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Heute ist der: 21.10.2019. --> Bis heute wurden 1119 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Joachim Król und Nina Kunzendorf

Der Misanthrop und die Prolette

Joachim Król und Nina Kunzendorf etablieren als neues Frankfurter "Tatort"-Team Figuren voller Geheimnisse. Und doch werden ihre nächsten Fälle auf realen Ermittlungen beruhen.

Das neue "Tatort"-Duo aus Frankfurt nimmt seinen Dienst auf: Nina Kunzendorf verkörpert Hauptkommissarin Conny Mey, Joachim Król ihren ranggleichen Kollegen Frank Steier. - Bild: HR / Johannes Krieg

Ein klassisch gemischtes Doppel: Joachim Król (53) und Nina Kunzendorf (39) sind das neue "Tatort"-Team aus Frankfurt. Dabei trifft der menschenscheue, einsame Wolf auf die Prolette mit Herz. Hört sich nicht neu an. Aufgrund schauspielerischer Klasse und dem konzeptionellen Tiefgang von Teamerfinder Lars Kraume etabliert das ungleiche Paar dennoch von der ersten Filmminute an ein spannendes Verhältnis voller Geheimnisse. Dazu wagt der "Tatort" mit Conny Mey und Frank Steier etwas Neues: Die nächsten Fälle sind nach wahren kriminalistischen Ermittlungen geschrieben, die der ehemalige Kommissar und Profiler Axel Petermann im Buch "Auf der Spur des Bösen" aufgeschrieben hat. Los geht's am Sonntag, 8. Mai, 20.15 Uhr, mit dem TATORT Eine bessere Welt, der zugleich der 800. Fall in der Geschichte der renommierten ARD-Krimireihe ist.

teleschau: In Deutschland wird die Rolle des Fernsehkommissars fast schon inflationär oft angeboten. Ist der TATORT trotzdem etwas Besonderes?

Joachim Król: TATORT ist vor allem ein Dach, unter dem man hervorragende Filme machen kann. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mit der Redaktion vom Hessischen Rundfunk das sehr schöne Fernsehspiel "Windland" gemacht. Seitdem war der Kontakt da, und ich wusste, auf was ich mich einlasse. Das alles hat mich nachdenklich werden lassen - im positiven Sinne.

Sie haben aber nicht sofort "ja" gesagt?

Król: Sagen wir es so - ich habe gemerkt, dass ich immer noch verführbar bin. Der Reiz des Neuen lässt mich immer noch kribbelig werden. Wenn man Erfolg hat mit einer Figur, könnte man es ja dabei belassen und weitersegeln, bis die finale Fahne kommt. Aber das ist nicht so mein Ding. Vielleicht habe ich diese Figur auch nur noch nicht gefunden. Wer weiß, vielleicht wird das ja mein Kommissar Steier.

TATORT-Ermittlerteams leben von ihrer besonderen Chemie. Welche Formel haben Sie mit Nina Kunzendorf gefunden?

Król: Wir sind uns zum ersten Mal vor etlichen Jahren begegnet - weil wir früher bei derselben Schauspielagentur waren. Bei Agenturkollegen guckt man immer etwas genauer hin, was die so machen. Mich hat immer fasziniert, was Nina spielt. Ich bin schon sehr lange ein Fan von ihr. Sie hat mich aber auch in der Begegnung sehr angesprochen. Um es etwas klarer zu formulieren - ich mag sie einfach sehr. Das ist eine fantastische Grundlage.

Nina Kunzendorf: Später hast du dann erfahren, dass mir das nicht anders ging. Trotzdem haben wir in all den Jahren niemals zusammen gespielt. Ein fast schon merkwürdiger Zufall ...

Joachim Król gibt als Frankfurter "Tatort"-Kommissar Frank Steier den einsamen Wolf mit Näheproblem. - Bild von: HR / Johannes Krieg

Vielleicht deshalb, weil Frau Kunzendorf deutlich größer ist als Sie und man Sie nicht als klassisches Paar besetzen würde?

Król: Die Situation kommt ab und an vor (lacht). Aber ich glaube, das ist heute auch nicht mehr unbedingt ein Kriterium. Nein, wenn man bedenkt, wie lange wir beide schon drehen, ist es wirklich verrückt, dass dies unser erster gemeinsamer Film ist.

Nun haben Sie Gelegenheit, viele Filme gemeinsam zu machen. Was ist an den Kommissaren Frank Steier und Conny Mey so interessant, dass Sie auch Lust darauf haben werden?

Król: Nun hatten wir erst mal die Aufgabe, dass sich die beiden kennenlernen und vorstellen müssen. Es sind zwei Figuren mit einer relativ offenen Bindungsstruktur. Zumindest wird zu Anfang viel im Verborgenen gehalten. Andererseits ist es ganz klar Konzept dieses TATORTs, dass die eigentliche Polizeiarbeit und nicht das Privatleben im Mittelpunkt stehen soll.

Regisseur und Autor Lars Kraume möchte die nächsten drei Fälle nach dem Buch "Auf der Spur des Bösen" drehen, in dem ein Profiler echte Kriminalfälle beschrieben hat. Merkt man den Drehbüchern an, dass sie auf realen Ermittlungen beruhen?

Nina Kunzendorf: Ich finde, man merkt das sehr. Die Akribie und der Detailreichtum der Fälle findet sich auch in den Drehbüchern wieder. Zumindest empfand ich das so beim zweiten Fall, auf den wir uns gerade vorbereiten. Lars schreibt ja nicht nur die Drehbücher, er ist auch im Kontakt mit dem Profiler Axel Petermann, dem Autor jenes Buches. Petermann bekommt die Drehbücher auch noch mal vorgelegt und korrigiert Fehler. Ich glaube schon, dass wir über dieses Konzept der Realität nahe kommen werden. In einem Krimi von 90 Minuten muss man natürlich auch eine gewisse filmische Dramaturgie einsetzen. Figuren müssen hinzuerfunden oder weggelassen werden, um die Handlung zu erzählen. Es gibt vieles, das im Film anders zu sein hat als in einem echten, ultrakomplexen Kriminalfall - sonst würde niemand zusehen. Wir werden nicht ausführlich sehen, wie Steier und Mey mit ihren Familie frühstücken, wie ihr Badezimmer aussieht oder welchen Fußballverein sie gut finden. Bei uns geht es um zwei Leute, die ihre Arbeit machen. Nur darüber wollen wir erzählen, was das für Menschen sind.

Sind Sie selbst TATORT-Fans?

Król: Das ist jetzt nicht mein "jour fix". Sodass ich sage: Sonntagabend passiert nichts anderes. Außerdem schmeißt meine Frau mich immer raus, wenn sie TATORT gucken will.

Warum?

Król: Weil ich lautstark Tipps abgebe, wie sich die Handlung weiterentwickelt. Weil ich darüber mutmaße, wie diese Szene gerade gemacht wurde. Ich kann offensichtlich kein fiktionales Fernsehen mehr gucken, weil mich mehr als die Geschichte interessiert, wer da was mit wem warum macht. Und damit kann ich unheimlich nerven.

Sie sind ein Zyniker vor dem Fernsehapparat?

Król: Nein, zynisch bin ich nicht. Ich spiele einfach noch zwei, drei andere Ebenen mit. Meine Frau hingegen will sich auf einen Film einlassen, wie das ja auch sein soll. Ich habe da einfach eine Berufsmacke.

Lassen Sie sich gerne auf einen TATORT ein, Frau Kunzendorf?

Nina Kunzendorf: Ich gucke schon sehr gerne TATORT. Auch wenn es nicht so ist wie bei einigen Freunden, die man sonntags zwischen viertel nach acht und viertel vor zehn nicht anrufen darf. Ich freue mich eher, wenn ich meine Kinder dann schon im Bett habe und ich so vom Hauptabendprogramm überhaupt noch etwas mitbekomme.

Bisher haben Sie viele distanzierte und abgründige Frauen gespielt. War die Rolle der Conny Mey reizvoll, weil Sie endlich mal eine sehr extrovertierte Frau mit Proll-Chic spielen dürfen?

Nina Kunzendorf: Die Rollen, die ich sonst spiele - die spröden, herben und dramatischen Frauen - sie entsprechen meiner wirklichen Persönlichkeit genauso wenig, wie jetzt diese Ecke. Einmal gegen diese Schublade besetzt zu werden, war natürlich ein großer Wunsch von mir. Auch wenn ich privat sicher nicht so rumlaufe wie Conny Mey (lacht).

Joachim Król und Nina Kunzendorf sollen sich im neuen Frankfurter "Tatort" auf die polizeiliche Ermittlungsarbeit konzentrieren dürfen. - Bild von: HR / Johannes Krieg

Aber Sie sehnen sich manchmal nach Leichtigkeit in Ihren Rollen?

Nina Kunzendorf: Ja, manchmal schon. Aber aus schauspielerischer Neugierde, nicht aus Frust. Für ein Drama wie "In aller Stille" würde ich wahrscheinlich auch in Zukunft die meisten Komödien sausen lassen. Ich spiele so etwas schon sehr gerne. Beim TATORT habe ich mich natürlich auch gefragt, welche Kommissarinnen-Wiese noch nicht gemäht wurde. In dieser Hinsicht gefällt mir meine Figur schon sehr gut.

Beide Kommissare werden zwar als interessante, gegensätzliche Figuren eingeführt - dennoch besitzen sie außerhalb der Arbeit kein eigenes Leben. Wird das so durchgehalten?

Król: Ich empfände es als reizvoll, wenn wir das noch eine Weile so durchhalten. Beim zweiten Film sollte mich eine Szene in meinem Badezimmer zeigen. Da dachte ich sofort: Nein, ich will nicht, dass man mein Badezimmer sieht - könnte man das nicht im Büro machen. Wir wollen jetzt einfach noch nicht sagen, warum die so sind, wie sie sind. Ob es da irgendwo so etwas wie Familie gibt, welche Geschichte die Figuren haben. Es werden Spuren gelegt und viele Fragen gestellt: Was trinkt der Steier da die ganze Zeit aus dem Flachmann, warum hat der so ein riesiges Büro und die anderen sitzen da in irgendwelchen Nischen? Warum heißt es, dass der früher mal der Beste war, aber heute nicht mehr teamfähig ist? Beim TATORT gibt es eine sehr starke Kommunikation zwischen den Zuschauern und den Machern. Die Leute stellen sich viele Fragen. Ich fände es toll, wenn wir diese Geheimnisse noch ein bisschen schwelen lassen könnten.

Haben Sie die Geheimnisse der Figuren mit Lars Kraume gemeinsam entwickelt - oder standen sie bereits fest?

Nina Kunzendorf: Die haben wir hauptsächlich mit Lars Kraume entwickelt - allerdings gar nicht so sehr, was die Geheimnisse der Figuren betrifft. Ich nähere mich meinen Figuren ohnehin nicht auf die biografische Tour. Ich muss nicht wissen, wie Conny Mey mit vier war, um eine Szene mit ihr spielen zu können. Meine Methode ist, aus dem Stand in das Gefühl einer Szene hineinzuspringen. Ich bewege mich in der Gegenwart: Was isst sie gerne, was gefällt ihr, was zieht die an? Ich formuliere Figuren lieber aus, als dass ich sie biografisch analysiere.

Kann man sich zwischen diesen beiden gegensätzlichen, ungebundenen Kommissaren auch eine Liebesgeschichte vorstellen?

Król: In der Arbeit am ersten Fall ist das keine Überlegung gewesen. Ich denke, dass Conny Mey und Frank Steier eine Grundsympathie zueinander gefunden haben. Eine Neugierde aufeinander - und auch Respekt. Obwohl die beiden von völlig verschiedenen Planeten kommen. Das finde ich erst mal viel spannender. Die Frage nach einer möglichen Liebe ist fast zu vordergründig. Ich glaube, Steier hat ganz andere Probleme.

Das Interview führte Eric Leimann - Teleschau-Mediendienst


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