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Heute ist der: 08.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Lohn der Arbeit

Tiroler Verdächtigenpotpourri

Moritz Eisner ist einmal mehr in Tirol unterwegs, wo er den Mord an Bauunternehmer Kogl aufklären soll. Zusammen mit seinem alten Kollegen Pfurtscheller ermittelt er im Umfeld des Toten und trifft auf einen Verdächtigen nach dem anderen.

Auch der Pfarrer (Christoph Leszczynski, Mi.) ist voller Bitterkeit darüber, wie die mazedonischen Arbeiter behandelt wurden. Bild: rbb/ORF/Bernhard Berger

Sie sind mittlerweile zu einer eigenen kleinen Fortsetzungsreihe geworden: Die Tirol-Ausflüge des Wiener Sonderermittlers Moritz Eisner. Was 2001 mit eher zufälligen Mordermittlungen während eines Wanderurlaubs begann, hat sich nach nunmehr zehn Jahren zu einem professionell angelegten Außendienst entwickelt. In schöner Unregelmäßigkeit schreibt Felix Mitterer für den ORF Tirol-Drehbücher, in denen Eisner ohne seine Wiener Kollegen auskommen muss. Und so gibt es diesmal auch kein Wiedersehen mit der beim Publikum in den letzten beiden Folgen äußerst gut angekommen Bibi Fellner.

Stattdessen trifft Eisner auf Franz Pfurtscheller, in den Tirol-TATORTen seit einiger Zeit die rechte Hand des Sonderermittlers. Der hegt zwar immer noch leichte Abneigungen gegen die Wiener und ihre jugoslawisch geprägten Essgewohnheiten, vertraut aber trotzdem auf die kompetente Hilfe aus der Bundeshauptstadt bei der Lösung eines heiklen Falles: Wolfgang Kogl wurde ermordet. Einem Mahnmal gleich wurde seine Leiche kopfüber an einem Kran aufgehängt. Feinde gab es genug im Umfeld Kogls. Und immer wenn Pfurtscheller glaubt, jetzt habe man den Täter überführt, beginnt Eisner mit weiteren Ermittlungen.

Kogls Exfrau Helga Brugger und ihr gemeinsamer Sohn Hubert erben seine Firma. Bild: rbb/ORF/Bernhard Berger

Um es klar zu sagen: Dies ist ein TATORT für alle, die mit schnell geschnittenen Filmen nicht klarkommen, bei denen man keine Sekunde verpassen darf. Wer noch dazu schöne Landschaftsaufnahmen zu schätzen weiß, hat hier seine perfekte Sonntagabendunterhaltung gefunden. Harald Krassnitzer, der den Eisner hier zum 26. Mal gibt, hatte vor den Dreharbeiten einen Unfall. Mitterer schrieb das Drehbuch um und so humpelt nun auch Eisner an Krücken durch das schmucke Städtchen Hall in Tirol. Mag es an den Krücken liegen oder auch an der idyllischen Kulisse: Dieser TATORT schleppt sich recht behäbig durch knapp 90 Minuten. Eisner hat durchweg schlechte Laune, humpelt und grantelt sich durch die Ermittlungen und muss dazu noch Pfurtschellers ständige Telefonate mit dessen dementer Mutter ertragen.

Was den Fall am Laufen hält, sind die Verdächtigen, von denen immer mehr auftauchen: Die Witwe des Toten, sein Sohn, seine Exfrau, der Subunternehmer, der Pfarrer, der Journalist, ein Finanzbeamter und die beiden mazedonischen Arbeiter, die schwarz für Kogl gearbeitet haben, um ihr Geld geprellt wurden und nun im Namen ihrer Kollgen zurückkommen, um den ihnen zustehenden Lohn zu erhalten. Fast schon ein wenig beiläufig wird dabei auch noch die Schwarzarbeitproblematik abgehandelt, wobei man das Gefühl hat, dass hier alibimäßig noch ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema in den TATORT hineingeschrieben werden musste. So wird denn an einer Stelle erwähnt, dass auch das Finanzamt nichts gegen alle Schwarzarbeiter unternehmen könne, da ansonsten ein Zusammenbruch der österreichischen Wirtschaft drohe. Das mag durchaus richtig sein und könnte auch Auslöser für weitere politische Diskussionen sein, führt aber letztlich nur zu einer äußerst hilflos anmutenden Geste Eisners, die stellvertretend für die Hilflosigkeit des ganzen Films steht.

Auch der Finanzbeamte Jakob Wiesner (Martin Zauner, re.) hätte ein Mordmotiv. Bild: rbb/ORF/Bernhard Berger

Der TATORT ist eine Baustelle: Auch in der recht provisorisch anmutenden Haller Polizeiwache wird gebaut, Akten und Inventur in Pfurtschellers Büro liegen unter Abdeckplanen und wer weiß schon so genau, ob auch die staatlich beauftragen Bauarbeiter eine Aufenthaltsgenehmigung haben und Steuern und Sozialabgaben für sie abgeführt werden. Kogl hatte in dieser Beziehung einige Leichen im Keller: Unter teils unwürdigen Zuständen in Baucontainern untergebracht und mit Minimallohn abgespeist hatte er seine Arbeiter, was diese, den Pfarrer, den Journalisten und selbst seinen Sohn wütend zurückließ. Der Dreck, in dem Eisner und Pfurtscheller hier wühlen müssen: er will kein Ende nehmen. Das beginnt auf der Baustelle und endet auf der Dienststelle. Und so schleppt sich Eisner weiter durch die engen Gassen der Haller Altstadt.

Irgendwann wird es dann doch zu viel: die ostdeutsche Kellnerin, der suspendierte Finanzbeamte und eine Schwangerschaft müssen auch noch her im bunten Tiroler Verdächtigenpotpourri. In manchen Bouletten steckt zu viel Knoblauch und in manchen TATORTen zu viele Zutaten.

Heinz Zimmermann


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