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Boris Aljinovic

Berliner TATORT-Kommissar im Interview

Seit fast zehn Jahren ist der gebürtige Charlottenburger TATORT-Kommissar an der Spree - da ist es klar, dass der gefragte Film- und Theaterschauspieler Boris Aljinovic - 42 Jahre jung - nichts über seine Heimatstadt kommen lässt.

Boris Aljinovic - © rbb/Hans-Joachim Pfeiffer

Das sei ein "sauguter Job", sagt der Mann, der mit Dominic Raacke das wohl eigentümlichste Ermittlergespann der unverwüstlichen ARD-Reihe bildet. Die beiden grundverschiedenen RBB-Kommissare, die in ihren Fällen oft mit deutlich geringeren Budgets auskommen müssen als andere TATORT-Ermittler, sorgen immer wieder für erinnerungswürdige Krimimomente - man sah sie schon zusammen Rumba tanzen. Im neuen Film Hitchcock und Frau Wernicke begeben sie sich gar in einem Kammerspiel auf die Spuren des großen Thriller-Altmeisters.

Aljinovic spricht im Interview über sein Heimatgefühl, seine Rolle und sein Leben in Berlin.

teleschau: Herr Aljinovic, TATORT-Kommissar in Berlin zu sein ist ...

Aljinovic: Ein sauguter Job!

In München ist ein TATORT-Komissar gewissermaßen als Kulturgut assimiliert und gilt als Promi. Wie ist das in Berlin?

Naja (lacht) ... anders. Das fängt schon damit an, dass der Promi in Berlin etwas ganz anderes ist als der Promi in München.

Das müssen Sie genauer erklären!

Ach, von Berlin aus sieht man da einen großen Unterschied - im sich-Zeigen, meine ich. In Berlin war es auch schon immer so, dass auch Leute, die richtig viel Geld hatten, das nie zeigten. In München dagegen hat man in dieser Hinsicht gar keine Schamgefühle.

Wenn man sich den Fuhrpark auf den Straßen anssieht, möchte man Ihnen fast beipflichten.

Genau. Es geht in Berlin nicht so um dieses ganze Status-Ding. Klar, man kann sich auch hier auftakeln und Porsche fahren, aber dann wird man nicht ernst genommen. Jedenfalls lässt sich der Berliner durch solche Sachen eher nicht beeindrucken.

Sie selbst fahren gar kein Auto.

Ne. Brauch ich nicht.Das sehe ich ganz pragmatisch: Dank Car-Sharing habe ich ja ein Auto, wenn ich mal eins brauche - und wenn ich keines brauche, habe ich eben keins. Ich fahre Fahrrad, außerdem kommt man hier mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wunderbar aus. Geht auch viel schneller ...

Wirklich gar keine Lust auf so ein klitzekleines Statussymbol auf vier Rädern, mit dem Sie aller Welt zeigen können, was für ein erfolgreicher Typ Sie sind?

(lacht) Nein. Ich vermisse das Auto, ich meine den Besitz, wirklich nicht. Ich saß auch noch nie in einem Porsche ... Obwohl: im TATORT durfte ich mals einen Aston Martin fahren - das war schon geil. Aber Statusdenken ist echt nicht meine Sache. Ich brauche auch kein Boot, kein Haus. Nur ne schöne Wohnung, das reicht. Wissen Sie, ich hatte neulich sogar ein Auto für ein paar Monate, aber dann musste ich mich auf einmal darum kümmern, den Wagen waschen, dann die grausame Parkplatzsuche ... - war mir alles zu unbequem. Wozu auch? Ich habe mein Rad, das ist kein Klotz am Bein.

Fahren Sie mit dem Fahrrad auch zu Dreharbeiten?

Meistens schon. Auch bei Wind und Regen. Bei den Dreharbeiten zu "Hitchcock und Frau Wernicke" fuhr ich jeden Morgen mit dem Rad. Ich wohne in Charlottenburg, wir drehten in Prenzlauer Berg - halbe Stunde hin, halbe Stunde zurück. Dadurch war ich morgens immer gleich schön wach im Kopf und am Abend konnte ich die ganzen beruflichen Sachen beim Strampeln auf dem Nachhauseweg wieder ablegen. Die Kollegen, die den Fahrservice in Anspruch nahmen, waren auch nicht wirklich schneller als ich.

Werden Sie in Berlin nun als TATORT-Komissar wahrgenommen?

Meistens bin ich mit meinem Rad ja schneller, als die Leute gucken können. Aber klar, gelegentlich grüßt mich schon jemand nach dem Motto: "Na, Herr Kommissar, wie gehts?" Meistens, vor allem auf dem Schulhof meines Sohnes, bin ich aber der Zwerg - was ich meiner Rolle aus den "7 Zwerge"-Filmen zu verdanken habe.

Was mögen Sie an Berlin?

Es ist ... schwer zu sagen. Es ist spannend. Es ist meine Heimatstadt. Hier bin ich groß geworden, hier habe ich die grandiose Wende, den Fall der Mauer miterlebt. Berlin war immer so aufregend, dass ich nie eine Sehnsucht entwickelte woanders hinzugehen.

 

Boris Aljinovic , rbb-"Tatort"-Kommissar, langjähriger "OHRENBÄR"-Erzähler und Deutscher Hörbuchpreisträger 2007, © rbb/ Birgit Patzelt,

Im TATORT wird Berlin eher selten touristisch wertvoll inszeniert.

Klar, wir könnten öfter mal den Funkturm einblenden. Aber was bringt das für die Geschichte? Das ist die einzige Frage, die uns interessieren darf. Und die Morde passieren auch in der Realität eher selten an den touristischen Hotspots. In einer so großen Stadt wie Berlin wäre eine Fokussierung auf wenige bekannte Orte kaum authentisch.

Der neue Fall "Hitchcock und Frau Wernicke" spielt fast ausschließlich in einem Wohnhaus ...

Ja. Ich hatte mir immer schon ein Kammerspiel gewünscht für Dominic und mich. Dominic wollte wiederum unbedingt mal etwas Hitchcock-mäßiges machen. Und diese beiden Wünsche wurden nun von der Redaktion zusammen mit dem Regisseur Klaus Krämer berücksichtigt. Wir haben uns vorher erst ohne Kamera für einige Tage zusammengesetzt und die Szenen besprochen und geprobt. Viele Szenen entwickelten sich auch erst im Laufe der Arbeit. Auch weil das Ensemble sehr überschaubar und der Kreis der Verdächtigen diesmal so klein war, hatten wir ganz andere Möglichkeiten, die Figuren zu vertiefen. Der Dreh mit Klaus Krämer war jedenfalls eine tolle, eine ganz besondere Erfahrung. Uns Schauspielern machte das Spaß - ich hoffe, dass es auch dem Zuschauer gefällt, wenn er die Charakter mal etwas intensiver kennenlernt.

Würden Sie ihrem Kommissar Stark manchmal ein anderes Auftreten, einen anderen Status wünschen?

(lacht) Sie meinen er bräuchte mal ein schickes Auto?

Zum Beispiel ...

Das könnte ich mir sogar vorstellen. Aber eben nur dann, wenn es der Story dient - etwa, um es mal lustiger zu machen, um die ganze Berliner Ermittler-Konstellation mal etwas zu karikieren. Aber ein Auto, nur weil es auffällt und ansonsten den Krimi langweilig macht - da würde ich immer sagen: Raus mit dem privaten Kram!

Der aktuelle Fall Hitchcock und Frau Wernicke: Ritter (Dominic Raacke, r.) und Stark (Boris Aljinovic) resümieren den Fall. © rbb/ Hans-Joachim Pfeiffer

Also gibt es da keine verborgene Sehnsucht des Stark-Darstellers einmal auch so einen coolen, protzigen Frauenhelden abzugeben, wie es der von Dominic Raacke gespielte Till Ritter ist?

Ach, wir sind nun mal so, wie wir sind: Wenn wir Deutscher Wetterdienst spielen würden, wäre er ein Hoch- und ich ein Tiefdruckgebiet ... (lacht)

Stark wirkt manchmal fast ein bisschen wie Ritters Juniorpartner ...

Naja ... Es gibt eben immer einen, der führt. Ritter hat eine sehr hohe Grundstabilität, der steht immer so da, wie er nun mal ist, mit scharfen Konturen. Stark ist grauer, hat aber andere Tugenden, die ihn häufig aus der Joker-Rolle kommen lassen können. Schauspielerisch hat diese Aufgabe einen großen Reiz. Ich würde die besondere Konstellation wirklich nicht ändern wollen. Denn so unvereinbar diese beiden Typen eigentlich sind, so groß ist auch das Potenzial dieser Partnerschaft.

Haben Sie schon mal versucht, Dominic Raacke von den Vorzügen Berlins zu überzeugen und ihn zu einem Umzug in die Hauptstadt zu bewegen?

Nö. So weit geht mein Patriotismus dann auch wieder nicht. Obwohl, ich glaube, er hat sich auch schon mal nach einer Bleibe hier umgesehen. Direkt am Dominic-Raacke-Platz, das wäre doch was für ihn.

Dominic-Raacke-Platz?

Habe ich soeben so getauft. Das ist dort am Sony-Center, wo das Hotel ist, in dem er immer absteigt. Dominic-Raacke-Platz - ich glaube, er würde das toll finden und nähme das ganz locker hin. Mir wäre ein Boris-Aljinovic-Platz dagegen sehr peinlich.

Da wären wir wieder beim Unterschied zwischen Münchner und Berliner ...

(lacht) Genau. Ich würde laut schreien: Nehmt bloß dieses blöde Straßenschild wieder ab! Dominic würde es wahrscheinlich lächelnd mit anschrauben.

Das Interview führte Frank Rauscher - Teleschau Mediendienst.


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