Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 25.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

... es wird Trauer sein und Schmerz

Braunschweiger Gaffer

Für den die Ermittlungen leitenden Hauptkommissar Kohl ist der Sachverhalt eindeutig: Es ist ein Sniper, der Braunschweig und Umgebung in Atem hält. Er war es auch, der den Bäckermeister Petersen durch die Terrassentür erschossen hat. Es gibt keine Gemeinsamkeiten, die die Opfer verbindet. Unterlagen über die Heckenschützen aus Washington hat er sich schon schicken lassen.

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) hat Angst um Sohn David. Im Hintergrund Martin Felser (Ingo Naujoks). © NDR/Marc Meyerbröker

Kopf gegen Bauch

Dass die ihm vor die Nase gesetzte Charlotte Lindholm den Fall mit anderen Augen betrachtet, passt ihm nicht. Er kann auch nicht akzeptieren, dass sie bevorzugt alleine arbeitet, weil sie sich so besser konzentrieren kann. Dass Kohl auch lieber alleine ermittelt und von seinen Mitarbeitern verlangt, seine  Eindrücke in Fakten umzusetzen, übersieht er dabei.

Dass dieses gerne im Krimi gezeigte Spiel nicht zu schablonenhaft wird, ist alleine Felix Vörtler zu verdanken, der einen cholerischen, machohaften und von sich und seinen Theorien überzeugten Hauptkommissar zeigt, der keinen Widerspruch duldet. Auf die Seite der besonnenen Lindholm stellt sich Kohls Kollege Bergmann, der über das Dienstliche hinaus versucht, sich ihr anzunähern. Dieses lehnt sie ab, ist aber froh, jemanden neben sich zu wissen, der ihre Theorien unterstützt.

Rache

Die anonymen Trauerkarten, die die Opfer bekommen, lassen für Charlotte Lindholm nur den Schluss zu, dass jemand auf Rache sinnt. "Es wird Stille und Leere", "es wird Trauer sein und Schmerz", steht in den Briefen. Die möglichen Täter bieten aber zu wenig überzeugende Motive. Der Angestellte Petersens war der erste Ehemann der Witwe, hat seine Bäckerei an seinen Nachfolger verloren, hat aber kein Motiv für die anderen drei Morde. Dass er sich keine Mühe gibt, sich nicht verdächtig zu machen, erfreut nur den Braunschweiger Hauptkommissar. Der ist froh, wenn er den Fall alsbald abschließen kann und die lästige LKA-Tante schnell wieder los wird.

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) bei Frank Wenzel (Patrick von Blume), der für die Tatzeit des Mordes an seinem Chef kein Alibi hat. © NDR/Marc Meyerbröker

Gaffer zu Hause und auf der Autobahn

Eher zufällig findet Lindholm heraus, dass die Opfer und ihre Angehörigen eines gemeinsam haben: Sie verbrachten den Neujahrstag im Stau auf der Autobahn. Ein schwerer Verkehrsunfall mit einem Todesopfer forderte vor allem einen jungen Autobahnpolizisten, dem es nicht gelungen ist, die junge Frau lebend zu retten.

Für Charlottes Mitbewohner Martin Felser kommt der Fall wie gerufen. Er leidet an einer Schreibblockade und so animieren ihn der vermeintliche Heckenschütze und seine ins Internet gestellten Videos vom Verkehrsunfall auf der Autobahn und den Tatorten zu einer neuen Geschichte. Nur mit viel Mühe kann die Kommissarin ihren Mitbewohner daran hindern, diese Orte aufzusuchen. Die filmenden Voyeure helfen ihr aber auch, den Fall aufzuklären.

Der Autorin Astrid Paprotta gelingt es in "... es wird Trauer sein und Schmerz", die Moral den Figuren zu überlassen. Sie verzichtet darauf, mit erhobenem Zeigefinger die Gaffer den Zuschauern vorzuführen. Sie bindet die Diskussion in eine Auseinandersetzung der WG Lindholm-Felser und gibt dem Mörder ein eindeutiges und nachvollziehbares Motiv.

Kommissar Kai Bergmann (Sven Lehmann) und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) am Tatort. © NDR/Marc Meyerbröker

Emotionen zum Schluss

Charlotte Lindholm verliert nach Aufklärung der Mordserie ihre Eigenschaftslosigkeit, die ans Spröde grenzt. Die Last fällt ihr von den Schultern und sie lässt ihren Tränen freien Lauf. Hier ist zum ersten Mal eine Mutter zu sehen, die auch um Nestschutz bemüht ist. Leider wirkt Maria Furtwängler dabei wenig überzeugend, aber sie versucht, ihre Charlotte Lindholm weiterzuentwickeln.

Spannung in der Anonymität

"... es wird Trauer sein und Schmerz"  ist ein typischer Lindholm-TATORT. Der Zuschauer muss keine Experimente befürchten, sondern darf sich auf einen soliden und spannenden Fall freuen. Leider bleiben die Hauptfiguren bis auf Felix Vörtlers Hauptkommissar Kohl ebenso blass wie das geographische Umfeld des Falles. Es ist egal, wo der Fall spielt. Dieses Mal ist der TATORT Braunschweig, es könnte aber auch Hildesheim oder Uelzen sein. Warum man den TATORT Niedersachsen zu einem Wanderpokal macht, wird angesichts der Anonymität der Orte nicht ersichtlich. Diese Folge, von Friedemann Fromm routiniert in Szene gesetzt, lebt ausschließlich von dem Fall. Dass dies nicht verkehrt sein muss, zeigt dieser TATORT.

Ben Neudek


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3