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Heute ist der: 16.12.2019. --> Bis heute wurden 1125 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: Nasse Sachen

"Es gibt Sachen, mit denen wird man einfach nicht warm", ...

... lautet der letzte Satz des neuen TATORTs aus Leipzig, ?Nasse Sachen?, bei dem es um DDR-Vergangenheitsbewältigung, das Leben der Anderen, und die Schuld der Väter geht.

Die Hauptkommissare Eva Saalfeld und Andreas Keppler müssen Karla Rimbach die traurige Nachricht von der Ermordung ihres Vaters Walter Rimbach überbringen. Bild: MDR / Steffen Junghans

In einem Leipziger Industriegebiet wird eine Leiche aus einem fahrenden Auto geworfen. Es handelt sich um den dubiosen Gebrauchtwagenhändler Jannis Kerides. Als die Kommissare Keppler und Saalfeld, im Laufe ihrer Ermittlungen, die Werkstatt des ermordeten Gebrauchtwagenhändlers untersuchen wollen, kommt es zu einem Schusswechsel. Eva Saalfeld verletzt einen der Verdächtigen schwer und macht sich danach nicht nur Vorwürfe, sondern muss mit einer Suspendierung und einem Disziplinarverfahren rechnen.

?All cops are bastards?

Trotzdem gehen die Ermittlungen weiter und was genau den zwiespältigen Autohändler und den wenig später aufgefundenen, erschlagenen Ex-Volkspolizisten (Rimbach) verbindet, ist leider nicht spannend oder komplex, es ist nur verwirrend. Die Geschichten von verschwundenen Vätern und dreier ?verlorener? Kinder sind in diesem TATORT miteinander verwoben. Das Drehbuch von Andreas Knaup bemüht sich darum, so etwas wie einen historischen Wiederholungszwang bzw. die Chance auf Veränderung und Wiedergutmachung und die Unabgeschlossenheit von Geschichte zu thematisieren. Dabei erfährt Eva Saalfeld zum ersten Mal Einzelheiten über den Tod ihres Vaters, der 1983 in Ausübung seines Dienstes ums Leben kam.

Hauptkommissarin Eva Saalfeld ist diesmal häufiger mit gezückter Waffe in Aktion. Bild: MDR / Steffen Junghans

Nasse Sachen war damals die zynische, interne Bezeichnung beim MfS (Hauptabteilung I ? Äußere Abwehr) für Gewaltmaßnahmen bis hin zum Mord. Die Zutaten für diesen TATORT lauten Gier, Eigennutz und größtmögliche Verantwortungslosigkeit. Die Täter zeigen darüber hinaus keinerlei Einsicht oder gar Reue: ??die haben mich zum Opfer gemacht? behauptet am Ende jener, der im Auftrag des Staates getötet hat. Hätten sich die Verantwortlichen doch die sechste Regel des ehrenwerten Detection Clubs um Agatha Christie zu Herzen genommen: ?Weder darf der Zufall dem Detektiv zu Hilfe eilen, noch darf er unerklärliche Eingebungen haben, die sich als richtig herausstellen.?

Aber dem ist nicht so. Also muss jedes Mal, wenn das Drehbuch an seine Grenzen gerät, ein Zufall her. Darüber hinaus ist Nasse Sachen gespickt mit ärgerlichen Regieeinfällen. Zum Beispiel lassen sich Polizisten am Flughafen blöde auf ihre Fahndungsbilder gucken, oder mitten im Kampf auf Leben und Tod ruft Carla Rimbach: ?Hey, das ist mein Auto?. Jedenfalls ergeben all diese Fauxpas unfreiwillig komische Momente, die mit dem ständigen Weichzeichner auf Simone Thomalla Gesicht und einer unerträglichen Rührseligkeit am Ende einen schlechten TATORT abgeben. ?Es gibt Sachen, mit denen wird man einfach nicht warm, ? und deutsch-deutsche Vergangenheitsbewältigung im Unterhaltungsformat gehört dazu.

Nadja Israel


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