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Heute ist der: 10.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: Am Ende des Tages

Der zärtliche Abschied

Am Horizont, da wo hinter Frankfurt der Main in den Rhein fließt, geht die Sonne unter, der Tag neigt sich dem Ende. Dieses schöne Bild der ersten Einstellung steht zugleich auch für das unwiederbringliche Ende der Dienstzeit der Frankfurter Kommissare Sänger und Dellwo: nach 18 Folgen, nach 8 Jahren, ist Schluss, es ist ihr letzter Fall. 

Fritz und Charlotte zweifeln anfangs an Rudis Unschuld. © HR/ Bettina Müller

Mehr noch: zugleich ist es auch Rudi Fromms letzter Arbeitstag. Der Dienststellenleiter geht in Pension, heute soll er verabschiedet werden. Charlotte und Fritz besorgen noch auf den letzten Drücker ein Abschiedsgeschenk für ihren Chef, der ihnen auch freundschaftlich zugetan ist, als Geste quasi. Immerhin hat Fritz Dellwo mit ihm 15 Jahre zusammengearbeitet.

"Keinen Bock auf Sentimentalitäten"?

Doch Rudi Fromm kommt nicht. Fritz ist sich sicher: "Er hat einfach keinen Bock auf Sentimentalitäten". Damit liegt Fritz ziemlich daneben: Denn Gefühle hatte der Dienststellenleiter an diesem Morgen so einige, grundverschiedene übrigens, und die in kürzester Zeit: Erst der amouröse Tagesanfang mit seiner Freundin, kurz danach endlose Wut und Trauer: seine neue Freundin wird vor seinen eigenen Augen erschossen.

Ist Rudi ein Mörder?

Rache als Motiv ist im TATORT keine Seltenheit. © HR/ Bettina Müller

Der Film erzählt die sehr einfache Geschichte eines Mannes, der sich an Rudi Fromm rächen will. Und dabei nicht nur Menschen aus Rudis Umgebung gnadenlos tötet - Frauen, die er liebt -, sondern ihm mehr oder minder elegant auch die Morde in die Schuhe schiebt. Natürlich glauben die Kollegen, allen voran der Staatsanwalt Dr. Scheer, an die mögliche Schuld des ehemaligen Kriminalers. Immerhin wurde er kurz vor den Morden auch mit den späteren Toten gesehen. Auch Fritz und Charlotte sind sich nicht mehr ganz sicher, sie zweifeln, die Fakten sprechen gegen ihn, wie Charlotte nüchtern feststellt - und als sie Rudi stellen, erleidet er einen Nervenzusammenbruch. Nun von seiner Unschuld überzeugt, ermitteln die beiden weiter, gegen den neuen Chef und den Staatsanwalt.

Viel passiert diesmal nicht im Frankfurter TATORT, die Geschichte ist kriminalistisch einfach gestrickt und wird garantiert niemanden verwirren, so linear wie sie erzählt ist, wenn auch mit etwas vielen - im doppelten Sinne - traumhaften Rückblenden. Aber trotzdem (oder deshalb) ist der letzte TATORT mit Jörg Schüttauf und Andrea Sawatzki ein sehenswerter und gelungener Abschieds-TATORT. Hochkarätig besetzt, bis in die kleinsten Rollen, mit einem Peter Lerchbaumer, der den gebrochenen Dienststellenleiter Rudi Fromm ein letztes Mal famos verkörpert. Wer mehr Interesse an den Figuren hat als an einem reinen Krimi, wird mit einem schönen Film belohnt.

Konzentration auf das Kernteam

Der letzte TATORT dieses Teams ist auch ein Rückblick auf die vorherigen TATORTe, der Film schlägt unterschwellig auch den Bogen bis zum Erstlingswerk "Oskar" von 2002. Man endet 2010 dort, wo man 2002 anfing. Selbst einen Fliegenträger gibt es in Frankfurt wieder. Wie in "Oskar" ist der Abschieds-TATORT ein einfach gestrickter Kriminalfall, der Schwerpunkt liegt auf den Figuren, dem Team, den Menschen hinter den Polizisten. Der Film ist sehr nah an diesen Figuren, insbesondere an Rudi, der nun Tochter, Frau und Freundin hat - und eine interessante und in allerlei Rückblenden erzählte Vergangenheit.

Leichen pflastern ihren Weg - Charlotte und Fritz am Hafen © HR/ Bettina Müller

Der Weg in die Vergangenheit streift auch Charlotte und Fritz: Der Mord an Charlottes Eltern kommt in ihr hoch; es gleicht fast einer Katharsis, als Charlotte - angestoßen durch die Ereignisse um Rudi - ihrem Kollegen Fritz von ihren Gefühlen darüber erzählt: was ihr in über 10 Folgen nicht gelang, nicht mal mit psychologischer Hilfe, gelingt ihr mit Fritz am Kaffeeautomaten fast mühelos. Fritz dagegen, der mehrfach beruflich aufsteigen wollte, sich beim BKA bewarb und sich in der letzten Folge für die Nachfolge Rudis bewerben wollte, hat jetzt damit zu kämpfen, dass keine "interne Lösung" gewählt wurde, sondern dass ihm und Charlotte ein neuer Chef vor die Nase gesetzt wurde. Wie in jedem anderen TATORT ist der: unsympathisch, feige, Marke "kompetenzloser Bedenkenträger".

Am Ende... zählt das Überleben

Nichts Neues aus Frankfurt also, so waren die Folgen schon immer, so auch beim Finale: Charlotte und Fritz sind nicht die heldenhaften Polizisten, wie sie in anderen TATORTen gerne vorkommen, sondern Menschen - mit Fehlern und vielen Problemen, zerbrechlich und mit ihren ganz persönlichen Päckchen, die sie mit sich herum tragen, und wenn es über 18 Folgen sein muss: Das zumindest macht(e) diese beiden Ermittler glaubhaft; Ermittler, die ihren Job auch mal hassen, lieber Feierabend machen, als eine junge Frau zu befragen, die zu spät schalten und sich Vorwürfe machen (müssen). Seltsam wehmütig sind sie diesmal; für Charlotte fühlt sich dieser Fall "seltsam" an, so als wäre es ihr letzter, sagt sie, doch Fritz wischt dies einfach weg, dafür müsse man sie doch erst erschiessen, gibt er zu bedenken.

Rudi Fromm steht im Mittelpunkt dieses TATORTs - Fritz und Charlotte verhören ihren ehemaligen Chef © HR/ Bettina Müller

Auch wenn es tatsächlich ihr letzter Fall ist: sie werden nicht erschossen. Es bittet auch keiner der beiden um Versetzung oder quittiert womöglich den Dienst. Der Sender ist nicht in die Falle getappt, ihnen ein solch schematisches Ende zu bescheren, wie es gefühlt schon etliche Ermittler ereilt hat. Wie hieß es am Anfang des Films doch: "Am Ende des Tages zählt nicht die Ehre, sondern das Überleben".  So beruhigend endete schon lange kein Frankfurter TATORT mehr. 

"Es ist Feierabend!"

Und dann, in einem sehr zärtlichen Moment zwischen Fritz und Charlotte, verlassen wir sie, lassen sie im kalten, ungemütlichen Polizeipräsidium mit ihrem Tagesabschlussgetränk zurück. Das Licht geht aus - Wir wissen: "Fritze" und Charlotte werden auch weiterhin ermitteln - nur ohne uns als Zuschauer. 

Schade!

Francois Werner


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