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Heute ist der: 06.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

TATORT: Leipzig

Wo einst eine Kirche stand,.....

Beim Brand eines Leipziger Jugendzentrums kommt der 40-jährige Ulf Meinert ums Leben. Die Ermittlungen führen Keppler und Saalfeld zu Ludwig Kleeberg und seiner Tochter Nadja, den Eigentümern des Grundstücks, auf dem sich das Jugendhaus befand.

Da die beiden Antiquitätenhändler hoch verschuldet sind, wollen sie Ihren Grundbesitz verkaufen. Verdächtig sind auch der Boxlehrer Norbert Zirner und sein Schüler Mischa, der unmittelbar vor dem Brandanschlag Streit mit dem Opfer hatte. Genau wie die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Hannah Wessel - die Mutter des Opfers - waren sowohl Zirner als auch der alte Kleeberg 1968 in die Ereignisse rund um die Sprengung der Leipziger Paulinenkirche verstrickt.

Die obligatorishe Leiche ruft die Ermittler Keppler und Saalfeld auf den Plan. Bild: MDR

Leipzig 1968

Wie durch ein Wunder überstand die 700 Jahre alte Paulinenkirche den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. 1968 wurde sie auf Geheiß der SED gesprengt. Mit der Zerstörung der Kirche sollte der geistige Widerstand gegen das DDR-Regime gebrochen werden. Dort, wo das alte Hauptgebäude der Leipziger Universität und die Paulinenkirche standen, wurde das Hochhaus der Karl-Marx-Universität errichtet.Die Spuren im Fall Meinert führen die Ermittler immer wieder auf die Ereignisse des Jahres 1968 zurück. Mit viel Zivilcourage kämpfte Hannah Wessel gegen die Sprengung der Universitätskirche. Die Schwangere wurde ausgerechnet vom - sich damals noch im Polizeidienst befindlichen - Norbert Zirner verhaftet und misshandelt. Ihr Kind, das sie im Zuchthaus auf die Welt brachte, durfte sie nicht einmal sehen. In den Westen ausgewiesen, gelang es ihr erst nach der Wende Kontakt zu Ulf Meinert, ihrem Sohn aufzunehmen.

Geschichtsstunde oder Gruselkabinett?

Keppler kümmert sich um Frau Professorin. Bild: MDR

Das tragische Schicksal der Mutter, die ihren Sohn zweimal verliert, ist allerdings der einzige Aspekt der diesem TATORT zumindest ein wenig Tiefe verleiht. Zu verdanken ist dies Thekla Carola Wied die in "Falsches Leben" ihr überzeugendes TATORT-Debüt gibt. Einen besonderen Stellenwert bekommt Hannah Wessels Lebensgeschichte jedoch auch durch die Narrationsstruktur. Das fiktive Schicksal der damals jungen Frau wird in Rückblenden erzählt und steht somit gleichberechtigt neben historischem Filmmaterial von 1968. - Ein Stilmittel, das zwar in Infotainment-Sendungen üblich ist, in einem TATORT-Beitrag jedoch unangebracht wirkt.

Ebenso fehl am Platze ist das symbolträchtige Beiwerk mit dem die Inszenierung des Kriminalfalls angereichtet wird. Weder der gruselige Todesbote in Form eines Raben noch das Geheimnis um die goldenen Grabrosen, die für ewige Liebe stehen, können diesem Krimi Atmosphäre oder gar Spannung verleihen. Dazu hätte man sich schon für ein Genre entscheiden müssen: Schauerromantik oder Dokudrama.

Das Politische im Privaten

Eva Saalfeld befragt Zirner, Bild:MDR

Stattdessen wird durch die ausgiebig dargestellte persönliche Betroffenheit der Kommissare eher noch der Daily Soap gefröhnt. Besonders plump ist diesmal Evas Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ihres hoch geschätzten Vaters dargestellt. Da er Kollege des "Prügelpolizisten" Zirner war, denkt Eva tatsächlich schon im Jahre 20 nach dem Mauerfall darüber nach, ob ihr früh verstorbener Vater das leuchtende Vorbild sein kann, für das sie ihn bisher gehalten hat. Und während Eva unter ihrer Sinnkrise zu leiden hat, muss der DDR-unerfahrene Kollege Keppler lernen, dass die Stasi wirklich überall war - selbst in seinem Pensionszimmer - welch bahnbrechende Erkenntnis.

Wirklich bedauerlich ist, dass gerade der MDR zum 20. Jahrestag des Mauerfalls keinen aussagekräftigeren Beitrag zur Reihe TATORT beisteuert. Mit den Kommissaren Ehrlicher und Kain war man diesbezüglich schon mal weiter.

Bleibt zu wünschen, dass Wuttkes Forderung "Mehr Biß, bitte!" erhört wird.

Katharina Gamer


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