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TATORT: Auskreuzung

Gruselige Gene

In einem High-Tech-Genlabor wird eine Laborantin getötet. Verdächtig sind nicht nur die schnöseligen Wissenschaftler, sondern auch militante Umweltschützer. Krimispannung kommt nicht auf.

Für die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, r) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) hat Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) wieder im Hintergrund recherchiert. © WDR/ Willi Weber

"Für mich klingt das alles wie Frankensteins Werkzeugkasten", poltert Hauptkommissar Freddy Schenk und dürfte mit seiner geerdeten Kölnern Art mal wieder vielen Zuschauern aus dem Herzen sprechen. Eben erst hat er sich vom aalglatten Genforschern (großes Aufregerthema!) aus dem pharmazeutischen High-Tech-Privatinstitut, wie man es eben aus den Fernsehkrimis kennt, im Schnelldurchgang die Entwicklungsschritte auf dem Weg zu einem HIV-Mittel (großes Geschäft!) erklären lassen.

Unter Forschern herrscht enorme Anspannung, den entscheidenden Durchbruch zu machen. Und auch die gutherzigen Umweltschützer stehen wieder einmal nur eine Fußbreite entfernt von der Legalität. Dass also eine junge Labortechnikerin, die ein wertvolles Protein beaufsichtigen sollte, eines Morgens tot über der Kühltruhe hängt, ist keine wirkliche Sensation, sondern ein Ermittlungsanlass. Dass der sich daraus ergebende Fall (Drehbuch: Karl-Heinz Käfer, Regie: Thorsten C. Fischer) so gähnend langweilig und lieblos abgespult wird, ist dagegen schon verwunderlich.

Alexander Geyda (Tom Schilling) ist ein führender Kopf der Anti-Gentechnik-Szene. (hinten v.l) Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) © WDR/ Willi Weber


Wie nicht allzu selten bei den vom WDR produzierten Fällen wird den Zuschauern wieder einmal von Beginn an Betroffenheit abverlangt. "Die krempeln hier die Welt um und wir merken's nicht einmal", empört sich Schenk noch einmal über die Machenschaften der Wissenschaft. Und dass die militanten Gentechnik-Gegner, angeführt vom jungen Aktivisten Alexander Geyda, Sympathie verdient haben, sieht man im Film schon daran, dass sie auf den von ihren besetzten Versuchsfeldern drollige, zudem lehrreiche Schattenspiele veranstalten, in denen die Schrecken der unkontrollierbaren Mutationen nachgestellt werden. Und dadurch, dass dazu so nette Hippie-Musik im Hintergrund spielt.

Trotzdem müssen natürlich auch Todesfälle geklärt werden: Die Laborantin starb an einer Kohlendioxid-Vergiftung, erfährt man, weil jemand das Kühlsystem manipuliert und dann auch noch ihre wertvollen Proben entwendet hatte. Da nicht nur das Institutspersonal, sondern auch der schneidige junge Gen-Gegner allesamt arrogant auftreten, ist eigentlich per se erst einmal jeder verdächtig. Und erfahrene TATORT-Seher fragen sich schon, ob nicht bei zwei prominenten Episoden-Gaststars wie Tom Schilling und Mi?el Maticevic , der einen ehrgeizigen stellvertretenden Institutsleiter spielt, nicht wenigstens einer der beiden zum Schluss ins Fadenkreuz kommen könnte.

Die Kommissare (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär, li.) zwischen Genpflanzen und Wissenschaftlern: Dr. Christoph Rubner (Mi?el Matičević) arbeitet im Institut für Pflanzenforschung. © WDR/ Martin Valentin Menke

So richtig Lust an der Auflösung, wer mit wem gegen wen paktiert und intrigiert hatte, um an lukrativen Forschungsaufträge oder wissenschaftlichen Weltruhm zu kommen, scheinen diesmal auch die Kommissare nicht so recht zu haben. "Da zerbricht man sich nächtelang den Kopf über Desoxiribonukleinsäure", klagt etwa Hauptkommissar Max Ballauf, "und am Ende soll's wieder mal eine Beziehungstat gewesen sein". Immerhin spielt nämlich auch die attraktive Laborassistentin Lara Bahls, zu der sich mehr als einer der Protagonisten hingezogen fühlt, eine undurchsichtige Rolle.

Und Ballauf hat das DNS-Thema - also auch die Frage nach möglichen genetischen Verwandtschaftslinien - schon aus ganz privaten Gründen dicke. Immerhin erlaubt ihm das Drehbuch einen altbekannten TATORT-Nebenschlenker: Aus dem Nichts taucht mit dem 14-jährigen Komatrinker Finn ein jugendlicher Ausreißer bei ihm in der Wohnung auf, der doch tatsächlich vielleicht ein Sohn aus einer früheren Liebschaft gewesen sein könnte. Ein heimlicher DNS-Test im Polizeilabor soll Erhellendes über seine ganz private "Auskreuzung" liefern. Eine Ablenkung mehr.

Lara Bahls (Luise Berndt) arbeitet im Institut für Pflanzenforschung. Der Konkurrenzdruck ist groß. © WDR/ Willi Weber

Alles in allem ist der neueste Kölner Fall ein enttäuschendes Beispiel dafür, was einem das Vergnügen an einem durchschnittlichen TATORT-Abend mit einem gut eingespielten Ermittler-Paar mittlerweile vergällen kann: die privatistischen Mätzchen, der hohe Entrüstungsfaktor beim Spielen mit aus Zeitungsschlagzeilen bekannten Aufregerthemen (Gen-Versuche!), die geschwollenen Dialoge (außer bei den Kommissaren) in einer Sprache, in der höchsten Fernsehdirektoren in Schaltkonferenzen sprechen, und die allzu gemütlich-bräsige Routine-Ermittlung. Abzufilmen, wie zu bedrohlicher Hintergrundmusik Flüssigkeiten aus Reagenzgläsern umgefüllt werden, während die Handelnden im Halbdunkeln dabei finster schauen, erzeugt noch keine Krimispannung.

Rupert Sommer - Teleschau Mediendienst


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