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Heute ist der: 12.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Tod einer Lehrerin

Bunter Reigen am Zimmerspringbrunnen

Eine Lehrerin taucht nach den Sommerferien nicht wieder in der Schule auf. Dabei galt sie als zuverlässig und allseits beliebt. Eine ihrer Schülerinnen macht sich deshalb große Sorgen. Doch die Direktorin muss gar nichts unternehmen, die Polizei hat die Vermisste bereits gefunden ? natürlich tot. Den ?Tod einer Lehrerin? müssen Lena Odenthal und Mario Kopper nun aufklären.

Lena Odenthal befragt eine Schülerin. © SWR/Stephanie Schweigert

Ein starker Anfang: Zwei Einbrecher dringen in ein Einfamilienhaus ein, wollen dort ihre Beute zusammenscharren, durchsuchen die Zimmer, und plötzlich hört man einen entsetzten Schrei. Die beiden flüchten, und schon werden wir Zeuge des ewigen Kreislaufs des Lebens. Die Polizei ist da, weil es in einer Ludwigshafener Vorstadtidylle zwar nicht weiter auffällt, wenn eine Nachbarin mal sechs Wochen nicht zu sehen ist, sehr wohl aber, wenn ihre Glastür plötzlich zersplittert ist. Was die Hausbewohnerin, eine Lehrerin, in den gerade zu Ende gegangenen Sommerferien so gemacht hat, erfahren wir schnell: Sie diente als Nährboden für ganze Fliegengenerationen. Quietschvergnügt krabbeln die Maden über den Boden und surren die Brummer gleich schwarmweise durch die Zimmer. Da kann man schon mal entsetzt gucken, wie etwa auch ein schwarzes Mädchen, das plötzlich auftaucht, nur um sofort wieder wegzulaufen. Womit der Verdächtigenreigen eröffnet wäre. Wer hat die Lehrerin einer Brennpunktschule in ihrem eigenen Meerwasser-Zimmerspringbrunnen ertränkt? Eines der Problemkids, der unterschiedliche Meinungen über korrekte Benotung auf seine Weise austrug? War?s der Vater eines Jungen, der bei einer Klassenfahrt ums Leben kam und der die Schuld dafür in der Verletzung der Aufsichtspflicht durch die Pädagogin sieht? War es eine Eifersuchtstat, denn wir erfahren auch von amourösen Verstrickungen? Und was hat das schwarze Mädchen damit zu tun, das sich als aus Somalia stammende Schülerin des Opfers entpuppt? Was steckt hinter diesem ?Tod einer Lehrerin?, so der nicht sonderlich originelle Titel der Folge?

Reihenweise Chancen verspielt

Herr Betz trauert um seinen verunglückten Sohn und gibt die Schuld an dessen Tod der aufsichtführenden Lehrerin. © SWR/Stephanie Schweigert

Wie man ein hervorragendes Thema und ein gutes Schauspieler-Ensemble so richtig schön vor die Wand fahren lassen kann, dafür könnte dieser TATORT ein Lehrbuchbeispiel werden. Denn der Film vergibt seine Chancen gleich reihenweise. Es lag wirklich alles auf der Hand: gesellschaftliche Relevanz, ein vielschichtiges, unverbrauchtes, emotional aufgeladenes und dabei auch noch schön gruseliges Hauptthema (das hier leider nicht verraten werden kann, weil sonst das bisschen Spannung, welches das unmotivierte Täter-Rätsel überhaupt hergibt, auch noch versandet), gute Darsteller, und auch an der Filmkunst hat es nicht gelegen, wie die denkwürdige Eingangsszene samt Maden-Schocker beweist. Und statt daraus einen spannenden, gehaltvollen und kontroversen Film zu machen, wird alles durch den großen Sonntagabend-Konfektionswaren-Wolf gedreht, und was dabei herauskommt, ist nicht mehr als ein jämmerlicher neuer Aufguss des ewig gleichen Wer-war-der-Täter-Gerates.
Da hilft auch nicht, dass Odenthal und Kopper sich in bester Spiellaune präsentieren und ausnahmsweise sogar mal eine persönliche Verstrickung in den Fall nicht stört, sondern im Gegenteil ? und das sagt schon viel aus ? der interessanteste Aspekt des Films sein wird. Zumindest die beiden Hauptdarstellerfiguren gewinnen in ihrem 45. gemeinsamen Fall überraschend an Kontur, man interessiert sich tatsächlich wieder für sie. Was man von dem Fall selbst kaum sagen kann, der entpuppt sich aufgrund der Pitsch-Patsch-Dramaturgie auch noch als extrem unglaubwürdig konstruiert, und der Zuschauer muss schon einiges an Zufällen klaglos hinnehmen, damit eine falsche Fährte nach der anderen ganz unerwartet wieder im Nichts verläuft, bis dann eben ganz zum Schluss eine völlig neue Lösung aus dem Zimmerspringbrunnen gezaubert wird. Schlimm.

Ein Knallbonbon

Es gibt in diesem Fall viele Spuren, denen Kommissarin Lena Odenthal akribisch nachgeht. © SWR/Stephanie Schweigert

Aber schlimmer noch: Durch die Degradierung des Hauptthemas zum blanken Beiwerk, das eben erst als (mäßig) überraschende Wendung ganz am Ende auftaucht, bleibt jede tiefergehende Auseinandersetzung aus, wir hören ein paar der typischen Pros und Contras des gesellschaftskritischen Diskurs-Krimis, aber woraus Köln immerhin ein 90-minütiges Seminar gemacht und somit zumindest eine gewisse Volkshochschulfunktion erfüllt hätte, das muss in Ludwigshafen einzig als sofort verpuffender Effekt herhalten, als Knallbonbon äquivalent zur Maden-Eingangsszene. Das haben weder das Thema noch Odenthal und Kopper verdient. Und der Zuschauer schon gar nicht.

Heiko Werning
http://blogs.taz.de/reptilienfonds/


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