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Blutgeld

Familienangelegenheiten

In einem Stuttgarter Einfamilienhaus werden zwei Leichen gefunden - Mutter und Tochter. Vom hauptverdächtigen Familienvater Marc Simon fehlt zunächst jede Spur. Bei ihren Ermittlungen stellen die Kommissare Bootz und Lannert schnell fest, dass das scheinbar perfekte Leben des unauffälligen Bankangestellten und braven Familienmenschen schon lange nicht mehr ist, was es zu sein scheint.

Marc Simon (Stephan Kampwirth) ist eines Doppelmordes verdächtig. Obwohl er angibt, ein Alibi zu haben, lastet im Verhör nicht nur Trauer, sondern auch Schuldgefühl auf ihm. © SWR/ Peter A. Schmidt

Marc Simon führt ein kostspieliges Doppelleben und hat neben Ehefrau und Tochter noch eine zweite Familie mit Cornelia König, seiner Geliebten und dem gemeinsamen Sohn Florian. Um sich seine beiden Familien leisten zu können, musste sich Simon hoch verschulden, geriet in die Fänge des organisierten Verbrechens und veruntreute Schwarzgelder der kalabrischen Mafia. Die wahre Dimension des Falls geht also weit über eine Familientragödie hinaus,..

Traumatisierter Mörder oder traumatisierter Angehöriger?

Dreh- und Angelpunkt dieses Krimis ist also das Schicksal von Marc Simon, der doch eigentlich nur ein doppelt guter Familienvater sein möchte. Für das vermeintliche Wohl seiner Familien ist er sogar bereit die Grenze der Legalität zu überschreiten und große Opfer zu erbringen. Er lässt sich mit den falschen Leuten ein, verliert die Kontrolle und macht sich schließlich schuldig an den Menschen, die er liebt. So wird aus einem Familiendrama plötzlich ein Mafiathriller.

Zwar mögen wilde Schießereien, Leichen im Kofferraum, dubiose Hoteliers und auf filmischer Ebene der verstärkte Einsatz von Handkameras untrügliche Zeichen für dieses Genre sein, den wirklichen Bruch im Erzählrythmus verdankt dieser Krimi jedoch allein dem überzeugend gespielten Charakter von Marc Simon. Ob als Tatverdächtiger, Opfer oder Verfolgter: Stephan Kampwirth weiß in seiner Rolle zu überzeugen. Ihm nimmt man die Zerrissenheit der Figur sowie die Hilf- und Schutzlosigkeit seines Marc Simons ebenso ab wie die verzweifelte Brutalität des Familienvaters.

Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller) versuchen, aus André Lindner herauszubekommen, wie sein verschwundener Freund sein doppeltes Familienleben finanzierte. © SWR/ Stephanie Schweigert

We are family - oder auch nicht

Im Loblied auf den Familienverbund wird die familiäre Geborgenheit gepriesen, aber auch die Verwundbarkeit der Einheit nicht außer Acht gelassen: Der Schock der Eltern, als sie vom Tod der Tochter und der Enkelin erfahren, die traumatische Reaktion von Marc Simon, als er Frau und Tochter auffindet und die verzweifelten Versuche seine zweite Familie zu schützen, zeigen wie furchtbar zerstörtes Familienglück sein kann. Und so verwundert es nicht, dass auch für den sonst so skrupellosen Mafia-Boss die eigene Familie der wunde Punkt ist, an dem man ihn empfindlich treffen kann. Die Familie als Thema dieser Episode betrifft natürlich auch die Kommissare - ganz privat! Und während Bootz in seiner heimischen Familienidylle aufgeht, einer Welt, in welcher der vergessene Hochzeitstag das gravierendste Problem zu sein scheint, leidet Lannert auf ein Neues still, tapfer und einsam vor sich hin. Denn unweigerlich muss er sich wohl an sein eigenes Schicksal erinnert fühlen. Auf Marc Simons Frage "Wissen Sie was das schlimmste ist, was einem passieren kann?" würde er sicherlich nicht mit "dass Sie eine andere Frau kennen lernen, die sie genauso lieben - das ist die Hölle!" antworten.

Marc Simons (Stephan Kampwirth) Verhältnis zu seinen Schwiegereltern (Petra Kelling und Eric P. Caspar) ist nicht ungetrübt, seit sie wussten, dass er neben ihrer Tochter noch eine zweite Frau hatte. Trotzdem ist vor allem der Schwiegermutter klar, dass er ihre Tochter und die Enkelin aufrichtig liebte und betrauert. © SWR/ Stephanie Schweigert

Neue Leichtigkeit an Nebenschauplätzen

Auch im sechsten Fall des Stuttgarter Teams lastet also das Schicksal der eigenen Vergangenheit bleischwer auf Lannerts Schultern. Neu im Team ist dagegen ein kleiner Hauch von Leichtigkeit, der die Dramaturgie beinahe aufzulockern vermag.
Ohne viel Aufhebens animiert das Drehbuch zu wilden Spekulationen über das Liebesleben der Staatsanwältin, setzt einen cholerischen Schießtrainer auf Lannert an und hat es überhaupt nicht nötig zu klären, als Freund welcher Familie sich André Lindener wohl bezeichnen würde.
Kleiner Aufwand, große Wirkung! - Eine nicht so bedeutungsschwangere Art der Inszenierung, mit der man auch beim "überraschenden" Ende dieser Folge besser beraten gewesen wäre!

Katharina Gamer


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