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Heute ist der: 21.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: Ludwigshafen

Wenn ein Kind stirbt

Wenn ein Kind stirbt, dann wird die Welt der Erwachsenen grausam durcheinandergewirbelt. Ein harter Psycho-"Tatort".

Ruth (Annika Kuhl) und Peter (Roeland Wiesnekker) Fichter machen mit ihrer Tochter Sandra (Emilie Cappallo) einen Ausflug in den Vergnügungspark. © SWR/ Krause-Burberg

Fröhliches Familienglück im Freizeitpark: Ruth und Peter Fichter sind stolze Eltern. Ihre Sandra hat einen Luftballon-Papagei erstanden - den sie natürlich am liebsten sofort frei durch die Lüfte fliegen lassen würde ... Ein Mädchen, das man sich süßer wirklich nicht ausmalen kann. Die blonden Löckchen wirbeln lustig durch die Luft, und ihr Lachen ist so bezaubernd, so unbeschwert, wie es nur aus glücklichstem Kindermunde kommt. Kaum verdaulich, dass dieses Mädchen nach wenigen Filmminuten tot aus einem kleinen See gefischt wird ... - Kindermord im Freizeitpark!

Ein unfassbares Verbrechen überschattet den Ludwigshafener TATORT Der Schrei, der mit seiner psychologischen, manchmal ziemlich enervierend ins Surreale reichenden Erzählweise alles andere als leicht verdauliche Kost ist.

Wer, in Gottes Namen, kann diesem Kind das angetan haben? - Die Suche nach dem Täter ist spannend, lotet menschliche Abgründe sehr überzeugend aus und lässt kaum etwas aus an geahnten und ungeahnten Eventualitäten. Da sei das enttäuschende, weil gar zu einfältig konstruierte Ende verziehen.

Tom Heye (Fabian Busch) fürchtet, dass sein mühsam aufgebautes Leben zusammenfällt, wenn seine Freundin durch Lenas (Ulrike Folkerts) Ermittlungen von seiner Vorgeschichte erfährt. © SWR/ Krause-Burberg

Die Tat geschah am Abend - während die Eltern im Restaurant aßen und ihr Kind eigentlich schlafend im Hotelzimmer wähnten. So zumindest lautet ihre Version. Die im Park installierten Kameras geben Lena Odenthal und Mario Kopper einen ersten viel versprechenden Hinweis: Was machte der vorbestrafte Kinderschänder Tom Heye eigentlich so alleine im Freizeitpark? Ein Pädophiler ... - Das muss eine dieser typischen, etwas ungelenk gelegten, falschen TATORT-Fährten sein, denkt man sich. Doch Heyes Vorgeschichte ist ebenso wenig von der Hand zu weisen wie seine sexuelle Neigung. Und dass er nun mit einer Frau und ihrer zuckersüßen jungen Tochter zusammenziehen möchte, macht die Sache für ihn keineswegs besser. Schwierig für die Kommissare: Sie müssen ermitteln, aber was ist, wenn der Mann unschuldig ist? - Sie könnten womöglich seinen verzweifelten Versuch, ein besseres Leben zu beginnen, zunichtemachen.

Aber auch die Eltern der Kleinen geben den Ermittlern Rätsel auf. Die Mutter schläft seit Tagen nicht mehr. Zwischen Schockstarre und Albträumen am helllichten Tage pendelnd scheint sie für Anforderungen des realen Lebens kaum mehr tauglich. Psychologen meinen, dass so durchaus auch eine Frau reagieren könnte, die ihr eigenes Kind umbrachte. Aber wer will das glauben? Ihr Ehemann, der sein Kind verehrte und verwöhnte wie einen kleinen Engel, gibt sich ganz den Emotionen hin. Verzweiflung und Trauer, Wut und Rachedurst bestimmen sein Handeln. Immer wieder kehrt er an den Ort zurück, an dem er sein Kind verlor.

Der Freizeitpark - gedreht wurde im Erlebnispark Tripsdrill zwischen Stuttgart und Heilbronn - wird somit zum immer wiederkehrenden Motiv, fotografiert als erstaunlich morbide Kulisse - in welcher in der Mordnacht auch der etwas schnöselige Anwalt Werner Rahn gesehen wurde. Eine geheimnisvolle Runde: Warum läuft der Mann, einen Tag vor seiner Hochzeitsfeier zumal, am Abend durch einen Freizeitpark?

Lena (Ulrike Folkerts) und Kopper (Andreas Hoppe) verhören Werner Rahn (Jan Messutat), der am Tatabend auf dem Gelände des Vergnügungsparks war. Rahn jedoch bleibt dabei, dass er niemanden und schon gar keinen Mord gesehen hat. © SWR/ Krause-Burberg

Viel Psychologie - aber wenig Raum für Unterhaltsames diesmal. Immerhin: "Schreiii!", krakeelt es im Hintergrund - Oh weh, Tokio Hotel haben es bis in den TATORT geschafft! Über Geschmack lässt sich nun mal nicht streiten - auch nicht in Ludwigshafen, wo Kommissar Kopper ja schon mal den Elvis gab und es diesmal gar mit dem Einschlaf-Klassiker "Guten Abend, Gute Nacht" versucht. Der sympathische Ermittler muss nämlich ein paar Tage auf seinen Neffen Giuliano aufpassen, und dieser Job hält Kopper fast so sehr auf Trab wie dieser Fall.

Mutig, aber nicht ungeschickt, wie in dem Psycho-TATORT das leichte, ganz normale Leben mit einem harten Mordfall verwoben wird. Umso ärgerlicher das wieder einmal allzu hastig ausgeplapperte Geständnis am Ende, in dem sich ein erstaunlich banales Motiv offenbart. Einen ganzen Film lang seelische und psychologische Grausamkeiten anreißen und sich dann nicht trauen, das Ganze schlüssig zu Ende zu erzählen - eigenartig.

Frank Rauscher, Teleschau-Mediendienst


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