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?Henning ist jemand, der eine Haltung vorschiebt und sich dahinter versteckt?

Gespräch mit Hans Uwe Bauer

© NDR/Marion von der Mehden

Sie spielen Henning ?Hendrix? Krause, den Betreiber eines Fitness-Studios. Wie würden Sie diesen Mann beschreiben?

Das ist kein einfacher Mensch. Er ist sehr rücksichtslos und maßlos, einer, der die Schuld immer bei anderen sucht. Wenn Maggie von diesem Balkon fällt, dann ist es ihre eigene Schuld und nicht seine. Mir hat diese Figur sehr gut gefallen, weil ich so etwas nur ganz selten spiele. Sonst spiele ich eher tragische Rollen, aber diesmal habe ich diesen Loser bekommen, der fast verloren vor sich hintreibt. Henning hat eine Menge Probleme und trägt sehr viele unerfüllte Sehnsüchte mit sich herum. Er ist jemand, der eine Haltung vorschiebt und sich dahinter versteckt. Wir hatten leider nur sehr wenig Zeit, die Figur zu entwickeln, und ich hoffe, dass hinter dieser negativen Seite auch die Einsamkeit und die Verletzungen dieser Figur sichtbar werden.

Sind Hennings Aufmachung und sein Jargon auch ein Zeichen dafür, dass er im Leben nicht wirklich weitergekommen ist?

Ja, der ist in der Tat stecken geblieben. Er macht Dinge, die früher funktioniert haben und die jetzt, wo er fünfzig ist, immer noch funktionieren. Diese Lässigkeit, dieser Jargon, dieses Herumlavieren. Angelina und ich sind durch Improvisieren und Rumprobieren irgendwann darauf gekommen, die Figur so anzulegen. Er ist kein vorwärts gewandter Mensch, sondern ein rückwärtsgewandter, der sozusagen immer von dem zehrt, was früher war. Er will einen gewissen jungen Habitus haben,eine Jugendlichkeit. Er will anders sein als die anderen und stellt das in seinen Klamotten zur Schau.

Diese Geschichte erzählt von Siegern und Verlieren und vom Lebensgefühl der 68er-Generation. Können Sie sich damit identifizieren?

Die Vorlage hat mir sehr gefallen, weil es darin um Sehnsucht geht. Und das kennen wir ja alle. Wir haben in unserer Jugend Situationen erlebt, die so schön und unbeschwert waren, dass wir im späteren Leben gern versuchen würden, uns das wieder zurückzuholen. Je älter wir werden, desto weniger Neues ist noch möglich, während in der Jugend alles möglich erschien. Das zeigt diese Geschichte sehr schön. Was die 68er-Generation angeht, habe ich immer die Erfahrung gemacht, dass die 68er aus dem Osten und dem Westen sehr ähnlich sind. Obwohl diese Menschen in unterschiedlichen Systemen groß geworden sind. Das freut mich immer total. Ich selbst finde mich in dieser Generation allerdings nicht wieder. Ich bin erstens ein bisschen zu jung dafür und zweitens befinde ich mich in ganz anderen Prozessen, in einer anderen Entwicklung. Ich bin ein sehr gradliniger Mensch und lebe auch so.

Henning tut offenbar einiges, um sein ?Body-Age?zu senken. Können Sie diesem Körperkult etwas abgewinnen?

Nee. Ich achte immer nur darauf, dass ich gesund bin, dass ich mich wohlfühle in meinem Körper. Ich bin aber überhaupt nicht sportlich. Ich habe einen Hund, mit dem ich laufe, mehr mache ich nicht.

Wie würden Sie die Arbeitsweise von Angelina Maccarone charakterisieren?

Sie hat eine ganz besondere Art zuzuschauen. Das hat manchmal schon fast etwas Kindliches, so etwas Offenes. Es gibt viele Regisseure, die sofort eine große Skepsis ausstrahlen. Aber Angelina Maccarone ist ganz offen und ganz ruhig. Fast schüchtern. Gleichzeitig ist sie auch jemand, der knallhart auf den Punkt kommen kann. Und das lasse ich mir dann auch gefallen. Sie hat diese beiden Seiten. Sie kann sich durchaus durchsetzen. Aber sie ist mit einer irren Geduld gesegnet, sehr genau, ohne zu drängeln und ohne Angst zu verbreiten. Bei ihr fühlt man sich als Schauspieler sehr frei und gut aufgehoben.

In welcher Rolle sehen wir Sie als nächstes?

Ich habe kürzlich in zwei Kinoproduktionen mitgespielt. Zum einen in Matti Geschonnecks Verfilmung von?Boxhagener Platz?. Das war ebenfalls eine sehr, sehr angenehme Arbeit. Matti Geschonneck ist auch ein Regisseur, dem es gelingt, seine Schauspieler angstfrei zu machen. Der Film spielt ungefähr 1968 in der DDR und ich verkörpere darin einen Kneipenwirt. Das ist mal was völlig anderes, worauf ich selbst für mich gar nicht gekommen wäre. Und ich habe ?Friendship? gedreht unter der Regie von Markus Goller. Das war eine sehr kleine Rolle, für die ich extra für einen Drehtag nach Amerika geflogen bin, aber ich hänge sehr an dieser Figur. Ich mag eigentlich kleine Rollen, obwohl Schauspieler, die kleine Rollen spielen, in Deutschland leider keinen guten Ruf genießen.

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