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Heute ist der: 18.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Danke, Ulrike Folkerts

Carl Bergenruen ist der Fernsehfilmchef des SWR - und damit "verantwortlich" für Lena Odenthal. © SWR/Krause-Burberg

»Jeanne d?Arc war 17, als sie Orléans von den Engländern befreite. Und wie alt sind Sie?«, musste sich Ulrike Folkerts alias Lena Odenthal in ihrem ersten »TATORT ? Die Neue« von ihrem Vorgesetzen zur Begrüßung fragen lassen. Lena kam frisch von der Polizeiakademie, war aber schon so schlagfertig wie heute. »28, aber noch ganz rüstig«, konterte sie locker. Zwanzig Jahre ist das her, die Mauer stand noch, und es war ungewöhnlich, im »TATORT« weibliche Ermittler einzusetzen, das machte nur der SWF.

Heute, wo sich niemand mehr wundert, wenn Frauen auf dem Bildschirm ermitteln, spielt Ulrike Folkerts noch immer die Lena Odenthal. Sie ist nicht die älteste, aber die dienstälteste TATORT-Kommissarin, länger als jede und jeder andere auf dem Bildschirm und gewinnt auch nach 48 Filmen immer noch Umfragen und Preise als beliebteste Kommissarin. Wie schafft man so etwas? Ulrike Folkerts schafft das mit ihrer nie versiegenden Energie. Sie gibt jedes Mal alles, spielt ohne irgendeine Verschleißerscheinung diese durch und durch glaubwürdige Ermittlerin. Sie »könne zuhören und dabei passiere etwas auf ihrem Gesicht«, sagte schon damals ihr erster Regisseur Peter Schulze-Rohr. Ihr Publikum überzeugt sie, weil sie eine Kommissarin spielt, die stark und verletzlich zugleich ist. Was Lena Odenthal erlebt, geht ihr unter die Haut, aber sie ließ und sie lässt sich nicht davon unterkriegen. Nicht in ihrem ersten Fall »Die Neue« (1989), als sie einem mörderischen Sexualstraftäter alleine gegenüber stand. Nicht in »Flashback« (2002), als sie durch eine schwere Schussverletzung völlig aus der Bahn geworfen wurde ? und trotzdem mit eiserner Energie weiter ermittelte. Und nicht in ihrem neuesten Film »Vermisst«, wenn sie befürchten muss, dass sie einem Mörder vertraut hat und ihm viel zu nahe gekommen ist. Jeder Lena-Odental-TATORT steht als Unikat für sich. Die Ermittlungen laufen völlig unterschiedlich ab und folgen auch nicht immer der sog. »Whodunit«-Dramaturgie, bei der die Zuschauer den Mörder erraten sollen. Die Mordverdächtigen kommen aus den unterschiedlichsten Milieus, sogar Außerirdische waren schon dabei (»Tod im All«, 1997).

Szene aus Kassensturz, Bild: SWR

Manchmal wird Lena Odenthal auch selbst gejagt, etwa von einem mörderischen Pathologen in einem eiskalten Duell vor der Kältekammer (»Der kalte Tod«, 1996). Gibt es Konstanten? Ludwigshafen natürlich, die raue Arbeiter- und Hafenstadt mit ihren faszinierenden Gesichtern und Kulissen. Lenas modern-urbanes Single-Milieu mit leichtem Großstadtblues. Und ihr unnachahmlich knurriger Kollege Kopper alias Andreas Hoppe, mit dem sie seit vielen Jahren die Ermittlungen und ihre Wohnung, aber nicht das Bett teilt. Ihr Leben und damit unser »TATORT« wären soviel ärmer ohne ihn und die gegenseitigen Frotzeleien. Ein Markenzeichen dieses »TATORTs« ist sicher auch, dass er immer wieder die Grenzen des Genres sprengt. Etwa in Aelrun Goettes »Der glückliche Tod« (2008), einem ergreifenden, meisterlichen Drama über Sterbehilfe und die stille Qual des unaufhaltbaren Siechtums vieler schwerkranker Menschen. Solche aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Sterbehilfe sind typisch für den Ludwigshafener TATORT. Sie werden aber nie mit erhobenem Zeigefinger vermittelt, sondern über Figuren und ihre Emotionen. In »Kassensturz« (2009) spüren wir hautnah, wie es sich anfühlt, als billige Arbeitskraft in menschenverachtenden Discountern ausgebeutet zu werden. In »Schatten der Angst« (2008), was es bedeutet, gegen erbitterten Widerstand zwangsverheiratet zu werden.

Mal entstehen aus solchen »TATORT«-Filmen auch handfeste Skandale, ohne die die Reihe gewiss ärmer wäre. Etwa bei dem legendären »Tod im Häcksler« (1991), der nach Ansicht damaliger pfälzischer Politiker dem Ansehen der westlichen landwirtschaftlich geprägten Pfalz schweren Schaden zugefügt habe. Voller Empörung beklagten sie, dass der TATORT es gewagt habe, diese Gegend als Pfälzisch-Sibirien zu verunglimpfen. Oder bei »Fette Krieger« (2001), der nicht nur im Hiphop-Milieu spielte, sondern auch selbst wie ein psychedelischer, schwer verständlicher Rap-Song wirkte und die TATORT- Fans in zwei unversöhnliche Lager spaltete. Und schon bereiten die Maran Film und die SWR-Redaktion neue TATORT-Folgen vor, die im nächsten Jahr ausgestrahlt werden. Der erste Fall spielt im Werft- und Rennmilieu. Der 50. Lena-Odenthal-TATORT, der ebenfalls bereits abgedreht ist, beschäftigt sich mit den seelischen Abgründen eines Serienkillers. Und in einer für nächstes Jahr geplanten Produktion verdächtigt Lena Odenthal Eltern, ihr eigenes Kind getötet zu haben. Ulrike Folkerts wird mit uns wie gewohnt um jedes Drehbuch ringen, bis es perfekt ist, um dann beim Spiel selbst ihr Äußerstes zu geben. Danke, Ulrike Folkerts!  

Carl Bergengruen, SWR-Fernsehfilmchef
MEHR ZUM TATORT
"Danke, Ulrike Folkerts" - SWR-Fernsehfilmchef Carl Bergengruen zum 20. Dienstjubiläum
SWR-Redakteurin Melanie Wolber über "Lena und Ludwigshafen"
Lena nachdenklich - Gespräch mit Autor Christoph Darnstädt


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