht aus.

Bild von: NDR / Marc Meyerbröker Gedreht wurde im Rahmen eines echten Bundesligaspiels. Die Zuschauer wurden ins Bild gesetzt und vom Stadionsprecher zum Mitspielen animiert. Vorne: Ben Nenbrook (Luk Pfaff).

Kevin Faber heißt der Tote, und er war erfolgreicher Profi bei Hannover 96. Nach dem Derby gegen den HSV, in dem er den Siegtreffer erzielte (gedreht wurde bei einer realen Bundesligapartie), wird er am Abend tot aufgefunden. Zunächst gerät eine Horde Hooligans unter Verdacht, die Faber zuvor im Interview öffentlich angegangen war. Im Internet hatten sie mobil gemacht gegen den Kicker, ja sogar Morddrohungen ausgestoßen. Sollten sie etwa einen Spieler ihres eigenen Vereins erschlagen haben?

Das Thema "Hooligans" ist neben der Homosexualität das zweite große Spielfeld, auf dem sich dieser ungewöhnliche Krimi bewegt. Gezeigt werden geheime Treffen mit geplanten Schlägereien. Und deutlich wird auch: Es sind nicht nur eher schlicht gestrickte Typen, sondern auch sozial höher gestellte Männer, die dort ihre Aggressionen ausleben. Homosexualität, Gewalt und dazu kommen dann auch noch die Praktiken von Spielerberatern, die sich an ihren Akteuren persönlich bereichern wollen. In diesem Fall ist es der äußerst schmierige Leo Biller (Alexander Held), der Kevin Faber seit jeher managte, ihn als Ziehsohn annahm und wohl einen Wechsel nach Italien einfädeln wollte.

Bleibt schließlich die Frage: War Faber schwul? Hatte er seine Freundin nur, um den Schein zu wahren? Sein Mitspieler und Freund Ben Nenbrook (Luk Pfaff) jedenfalls hat eine auffällig attraktive Blondine mit einem auffällig schnellen Auto an seiner Seite. Es ist beileibe nicht der erste TATORT, der sich um Fußball kümmert. Man erinnere sich an Schimanskis Fall Zweierlei Blut (1984), in dem sich der Kommissar am Ende nackt im Mittelkreis des MSV Duisburg wiederfand. Paul Trimmel fand 1973 einen Toten im Stadion. Und auch Bremens Inga Lürsen musste 2002 schon den Mord an einem Trainer aufklären. Doch so gnadenlos wie Mord in der ersten Liga (Regie: Nils Willbrandt, Buch: Harald Göckeritz) ging noch kein Krimi der ARD-Reihe mit dem Lieblingssport der Deutschen ins Gericht.

Bild von: NDR / Marc Meyerbröker Charlotte (Maria Furtwängler) und Jan (Benjamin Sadler) kommen sich näher.

Hier ist eigentlich nichts mehr ehrlich, schön oder gar romantisch an diesem Sport. Schade nur, dass die Gründe, warum der Fußball die mittlerweile letzte Bastion ist, in der Homosexualität tabu bleibt, nur unzureichend ausformuliert werden. Paul Näter (Fritz Roth), der Polizist, der diesmal Charlotte Lindholm unterstützend zur Seite steht, muss ein paar Vorurteile formulieren. Doch die Gnadenlosigkeit, mit der gegnerische Fankurven womöglich reagieren würden, die potenzielle Intoleranz in internationalen Vereinen in weniger liberalen Ländern, eventuelle Spannungen innerhalb des Teams - all das wird nicht angesprochen.

Bleibt die Kommissarin selbst, die nach dem Abgang ihres langjährigen WG-Partners (Ingo Naujoks) diesmal die meiste Zeit ohne Privatleben daherkommt und sich rein auf die Ermittlungen beschränkt. Bis sie dann auf den äußerst gut aussehenden Journalisten Jan Liebermann (Benjamin Sadler) trifft, der undercover in der Hooligan-Szene recherchiert und als interessantes Pendant zur LKA-Beamtin inszeniert wird. Typ: einsamer Wolf, der seinem Beruf alles unterordnet. Zu Alanis Morissettes Ballade "That I Would Be Good" blickt man sich am Ende tief in die Augen. Maria Furtwängler deutet an, dass diese Beziehung auch in den kommenden Fällen weiterverfolgt werden könnte: "Ich hoffe, dass es uns gelingt, das originell und spezifisch zu erzählen."

Kai Oliver Derks - Teleschau-Mediendienst


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