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Heute ist der: 07.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: Ruhr 2010

Ein Dorn im Auge Max Ballaufs

Beim Klassentreffen in seiner Heimatstadt trifft Max Ballauf seine Jugendliebe wieder. Immer noch funkt es zwischen den beiden. Doch Katja ist längst verheiratet und hat zwei Kinder mit ihrem ehemaligen Klassenkameraden Stefan Dorn. Das Fest endet schließlich im Streit - Stefan wird am nächsten Morgen ermordet aufgefunden.

Zeche Zollverein: Die Kölner Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt,l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln dieses Mal im Ruhrgebiet. Unterstützung bekommen sie dabei von der Essener Hauptkommissarin Vossbeck (Angelika Bartsch). © WDR/Willi Weber,

Für die Essener Hauptkommissarin Vossbeck gehört auch Max Ballauf zum Kreis der Verdächtigen. Doch der Mordfall zieht weitaus größere Kreise. Als Geschäftsführer der "RUHR 2010 Stiftung" war Stefan Dorn unter anderem für die Vergabe bedeutender Bauaufträge verantwortlich. Ein Zusammenhang mit dem Mord am Kölner Bauunternehmer Franz Tarrach erscheint daher naheliegend und so eilt Freddy Schenk, der den Fall Tarrach in Köln bearbeitet, nach Essen um die Zusammenhänge zu klären und seinem Freund Max zur Seite zu stehen. 

Von der Kohlehalde zur Kulturhauptstadt

Schon lange diente das Ruhrgebiet nicht mehr als Schauplatz für den TATORT. Und viel ist passiert seitdem Haferkamp und Schimanski das Revier verlassen haben. Der Strukturwandel ist längst vollzogen und folglich liegt auch im TATORT die Leiche nicht mehr zwischen rauchenden Schornsteinen und Kohlehalden, sondern im Zimmer eines gehobenen Hotels und das Opfer ist auch kein Kumpel, sondern Kulturschaffender.

Bettina Hartmann (Catrin Striebeck) hat ihre Schulzeit weit hinter sich gelassen: Aus dem ehemaligen Mauerblümchen ist eine attraktive Karrierefrau geworden. Sie führt das operative Geschäft bei "RUHR.2010 Stiftung". Durch den Tod ihres Geschäftspartners könnte sie nun seine Nachfolgerin werden. Für Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) ein stichhaltiges Mordmotiv. © WDR/Willi Weber,

Das Ruhrgebiet wird mit RUHR 2010 - der europäischen Kulturhauptstadt - assoziiert und der TATORT Klassentreffen wird von Gebhard Henke - dem Leiter des WDR Programmbereichs Fernsehfilm und zugleich TATORT-Koordinator -  als "Beispiel für die vielfältigen Verbindungen vom WDR zur Ruhr und zugleich [als] Auftakt für eine Reihe von Kooperationen mit der Kulturhauptstadt 2010" gesehen. "Mit den Füßen auf roter Erde aber mit dem Kopf längst im 21. Jahrhundert und viel Kultur im Herzen", so präsentiert sich laut Henke das Ruhrgebiet als Heimat der Kulturhauptstadt im TATORT.

Auf visueller Ebene mag dies ja durchaus zutreffen - dem Fernsehzuschauer werden Bilder einer modernen von kulturellem Schaffen geprägten Region gezeigt - doch ob das Drehbuch diesen Anspruch ebenso erfüllen kann, bleibt fraglich.

Willkommen im 21. Jahrhundert?

Die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt,l) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) in ungewohnter Umgebung am Essener Baldeneysee. © WDR/Willi Weber

Die Geschichte vom Hauptkommissar, der seiner großen Liebe wieder begegnet, alte Zeiten aufleben lässt und schließlich unter Mordverdacht steht, ist jedenfalls ist ein alter Hut. Auch die Tatsache, dass die betrogene Ehefrau, die Geliebte und die profitierende Geschäftspartnerin den übrigen Kreis der Verdächtigen bilden, ist wenig innovativ und lässt die Spannung nicht unbedingt ins Unermessliche steigen. Leider ist es gerade die Inszenierung der Frauenrollen, die diesen TATORT sehr vorhersehbar und extrem angestaubt wirken lässt.

Jede der drei Damen verkörpert ein klassisches Klischee: Sowohl die übermotivierte, berechnende und karrierebewusste Geliebte als auch das frühere Mauerblümchen, das seine weiblichen Reize mittlerweile gezielt einzusetzen weiß, wirken wie stereotype Versatzstücke. Ebenso ist die treu ergebene Ehefrau, die sich nicht zuletzt aus Gründen der wirtschaftlichen Abhängigkeit nicht aus ihrem goldenen Käfig befreien kann oder will Teil dieses regressiven Frauenbildes. Zugegeben,... für jede der drei Frauen hält das Drehbuch ein plausibles Mordmotiv bereit. Da bei der Inszenierung der standardisierten Motive jedoch auf spannende Wendungen innerhalb der Handlung oder jegliche dramaturgische Raffinessen verzichtet wird, scheint es beinahe schon egal, wer als Täter überführt wird.   

Die Essener Hauptkommissarin Vossbeck (Angelika Bartsch) ermittelt mit Freddy Schenk (Dietmar Bär) gemeinsam im Ruhrgebiet. © WDR/Willi Weber,

Auf verlorenem Posten

Leider kann auch Assistentin Franziska die Ehre der Frau in diesem Fall kaum retten. Zwar scheint die Chance, an Freddys Seite ermitteln zu dürfen zum Greifen nahe - Max ist ja schließlich in Essen beim Klassentreffen - jedoch steht die toughe Assistentin im Kampf gegen Freddy Schenks Chauvinismus auf verlorenem Posten.

Was bleibt also von diesem TATORT übrig? Leider ziemlich wenig. Das Gespann Schenk/Ballauf ermittelt routiniert an der Grenze zur Vorhersehbarkeit vor sich hin und wird mit mäßig originellen Plots, angestaubten Figurenkonstellationen und einer kaum ausgereizten Täter/Ermittler-Travestie mehr beiläufig fertig. Wenn nicht die Kollegen Batic neulichin "Wir sind die Guten" und Hauptkommissar Ritter bereits 2002 in "Filmriss" schon das Gedächtnis verloren hätten, wäre zu befürchten, dass auch dieser Schicksalsschlag den Kölner Kollegen in einer der nächsten Folgen bevorsteht...

Katharina Gamer


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