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Heute ist der: 21.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Platter Plot

                ?Alles verlore, kein Wonnung, kein Arbeit, kei' Jeld.
               
Se nenne' sich Berber, verachtet vum Rest der Welt?
               
(Die Höhner)     

Die Currywurst wird Freddy Schenk am Montag Morgen gehörig vermiest. Er wird sie nicht genießen können, denn er muss mit seinem Partner Max Ballauf den Mord an Andi Lechner aufklären: einem Obdachlosen, der unweit der Würstchenbude an einem mit Glykol verseuchten Riesling starb.

Stecken die Büdchenbesitzer und Anwohner im Eigelstein dahinter, die von den Clochards, die in ihren Augen nur herumlungern und ihre Ausscheidungen in den Büschen hinterlassen, die Schnauze voll haben? Oder ist der Schönheitschirurg Norbert Ellermann gar der Mörder und doch nicht der Wohltäter, für den er sich ausgibt? Oder war es Mord im Milieu, in dem 50 Euro Schulden als Motiv ausreichen?

Eine Leiche fällt Freddy und Max direkt vor der Wurstbude im Eigelstein vor die Füße. Bild: WDR

Ein Berber namens Beethoven

Sehr bald stoßen die Kommissare auf den Obdachlosen Beethoven, der ganz anders als seine Mitbewohner unter der Hohenzollernbrücke ist. Dass seine Obdachlosigkeit kein Resultat eines schief gelaufenen  Lebens ist, erfährt man recht bald. Dass sie sehr oberflächlich ist, offenbart wenig Kenntnis vom Milieu. Dass der passionierte Organist auch lieber Bach spielt, passt ganz gut dazu.

Max macht kurz Platte

Als mit ?Elster? ein zweiter Obdachloser ermordet wird, beschließt Max Ballauf, sich inkognito unter die Obdachlosen zu mischen. Doch sein Intermezzo auf der Straße währt nur kurz, weil sich andere Verdachtsmomente abseits des Milieus ergeben. Dieses überflüssige Moment ist ein Ärgernis, weil diese Kürze vor Beliebigkeit und damit auch Einfallslosigkeit strotzt.

Die Anwohner sind nicht besonders begeistert - und sagen dies auch sehr deutlich. Bild: WDR

Freddys Ex und die Anwältin

Als die Kommissare gerade einen Übergriff des Anwohner-Mobs auf Obdachlose verhindern können, stoßen sie auf Stefan Meutsch, der einst im Drogendezernat Seite an Seite mit Freddy zusammengearbeitet hatte. Nachdem er durch einen Autounfall seine Familie verloren hatte, wurde der Alkohol zu seinem besten Freund. Nun verdingt er sich als Privatdetektiv und versucht im Auftrag der Anwältin Gesine Stürner, Seitensprünge zu belegen.

Schenk sucht die Anwältin auch in eigener Sache auf. Es stellt sich heraus, dass sie einen Anwohner vertritt, der die Obdachlosen bezichtigt, sein Cabrio zerkratzt zu haben - also quasi befangen ist. Das Ansinnen Schenks wird so beiläufig gestreift, dass der Zuschauer kein ernsthaftes Interesse daran entwickeln kann. Dementsprechend belanglos wird seine Angelegenheit am Schluss aufgelöst. Bei seinen Ermittlungen wird er noch an der Nase herumgeführt.

Prominente Besetzung eines Berbers: Udo Kier spielt "Beethoven", der Bach spielt. Bild: WDR

Fusel

Die Autoren Jan Hinter und Stefan Cantz, die für den WDR schon mehrfach TATORT-Drehbücher geschrieben haben, schrieben hier eine ebenso routinierte wie uninspirierte Geschichte. Der Plot bewegt sich nur in Ansätzen und im Ungefähren, ohne eine konkrete Aussage zu transportieren. Es werden viele mögliche Täter gezeigt, ohne sie aber weiter auszuarbeiten oder deren handfeste Motive zu vertiefen.

Waren die Kölner TATORTe zu Beginn voller Sozialkritik und sauber ausgearbeiteter Geschichten, bekommt der Zuschauer mit Platt gemacht nun eine Geschichte vorgesetzt, die dem Titel alle Ehre macht und tatsächlich nur platt ist. Es ist auch mit Alkohol nur schwer zu ertragen, dass gerade auch in Zeiten der Wirtschaftskrise die nicht wenig brisanten Themen Armut und Obdachlosigkeit in Platt gemacht mit einer gewissen Beliebigkeit gestreift werden.

Franziska ist ehrenamtlich in der Obdachlosenhilfe tätig. Bild: WDR

Bezeichnend ist, dass die in diesem TATORT auftretende Kölner Band ?Die Höhner? noch den intensivsten Beitrag zur Obdachlosigkeit liefert. Die weiteren Figuren haben keine Tiefe und bewegen sich zu sehr in Klischees. Dafür hätte man mit Udo Kier keinen Hollywood-erfahrenen Schauspieler verpflichten müssen. Leider bleiben auch die Kommissare in dieser Folge sehr blass und wirken zudem etwas hilflos.

Zwischen den Ermittlern werden weder Reibungspunkte noch Gemeinsamkeiten sichtbar. Das entspricht diesem Gespann so überhaupt nicht, wie Vorgänger-TATORT Mit ruhiger Hand einige Wochen zuvor gezeigt hat.

Genießer werden Platt gemacht als Fusel in Erinnerung behalten.

Ben Neudek
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