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Heute ist der: 20.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: Im Abseits

"Theo, wir fahr'n nach Eppheim!"

Am nächsten Sonntag ist es soweit: Die 6. Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen wird mit der Partie Deutschland gegen Kanada im Berliner Olympiastadion eröffnet. Und da große Ereignisse ihre Schatten bis in die Pfalz werfen und die ARD ihre Zuschauer nicht völlig unvorbereitet auf diese exotische Spielart der schönsten Nebensache der Welt loslassen will, hat sich auch der neue TATORT aus Ludwigshafen am Rhein ganz dem Thema Frauenfußball verschrieben. Mit dabei: DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger.

Assistiert von Manager Meingast (Bernd Gnann), Celia Okoyino da Mbabi und Steffi Jones spricht Theo Zwanziger den Spielerinnen des FC Eppheim wegen des gewaltsamen Todes ihrer Mannschaftskameradin sein Mitgefühl und seine Trauer aus. © SWR/ Krause-Burberg

Als die Kommissare Odenthal und Kopper im Stadion des FC Eppheim eintreffen, um den Tod der Spielerin Fadime Gülüc zu untersuchen, fällt bereits der erste Kalauer zum Thema Frauenfußball. Es soll nicht der letzte sein. Kopper kann einfach nicht verstehen, warum seine Lieblingssportart ausgerechnet von Frauen gespielt werden soll. Fadime Gülüc war das Aushängeschild des aufstrebenden Vereins, viele haben sie bewundert, einige haben in ihr eine Konkurrentin gesehen und für manche hat sie ihre Karriere beim FC Eppheim nur benutzt, um nach Höherem zu streben. Die Interessen- und Motivlage ist also vielfältig, dementsprechend unübersichtlich ist auch das Heer der Verdächtigen. Auch die Familie der Ermordeten gerät ins Visier der Ermittler.

Insbesondere Fadimes Eltern haben es gar nicht gerne gesehen, dass ihre Tochter dass offizielle Motto der WM "Zwanzig-Elf von seiner schönsten Seite" auch gleich in die Tat umsetzte und sich in aufreizenden Posen leichtbekleidet am Spielfeldrand hat fotografieren lassen. So muss denn auch noch der Migrationshintergrund der ermordeten Profifußballerin den weiteren Handlungsablauf beeinflussen, was Frau Odenthal erneut die Möglichkeit der Belehrung ihrer Mitmenschen darüber gibt, dass es in muslimischen Köpfen auch nicht anders zugehe als in allen anderen auch.

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ermittelt im Fall einer ermordeten Fußballerin des FC Eppheim. Zu den Verdächtigen gehören auch Trainerin Petra Krömer (Susanne Marie Wrage, links) und Stürmerin Sonja Tossik (Pheline Roggan, Mitte). © SWR/ Krause-Burberg

Es ist - zugegeben - immer schwierig, einen spannenden Krimi auf der Grundlage eines aktuellen Ereignisses zu drehen. Warum nur versucht es die ARD trotzdem immer wieder? Ob ARD-Themenwoche oder nun die Frauen-WM: Immer muss der TATORT herhalten, um die Durchdringung der TV-Fiktion mit dem aktuellen Thema unter Beweis zu stellen. Meist folgt dann noch Anne Will, um in ihrer Plauderrunde die soeben gesehene Krimihandlung mit der politischen Realität abzugleichen. Hier gibt's zwar danach keine Podiumsdiskussion, dafür aber jede Menge Prominente aus dem Sportbereich noch während des Krimis, um die Authentizität der Handlung zu unterstreichen. Geübte TATORT-Zuschauer werden sich noch mit Grauen an den legendären Auftritt von Berti Vogts erinnern.

Hier wird nun gleich eine ganze Armada von Sportfunktionären aufgefahren: Steffi Jones, Jogi Löw, Oliver Bierhoff und Theo Zwanziger tauchen auf. Manche der genannten Nicht-Schauspieler sind so klug und überlassen das Aufsagen von Text den Profis, andere beschränken sich auf die mit betroffener Miene dargebrachte Frage: "War es ein Unfall?", Zwanziger hat jedoch leider recht viel Text. Auch Steffi Jones muss auf dem Fussballplatz in einer sehr bizarren Szene eine hölzerne Trauerrede aufsagen wie ein Weihnachtsgedicht, während man sich fragt, ob dafür nicht der Friedhof die geeignetere Lokalität gewesen wäre. Und auch hier kann man sich fragen: Wieso macht der SWR das? Das lächerlich wirkende Ergebnis war doch absehbar.

Widerwillig übergibt Fotograf Martin Jansen (Stefan Konarske; Mitte) den Chip vom Fotoshooting an Kopper (Andreas Hoppe, li.) und Lena (Ulrike Folkerts).

Ulrike Folkerts zuzuschauen macht dagegen richtig Freude: So gelöst und locker hat man sie lange nicht gesehen. Auch das Zusammenspiel mit Andreas Hoppe funktioniert nach mittlerweile 42 gemeinsamen Fällen erstaunlich gut. Selbst die größten Drehbuchkapriolen spielen die beiden vor endlich mal wieder sich ohrer Örtlichkeit bewussten Ludwigshafen-Bildern einfach so weg. Man merkt deutlich, dass Drehbuchautor Uwe Janson einige Mühe hatte, Pep in den Alltag des altgedienten Ermittlerduos hineinzuschreiben.

Kaum vorstellbar, dass Lena diesmal zum ersten Mal in Marios Stammpizzeria zu Gast ist, wo sie dem Wirt noch vorgestellt werden muss. Und auch die mittlerweile anscheinend unverzichtbare Odenthalsche Ermittlung auf eigene Faust am Tatort mit sofort einsetzender Bedrohung kommt durch die frisch wirkende Ulrike Folkerts nicht ganz so abgeschmackt rüber, wie sie tatsächlich ist. Womit wir bei der Auflösung des Falles wären: Nach etlichem Hin- und Hergefahre zwischen Präsidium, elterlicher Wohnung und Stadion, wo jeweils so gut wie keine Ermittlungsarbeit stattfindet, kommt der entscheidende Hinweis zur Überführung des völlig beliebigen Täters genau zwei Minuten vor Schluss aus dem kriminaltechnischen Labor, wenn der Zuschauer längst das Interesse verloren hat. Er hätte auch schon nach fünfzehn Minuten kommen können, aber dann hätte das Spiel ja nicht 90 Minuten gedauert. Odenthals Abstieg in die Krimi-Kreisliga hat leider längst begonnen.

Heinz Zimmermann


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