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Heute ist der: 22.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Puzzle mit Lena

Eine Leiche zum Geburtstag, das hatte Lena Odenthal sicher nicht erwartet, als sie zum Feierabend das Gasthaus ?Ludwigsgarten? betritt. Viel eher eine kleine Überraschung der Kollegen.

Lena hat nicht nur ihr 20. Dienstjubiläum, sondern auch Geburtstag. Dazu wird eine Leiche gereicht. Bild: SWR

Erst einmal ist gar nichts klar

Die erschossene Frau hatte kurz zuvor im Kommissariat angerufen, um eine Aussage in einem alten, längst abgeschlossenen Mordfall zu machen. Es stellt sich heraus, dass die seit über zehn  Jahren als vermisst gemeldete Michaela Bäuerle unter französischer Identität in Nizza lebte und ein Verhältnis mit dem Ludwigshafener Immobilienunternehmer Jan Seegmeister hatte. Warum musste sie sterben? Gibt es einen Zusammenhang mit dem zwölf  Jahre alten Fall? Was wollte sie kurz vor ihrem Tod aussagen?

Nicolas Ritterling wurde damals angeklagt und verurteilt, seine Frau Christine ermordet und die Tat mit einem fingierten Verkehrsunfall vertuscht zu haben. Die einzige Aussage, die für Lena Odenthal nach so langer Zeit Sinn machen würde, würde die Unschuld des damals Verurteilten betreffen. Ritterling jedoch, seit kurzer Zeit nach verbüßter Strafe wieder auf freiem Fuß, räumt im Gespräch mit der Kommissarin freimütig ein, seine Frau getötet zu haben.

Ein ehemaliger Kollege soll helfen.. Bild:SWR

Ein Fall zum Mitmachen

Vermisst ist eine knifflige und sehr verwinkelte Geschichte, in der die Details wichtig sind und vieles erst wirklich verständlich wird, wenn die Auflösung naht. Der Fall wird von Regisseur Andreas Senn, der mit Autor Christoph Darnstädt 2006 bereits die Odenthal-Folge Der Lippenstiftmörder  realisierte, auf eine für den Zuschauer interessante Weise in Szene gesetzt. Er wird von Senn nicht als homogene und logisch nachvollziehbare Folge von Ereignissen erzählt, sondern es werden, fast patchworkartig, immer wieder nicht offensichtlich  zusammenpassende Puzzle-Teilchen - die Ermittlungsergebnisse - präsentiert. Somit ist der Betrachter während der gesamten Folge auf gleicher Höhe mit den Ermittlern, kann mitgrübeln, eigene Theorien entwerfen und sich fragen, wie die Teile des Puzzles wohl zusammenpassen könnten.

Mario ist in Rage und nicht gerade zimperlich im Umgang mit ungebetenen Hausbesuchern. Bild: SWR

Gefährlich: Pinkelpause

Allerdings geht damit auch die Notwendigkeit einher, sich diesem Fall sehr konzentriert zu widmen, er verlangt stete Aufmerksamkeit, sonst ist der Faden schnell verloren. Vermisst lässt sich nicht nebenbei sehen, zu schnell ist ein nötiges Detail verpasst. Wenn man aber eintaucht, handelt es sich um eine recht feine und gut durchdachte Story mit vielen interessanten Nuancen, die auf eine außergewöhnliche Art spannend ist. Diese Spannung bezieht die Folge nicht aus Action-Elementen, sondern vielmehr aus den ständigen Versuchen, Zusammenhänge zu verstehen und sie hinsichtlich der Aufklärung des Falles richtig zu interpretieren.

Lena O.

Lena Odenthal ist in diesen Fall auch emotional sehr verstrickt. Die Begegnung mit Ritterling, der nach zehn Jahren Gefängnis einen neuen Anfang machen will, auf einem Boot lebt und plant, in der Toskana ein Restaurant zu eröffnen, lässt sie nicht unberührt. So wird sie zum einen damit konfrontiert, dass sie - wie so viele ihrer TATORT-Pendants - mit Einsamkeit zu leben und zu kämpfen hat. Nach 20 Dienstjahren sind auch bei ihr die Kollegen zur Familie geworden.
Zum anderen stellt sie fest, dass sie ihre Lebensweise schon sehr lange nicht mehr infrage gestellt hat und dass durchaus auch andere Entwürfe für die Zukunft zumindest denkbar, vielleicht sogar verlockend sind. Vermisst schafft es, diese Thematik eindringlich, aber nicht aufdringlich einzuarbeiten. Sie ist stets präsent und begleitet den Zuschauer bis in die Schlussszene, doch der Fall bleibt - wie üblich in Ludwigshafen - immer im Vordergrund.

Veränderungen

Herr Ritterling, ein Möchtegern-Sternekoch, hat so manche Köstlichkeit für die Kommissarin parat... Bild: SWR

Die Ermittlerin Odenthal ist im Begriff, sich zu verändern. 20 Jahre Power und Dynamik liegen hinter ihr, seit sie als "Die Neue", damals noch im Dezernat für Sittendelikte, ihren ersten Fall zu lösen hatte. Auch Kriminalbeamte werden älter, verändern sich im Laufe der Jahre und gehen mit der Zeit entsprechend auch strategisch anders an die Aufklärung eines Falles heran. Was den Charakter der Rolle nicht uninteressanter macht: Lena Odenthal wird nachdenklicher, sensibler und ist mit den Jahren auch sehr erfahren geworden. Sie zeigt jedoch auch in ihrer Jubiläumsfolge deutlich, dass sie ihre Beharrlichkeit, Entschlossenheit und Zielstrebigkeit nicht aufgeben wird, sondern den Weg zum Ziel zwar anders als früher, aber ebenso klar bis zum Ende gehen wird.

Chance auf weitere Jubiläen

Diese Entwicklung, hin zur erfahrenen "alten Häsin", ist nach zwei Jahrzehnten Mordkommission und 48 gelösten Fällen folgerichtig und der Rolle angemessen.
In ihr liegt die Chance, dass Lena Odenthal durchaus noch weitere Dienstjubiläen erleben kann, denn so kann seitens der Drehbuchautoren dafür gesorgt werden, dass die Figur eben nicht irgendwann doch auserzählt ist, sondern durch neue Charakterzüge und Herangehensweisen stimmig weiterentwickelt wird. Wie lange? Vielleicht noch sehr lange: "Solange ich Lust habe und die Bücher gut sind, gibt es keinen Grund, aufzuhören", meint Ulrike Folkerts dazu.

Ach ja: Auch für die Freunde der traditionellen und gerade in letzter Zeit wieder verstärkt in den Vordergrund tretenden Thematik "Der Hund im TATORT" hält Vermisst einen ganz besonderen Leckerbissen bereit: Vorhang auf für Nippel!

Harald Sigmund
MEHR ZUM TATORT
"Danke, Ulrike Folkerts" - SWR-Fernsehfilmchef Carl Bergengruen zum 20. Dienstjubiläum
SWR-Redakteurin Melanie Wolber über "Lena und Ludwigshafen"
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