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Heute ist der: 18.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Vergissmeinnicht

Alles schwarze Schafe!

Cenk Batu ermittelt im neuen Hamburger TATORT dieses Mal in der Rolle des  Pressereferenten Sinan Afra für das Landeskriminalamt. Als verdeckter Ermittler begibt er sich auf die Suche nach einem Maulwurf, der streng geheime Konstruktionspläne eines Hamburger Triebwerkherstellers und Elektronik-Entwicklers ins Ausland verkauft. "Das ist keine Industriespionage das ist Hochverrat", lässt Batus Vorgesetzter Uwe Kohnau verlauten - und fordert rasche Ergebnisse.

Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion

Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) © NDR/ Georges Pauly

In der ersten Einstellung zieht uns eine gewaltige Flugzeugturbine mit Sonnenzeichen in ihren Bann und erinnert - in ihrer speziellen schwarz weißen Ästhetik - an die sechziger Jahre. Assoziationen zu "Raumschiff Orion"- der deutschen Kultserie aus den Sechzigern - sind sicherlich beabsichtigt.

Es geht in diesem TATORT, um das Geschäft mit fortschrittlicher Technik und den Aufwand den es bedarf, um deutsche Ingenieurskunst zu schützen.
Hatte man in "Raumschiff Orion", aus heutiger Sicht ironisch und humorvoll, Superwaffen entwickelt und feindliche Angriffe aus dem Irgendwo abgewehrt, geht es bei der Hamburger Firma "Aircraft Performance and Technologies" (kurz: APAT) sichtlich ernster zu.

Die Konkurrenz ist groß, technische Entwicklung teuer und kreative Köpfe in diesem Gebiet rar gesät. Die Schlachten einer schönen neuen durchtechnologisierten Welt finden in Großraumbüros statt, in denen graue Frauen und Männer ihre Arbeit verrichten. Die Gegner sind diesmal die Schweden - denn die, so lässt Kohnau wissen: " Die bauen nicht nur Möbel."

Die beiden Drehbuchautoren Christoph Darnstädt und Tim Krause haben sich nach den ersten zwei aktionsgeladenen Folgen des Undercoverermittlers Cenk Batu etwas Neues ausgedacht: Der Held des Hamburger TATORTs muss in seinem dritten Fall jedenfalls als Schreibtischtäter leise Töne anschlagen, um erfolgreich zu sein und kommt beinahe zu Fall.

Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) © NDR/ Georges Paulyn

Edward Hopper, Retro und Hightech

Gewohnt stylish präsentiert sich Hamburg auch in dieser Folge. Pop-Art, die Gemälde Edward Hoppers und die Sechziger im Retro-Chic liefern das Material für fantastische Bilder. Im split screen der Überwachungskameras lässt Regisseur Richard Huber ("Auf der Sonnenseite") seine Hauptdarsteller cool, durch noch kühlere Glas-, Beton- und Backsteinfassaden wandeln und die Hamburger U-Bahnhöfe sehen dabei aus wie Raumstationen. Auch die üblichen Gadgets für den Undercoverermittler Batu dürfen natürlich nicht fehlen. Da gibt es z.B. die sanfte Elektro-Stimme die ihm seine Aufträge per CD im Auto mitteilt und das neuste BlackBerry mit Touch Sreen auf dem die Fotos der Verdächtigen gesammelt werden.

"Um tadelloses Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man vor allem ein Schaf sein" (Holger Lichtenhagen)

Doch dann läuft alles anders als geplant. Der durchaus sympathische Hauptverdächtige, Holger Lichtenhagen, hatte gerade noch eine Beförderung für Sinan Afra vorschlagen und wird wenig später tot aufgefunden. Jeder in der missgünstigen Büromannschaft von APAT kommt in Frage, den Mord begangen zu haben und um die Dinge noch komplizierter zu machen, verliebt sich Cenk Batu auch noch.

Uwe Kohnau (Peter Jordan) und Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) © NDR/ Georges Pauly

"Haben sie keine Familie, keine Freunde, kein Gesangsverein?" hatte der väterliche Lichtenhagen Batu kurz vor seinem Ableben gefragt. Und diese Frage macht deutlich: Alle Menschen in "Vergissmeinnicht" sind einsam. Überarbeitet und ehrgeizig hat hier jeder etwas zu verbergen wie es sich für einen "Agentenfilm" gehört und Cenk Batu gerät dabei zwischen die Fronten, verliert den Überblick und bezahlt den beruflichen Erfolg mit privatem Unglück.

"Du musst vollkommen durchgeknallt sein: schraubst während deiner Undercoverarbeit an ner Frau rum?!" (Uwe Kohnau)

Der wunderbar ästhetisch gefilmte Versuch, die (realen) Lebenspartner Desiree Nosbusch und Mehmet Kurtulus in diesem TATORT, um die Liebe und das Leben (schau)spielen zu lassen, hinterlässt ein mulmiges Gefühl. Irgendwie geht der Versuch trotz guter Darsteller nicht auf. Da möchte man der Aussage vom Chef des LKA folgen: "?und den Rest, den vergessen wir mal ganz schnell."

Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) und Mia Andergast (Desiree Nosbusch) © NDR/ Georges Pauly

Der einzige vielleicht wirklich rührende Augenblick in diesem auf Emotion angelegten TATORT ist der, in dem ein erschöpfter und enttäuschter Batu verlauten lässt: "Ich will nach Hause"! Auch dem letzten Zuschauer ist zu diesem Zeitpunkt klar, dass es für den souveränen Ermittler Batu dieses zu Hause nicht gibt und aus dem heroischen "Last man standing", wird ein einsamer, verlassener Durchschnittstyp, der den Bus nehmen muss. Man wird Michael Kimmelman und seinen Aussagen in der New York Times wohl Recht geben müssen: am Ende sind die deutschen TATORT-Kommissare immer "ordinary people" - und damit selten geeignet zu Glorifizierung.

Und so sind wir am Ende von "Vergissmeinnicht" wieder bei der Ironie einer "Raumpatrouille Orion" angelangt, wenn die letzte Einstellung in diesem TATORT den raumschiffartigen Heinrich-Hertz Turm in Hamburg und ein in den Himmel aufsteigendes Flugzug zeigt, während wir wissen: Cenk Batu fliegt zu "baba" in die Türkei, um Mittag zu essen.

Nadja Israel


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