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?Privat ist er sehr, sehr leise?

Gespräch mit Hugo-Egon Balder

© NDR/Marion von der Mehden

Sie spielen Bodo Dietrich, einen Rocksänger, der in einen Kriminalfall verwickelt wird. Was gefiel Ihnen an dieser Rolle?

Ich bin ja gelernter Schauspieler, und es hat mich einfach gereizt, mal was anderes zu machen als immer nur Komik. Und das ist auch wunderbar gewesen, sowohl das ganze Team als auch die Kollegen. Bei Axel Milberg und Helen Schneider angefangen. Eine sehr schöne Arbeit. Hat Riesenspaß gemacht.

Wie haben Sie die Figur angelegt? Wie sind Sie an diesen Bodo herangegangen?

Bodo Dietrich ist eigentlich ein ganz introvertierter Mensch. Der geht nur auf der Bühne richtig ab. Privat ist er sehr, sehr leise und sehr introvertiert. Er trägt meistens eine Sonnenbrille und geht nur ganz selten ohne, weil er nicht will, dass man in ihn reinguckt. Eswar aber von Anfang an klar, dass ich die Figur so spielen werde. Angelina Maccarone hat mir erzählt, wie sie sich diesen Sänger vorstellt, und ich habe natürlich versucht, das in ihrem Sinne umzusetzen.

Konnten Sie eigene Gestaltungsvorschläge unterbringen? Angelina Maccarone hat berichtet, dass es ihr wichtig war, Sie äußerlich zu verändern.

Ja, ich habe gleich gesagt, dass ich keine Perücke haben will, weil mich das beim Spielen stört. Also hat mein Maskenbildner hier in Köln, mit dem ich schon ganz lange zusammenarbeite, Haarteile maßangefertigt, die reingeklebt wurden. So sah das Ganze ziemlich echt aus. Wenn die Haare lang sind und in der Stirn hängen,sieht man schon gleich sehr verändert aus. Den Bart habe ich mir wachsen lassen.

Sie haben selbst schon als Jugendlicher mit Rockmusik begonnen. Haben Sie damals von einer großen Karriere als Rockstar geträumt?

Ich habe damals in verschiedenen Bands gespielt und 1966 die Gruppe ?Birth Control? mitgegründet. In dem Alter träumt man von so vielem! Aber davon, ein großer Rockstar zu werden, habe ich, glaube ich, nie geträumt. Musik war und ist einfach mein Lebensinhalt, daran hat sich bis heute nichts geändert. Deshalb hat sich das hier auch angeboten. Wir haben ja auch Musik für den Film geschrieben.

Ja, wir hören im Film einige Songs von Bodo Dietrich, an deren Entstehung Sie selbst mitgewirkt haben. Berichten Sie uns davon.

Ich spiele mit einer Band in Hamburg. Diese Jungs habe ich zusammengetrommelt und wir haben uns mit Angelina Maccarone im Studio getroffen. Sie hatte noch einen alten Text, den wir zusammen noch ein bisschen verändert haben. Dann mussten wir noch ein neues Lied machen, aber das hat sich alles wunderbar ergeben. Wir sind alle professionelle Musiker, und wenn man dann so zusammensitzt und eine Session macht, dann kommt schon die eine oder andere Idee. Das war eine sehr schöne und sehr interessante Arbeit. Angelina Maccarone ist eine großartige Frau, die genau weiß, was sie will und wie es sein muss. Und in dem Moment ordnet man sich dann auch komplett unter. Das hat großen Spaß gemacht.

Blicken Sie manchmal nostalgisch auf Ihre Jugend zurück wie die Figuren im Film?

© NDR/Marion von der Mehden

Manchmal schon, aber nicht im negativen Sinne. Es ist nicht so, dass ich sagen würde, früher war alles besser. Allerdings bin ich froh, in einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der ein ziemlich großer Umbruch passierte. Ich bin aufgewachsen, als die Beatles anfingen, und habe im Alter von sechzehn, siebzehn Jahren die ganze Flower-Power-Zeit miterlebt, was natürlich großartig war. Auch die negativen Sachen, den ganzen Stress in Berlin mit der Studentenbewegung, mit den ganzen Straßenschlachten habe ich aus der Nähe erlebt. Das war ja richtig ein Aufmucken der Jugend in dieser Zeit, da wurden Tabus gebrochen. Und im Nachhinein muss ich sagen: Ich hatte ein wahnsinniges Glück, damit aufzuwachsen. Das hat mich natürlich geprägt.

Gibt es eine Szene, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es herrschte insgesamt eine tolle Atmosphäre bei den Dreharbeiten. Was nicht heißt, dass es nicht teilweiseauch harte Arbeit war, mit Drehs, die nachmittags um fünf anfingen und bis morgens um halb acht dauerten. Woran ich mich noch sehr gut erinnern kann, war die Fahrt in diesem alten Ford Mustang. An die Szene, in der Bodo Dietrich auf der Autobahn fährt. Der Kamerawagen fuhr vor mir, es war ziemlich schlechtes Wetter, was auch so sein sollte, und dieses Auto war so ausgeleiert, dass ich dachte, ich schaffe die nächsten drei Meter nicht mehr. Es funktionierte zwar alles, aber das war schon eine Knochenarbeit in dem Wagen. Das betrifft aber mehr das Fahren selbst als das Spielen.

Sie sind Produzent, Moderator, Musiker, Kabarettist und das alles sehr erfolgreich. Gibt es trotzdem noch unerfüllte Träume, etwas, was Sie unbedingt noch mal probieren wollen?

Ich möchte gerne wieder Theater spielen. Das habe ich vor zwei Jahren schon mal gemacht und es gehört zu den Dingen, die ich liebend gerne wieder machen möchte. Ich würde gern insgesamt mehr als Schauspieler arbeiten und die ganze Moderationssache irgendwann an den Nagel hängen. Ich werde nächstes Jahr sechzig und ich habe keine Lust, im hohen Alter noch irgendwelche Faxen zu machen. Spielen kann man aber auch noch im Alter, wenn man gesund bleibt. Ich möchte mehr spielen, und dabei ist es völlig egal, ob es ernsthafte oder komische Rollen sind.

Gibt es denn so etwas wie eine Wunsch- oder Traumrolle?

Nein, das kann ich nicht sagen. Ich habe momentan drei Drehbücher zum Durchlesen zu Hause, aber das muss natürlich auch passen. Klar kann man verschiedene Charaktere darstellen, dafür hat man es ja gelernt, aber es muss natürlich alles stimmen, angefangen beim Alter. Ich kann ja keinen Dreißigjährigen mehr spielen. Ich möchte mich an dieser Stelle noch mal bei Angelina Maccarone bedanken, die mir die Möglichkeit gegeben hat, diesen Bodo Dietrich zu spielen. Denn es ist nicht einfach und schon gar nicht selbstverständlich, dass Regisseure/Regisseurinnen sich einen Menschen für so eine Rolle aussuchen, der als völlig anderer bekannt ist. Das war schon ein Wagnis, das war mutig von ihr. Und für mich war es ein tolles Angebot.

NDR-Pressemappe
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