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Heute ist der: 11.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: Familienbande

Kind tot, Ehe kaputt, Schuldige gesucht

Wenn ein Kind stirbt, rücken trauernde Familien zwangsläufig enger zusammen, sollte man meinen. Manche brechen aber auch auseinander, so wie im neuen Kölner TATORT.

Als allein erziehende Mutter ohne Job schlägt sich Freddy Schenks Tochter Melanie (Karoline Schuch, l) durch das Leben. Jetzt wird ihr auch noch das Arbeitslosengeld gestrichen. Unverhofft bekommt sie auf dem Amt Hilfe von Freddys Assistentin Franziska (Tessa Mittelstaedt) © WDR/ Willi Weber

"Unter einer Familie versteht die Soziologie eine engere Verwandtschaftsgruppe. Im weiteren Sinn umfasst sie auch Schwiegerfamilien." - Was lexikalisch formuliert so schön übersichtlich klingt, gerät im Leben oft genug kompliziert und mitunter abgründig- manchmal über das Maß des Erträglichen hinaus. Familiendramen werden in der modernen, aufgeklärten Gesellschaft leider keineswegs seltener, und der schöne Schein eines Vorstadtidylls taugt schon gar nicht als Kriterium für die heile Welt. Der nachdenklich machende Kölner TATORT-Krimi Familienbande führt vor Augen, wie schnell alles zerbrechen kann, wenn in einer vermeintlich intakten Familien zu lange auf den Erhalt der Fassade statt aufs Fundament geachtet wurde.

Die "engere Verwandtschaftsgruppe" erlebt ihre Katharsis an einem angemessen grauen Herbsttag: Mark, der vermisst gemeldete Sohn von Nadja und Bernd Bürger ist tot. Der Vater findet Marks Leiche selbst - als er den Kühlraum des nahe gelegenen "Fringshofes" öffnet. Für den vor Trauer und Wut rasenden Möbelschreiner steht fest: Hofbesitzerin Iris Findeisen trägt Schuld. Er glaubt nicht an ein Unglück, sondern unterstellt Vorsatz. 

Doch der Schlüssel zu diesem Fall ist in Bürgers eigener Familie zu suchen. Denn wer rechnet damit, dass die Bürgers - Bernd, Nadja und ihre Mutter Helene leben gemeinsam in einem beinahe herrschaftlichen Anwesen, zugleich Sitz des Familienbetriebes - nun in ihrer Trauer enger zusammenrücken, sieht sich jäh getäuscht. Der Zuschauer wird staunend Zeuge, wie das eben noch so intakt scheinende Gefüge Stück für Stück in sich zusammenkracht - anscheinend hat der furchtbare Tod des Kindes damit nur insofern zu tun, als dass er das Unvermeidliche beschleunigt.

 

Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) haben keine leichte Aufgabe: sie müssen den Tod eines erfrorenen Jungen aufklären. © WDR/ Willi Weber,

Das Kind und beinahe noch mehr der gemeinsame Betrieb, waren Deckel auf einem längst gefährlich hochkochenden Sud aus Missverständnissen und Missverhältnissen. Alles kulminiert an dem für eine Ehe natürlich monströsen Umstand, dass Nadja schon vor Jahren ihre lesbische Liebe zur Bewohnerin des "Fringshofes" entdeckt hat. 

Auch wenn die Todesumstände zunächst sehr absurd zusammenfantasiert erscheinen, ist die düstere Familiengeschichte von Regisseur Thomas Jauch und den beiden Autoren Hans Werner und Peter Goslicki im Folgenden absolut nachvollziehbar erzählt. Nichts scheint im kleinen Kölner Vorörtchen mehr gewiss. Schon wird gemunkelt, dass der Gastwirt ein Verhältnis mit Iris Findeisen, Miriam Dietrich, ist Hauptbelastungszeugin - sie will die Bäuerin zur fragwürdigen Zeit am TATORT gesehen haben.

Und dann sind da noch die grauen Eminenzen, die im Hintergrund so manchen Intrigenfaden spinnen: Helene Bürger, die sich mit aller Macht gegen den Zerfall ihrer Familie (und des Betriebes) stellt, und der Schützenvereinsboss und Großunternehmer Martin Gebauer, dem der "Fringshof" ein Dorn im Auge ist - lieber sähe er dort sein eigenes Luxushotel stehen ... Dass es unter all diesen Vorzeichen nicht nur um das Familienheil der Bürgers schlecht bestellt ist, sondern mindestens im gleichen Maße auch die Gesundheit der allseits angefeindeten Landfrau Iris bedroht ist, liegt auf der Hand.

Lange Zeit scheint es, als seien die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk die einzigen wirklich integren Menschen weit und breit. Die Ermittler wirken in diesem düsteren Chaos fast wie die sprichwörtlichen Felsen in der Brandung. Am Ende möchte man jedoch geradezu erleichtert aufatmen, dass die Filmemacher nicht der Versuchung erlagen, die Modelle Familie und dörfliche Gemeinschaft komplett in die Tonne zu treten. Es gibt Hoffnung. Nicht nur, weil sich Familienmensch Schenk wieder rührend um seine Tochter müht, sondern auch weil, man möchte es kaum glauben, in diesem recht spannenden und lebensnahen Film auch die wahre Liebe noch zu ihrem Recht kommt.

Frank Rauscher - Teleschau Mediendienst


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