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Heute ist der: 22.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Tatort: Unsterblich schön

Klebriges Kammerspiel

Der neueste München-Krimi spielt diesmal im Milieu der Schönheits-Fetischisten und überzeugt als bissige Gesellschaftssatire.

Die Botoxparty beginnt. Von links: Svea (Tanja Kunze), Carla (Cornelia Corba), Dorothea Jahn (Victoria Trauttmansdorff), Konstanze Schiller (Tatjana Alexander), Rita Schiller (Gudrun Landgrebe) und Brigitte (Isabella H?bner, vorne). Bild: BR/ Elke Werner.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen jugendwahnverdorbenen Land? - Schon die Eingangsszene des neuen Münchner Schickeria-TATORTs trotzt vor süffisanter Ironie. Mit nahezu sakralem Ernst reicht Gudrun Landgrebe, die ihre Rolle als eine unnahbare Hohepriesterin des Ästhetischen zelebriert, die Glücksversprechung von einer ihrer Freundinnen zur nächsten weiter.

Doch was sie in den Händen hält, ist kein göttliches Manna oder sehr profanes Marihuana, sondern eine Botox-Spritze. In der mittlerweile 56. Ermittlungsarbeit der Münchner Haudegen Leitmayr  und Batic bekommen es die beiden Kommissare mit vielen schönen Menschen und sehr unschöner Heimtücke zu tun. Der eigenwillig stilisierte Fall  stellt Genre-Fans bisweilen auf eine Geduldsprobe, fehlenden Charme kann man ihm aber keineswegs absprechen.

Kriminalhauptkommissar Batic (Miroslav Nemec, links) und Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl sichten den Inhalt der Handtasche des Opfers. Bild: BR/ Elke Werner.

Allein der Fundort der Leiche ist ein Augenschmaus für leicht voyeuristisch veranlagte Krimi-Kulinariker: Die makellos schöne Konstanze Schiller, die zusammen mit ihrer Mutter Rita ein Wellness-Studio betreibt, wird an einem äußerst pikanten Leichenfundort entdeckt. Splitternackt ist sie im Todeskampf einem eigentlich hautfreundlichen, hier aber äußerst letalen Schokoladenbad entstiegen und hat beim vergeblichen Versuch, die von außen verschlossene Glastür zu öffnen, pittoreske braune Schmierspuren an Wand und Bodenfließen hinterlassen. Die Münchner Hauptkommissar Batic und Leitmayr übernehmen umgehend die Befragung der Verdächtigen, die sie im engsten Familien- und Freundeskreis vermuten.

Nicht nur Mutter Rita erweist sich als höchst kapriziös. Auch Ehemann Andreas Lutz, der das nächtliche Ausbleiben seiner Gattin zunächst nicht bemerkt haben will, führt einen erbitterten Kampf gegen die Vergänglichkeit alles Fleischlichen. Als Männermodel, der im gold-grünen Anzug grinsend für eine Anti-Aging-Biermarke wirbt (so viel zum skurrilen Humor der Folge!), hat er den Erhalt immerwährender Schönheit ebenfalls zu seinem Lebensinhalt gemacht.

Ähnlich schräg tickt auch Konstanzes Schwester Dorothea, deren fortschreitende Verbitterung ihr zur starren Maske geworden ist. Mit viel Fingerspitzengefühl legen die Kommissare die fragile Architektur eines zutiefst zerrütteten Familiengebäudes frei, bei dem die Fassade längst zu bröckeln begonnen hat. Ehrensache, dass sie sich auch bei psychologisch intensiven Verhören nicht von allzu oberflächlichen Reizen ablenken lassen.

Rita Schiller (Gudrun Landgrebe) erh?lt die Nachricht vom Tod ihrer Tochter Konstanze von Kriminalhauptkommissar Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) und Kriminalhauptkommissar Batic (Miroslav Nemec). Bild: BR/ Elke Werner.

"Sterblichkeit ist einfach out und wirft tiefsinnige Fragen auf, die Denkfalten bilden", bringt Drehbuchautorin Stefanie Kremser die Hohlheit einer Gesellschaftsschicht, die sie in ihrem Krimi aus Korn nehmen möchte, auf eine überspitzte Formel. "Alles ist eitel, alles ist vergänglich, und uns regiert die Angst vor dem unbarmherzigen Spiegel", fährt sie fort. Naturgemäß muss in einem derart verdichteten Kammerspiel, dessen Ausstattung bis hin zu den Kostümen und dem perfekten Make-up zur reinen Künstlichkeit stilisiert ist und in dem so gut wie keine Außenaufnahmen vorkommen, der Wunsch nach treibender Krimispannung hintangestellt werden.

Stattdessen servieren Autorin Kremser und Regisseur Filippos Tsitos ein mitreißendes Ensemble-Stück zwischen Krimikomödie, Gesellschaftssatire und Groteske. Und das lebt von tollen Darstellerleistungen und fein aufgetragenem Humor. Besonderer Lichtblick: Publikumsliebling Robert Atzorn hat sich als agiler Golden-Ager von seiner eigenen Hamburger TATORT-Vergangenheit mehr als befreit - und geht wirklich verjüngt aus dem Rennen.

Rupert Sommer , Teleschau-Mediendienst


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