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Heute ist der: 20.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: Ausgelöscht

Liebesgrüße aus Sofia

Sie sind wieder da: Moritz Eisner ermittelt in seinem 25. TATORT-Fall. Zum zweiten Mal steht ihm dabei die patente Bibi Fellner zur Seite - und erstmals erhält das Team sogar Schützenhilfe aus Bulgarien.  Für unseren Autor Heinz Zimmermann ist dieser TATORT zwar "gute Unterhaltung" - aber eben auch eine "riesengroße Mogelpackung"....

Ziemt sich das? Bibi Fellner singt nach der Entlassung von Inkasso-Heinzi in dessen Lokal. Bild von: rbb / ORF / Ingo Pertramer

Ein Toter mit zwei Einschusswunden aus zwei verschiedenen Waffen wird auf einem menschenleeren Parkdeck nackt in einem Einkaufwagen aufgefunden. Im Schloss steckt ein bulgarischer Lew. Recht schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um den vorbestraften Petko Imanow handelt, der erst kurz zuvor an einem Einbruch in ein Juweliergeschäft beteiligt war. Wer hat Petko Imanow getötet? Sein Komplize, der nicht teilen wollte? Oder jemand ganz anderes?

Nach dem letzten ORF-TATORT waren die Erwartungen an das neue Team diesmal besonders groß. Gut in Erinnerung blieb vor allem Bibi Fellner, strafversetzt von der Sitte, schlagfertige und trinkfeste neue Kollegin Eisners, die dem letzten Fall einen wunderbar bärbeißigen Anstrich gab. Zunächst sieht es auch ganz so aus, als ob dieser Fall ganz an die Stärken des Vorgängers anknüpft: Moritz Eisner hat gleich am Anfang Probleme, seine Kollegin überhaupt zu erreichen. Diese feiert lieber mit Inkasso-Heinzi, von dem sie bereits den "Dienstwagen" geliehen hatte, dessen Entlassung aus dem Gefängnis mit einem kleinen Ständchen in einer zwielichtigen Kaschemme. Die österreichische Allzweckwaffe Simon Schwarz gibt den Ex-Knacki fast schon eine Spur zu brav. Hinzu kommt, dass Eisner wegen einer ärztlich verordneten Diät schon von Hause aus schlechte Laune mit zur Arbeit bringt.

Gleich geht's zum Einsatz, von links: Bibi Fellner, die bulgarische Ermittlerin Donka Galabova und Moritz Eisner sind bereit für die Festnahme des Verdächtigen. Bild von: rbb / ORF / Ingo Pertramer

Mit diesem Fall wollte Autor Uli Brée den ganz großen Wurf landen, das merkt man in jeder Szene. Die Mischung aus einem großangelegten, immer weitere internationale Kreise ziehenden Kriminalfall und zahlreichen humoristischen Zwischenspielen, sollte sicherlich eine Neuauflage eines der üblichen TATORT-Erfolgsrezepte werden. Als Zuschauer schaut man dem kurzweiligen Treiben auch sehr gerne zu, die Handlung plätschert angenehm dahin, man fühlt sich, wie es oft heißt, "gut unterhalten", bis - ja, bis man am Schluss mit einem ganz großen Paukenschlag von der Couch gerissen wird.

Gab es ein solches Ende schon einmal in der 40jährigen TATORT-Geschichte? Kaum. Die Endpointe hat etwas derart Umwerfendes, dass man geneigt ist, den ganzen Film nur noch über das Ende zu bewerten, was immer fatal ist. Denn wenn man jetzt einmal rückblickend die Handlung der vorhergehenden knapp 90 Minuten Revue passieren lässt, kommt einem der ganze Film vor wie eine riesengroße Mogelpackung. Es ist zu offensichtlich, dass hier eine Geschichte von ihrem Ende her und um des spektakulären Endes willen aufgebauscht wurde, wo eigentlich gar keine Geschichte war. Und genau darin unterscheidet sich diese Folge von anderen Folgen mit ähnlich überraschendem Ende.

Das Schmuckstück am Hals der Barfrau Linda wird zum Indiz gegen ihren Chef. Moritz Eisner und Bibi Fellner haben eine weitere Spur ... Bild von: rbb / ORF / Ingo Pertramer

Eine ganze Figuren-Armada zieht vorüber, die alle mehr oder weniger in den Fall verstrickt werden, darunter einige Krimi-Stereotypen, die man einfach nicht mehr sehen möchte: Der schlechtgelaunte Eisner auf Diät, die abstinente Bibi, ein schwuler Zuhälter, die biedere Kollegin aus Sofia, der mitten in der Midlife-Crisis steckende und dabei schon mal Blanko-Durchsuchungsbeschlüsse verteilende Vorgesetzte, ein schmieriger Anwalt mit dem verräterischen Namen "Deutschmann", Eisners Tochter musste auch noch völlig sinnfrei eingebaut werden, ja, sogar der in der letzten Folge mit nur einem Satz auftauchende junge Kollege, der ursprünglich an Bibis Stelle Eisners neuer Assistent werden sollte, taucht hier plötzlich in Unterhosen auf und darf dann auch noch mitermitteln.

Alles heiße Luft. Das ganze Soufflée, unter der Regie von Chefkoch Harald Sicheritz auch lecker anzusehen, fällt plötzlich in sich zusammen und lässt den Zuschauer hungrig zurück. Ein Menü ohne Gehalt bekam man hier serviert. Sicher: Bildregie und vor allem die bedrohliche Musik verleihen dem Film, insbesondere am Anfang, eine sehr bedrohliche Atmosphäre, der brachiale Titel "Ausgelöscht" passt auch dazu. Aber letztlich sitzt man ermattet vor dem Fernseher und fragt sich, worum es eigentlich die ganze Zeit ging. Wirklich nur um irgendeine wirre und austauschbare Story zur Erreichung der Schlusspointe? Ja wirklich, um mehr ging es nicht. Ein ärgerlicher TATORT.

Heinz Zimmermann


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