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?Eine Rezeption ist wie eine Bühne?

Gespräch mit Esther Zimmering

 

© NDR/Marion von der Mehden

Sie spielen hier zwei recht gegensätzliche Figuren aus unterschiedlichen Zeitebenen: den ausgelassenen Groupie Margret aus den 70ern und deren Tochter, die junge Hotelangestellte Janis. Wie war das für Sie? Und welche Figur lag Ihnen mehr?

Wie toll, in einem Film zwei so unterschiedliche Rollen spielen zu können! Ich war sofort von dem Buch begeistert und von der Idee, dass ich meine eigene Mutter auch spiele. Margret lag mir sehr. Ich spiele lieber ausgelassenere Rollen und kann mit Bühnen und Musikern sehr viel anfangen. Frauen, die loslassen können und wollen, gefallen mir! Und Margret befindet sich in diesem Umfeld. Janis ist bedeckt, was ihre Gefühle betrifft, und kann mit dem Charakter ihrer Mutter nicht umgehen. Sie will definitiv anders sein als sie! Sie ist sehr kontrolliert, zieht sich korrekt an und ist ein verschlossener Mensch. Außerdem macht Janis eine Arbeit, die eher gewöhnlich und mit Aufstiegschancen verbunden ist. Trotzdem steckt in ihr ein Teil von Margret. Sie will neben ihrem normalen Leben etwas aufbauen, mit ihrem Freund, und trickst den Hotelmanager aus.

Gab es eine spezielle Vorbereitung?

Da Janis im Hotel arbeitet, habe ich mich einen Nachmittag lang mit einer Rezeptionistin vom Berliner Hyatt unterhalten und sie bei der Arbeit beobachtet. Eine Rezeption ist wie eine Bühne. Man sieht den Gast, beobachtet und wird beobachtet. Und man hat immer seine Uniform an, wie ein kleiner Soldat. Der Gang, die Kleidung, die Sprache ? all das habe ich für meine Rolle benutzt. Und dann habe ich an den Parallelwelten der beiden Figuren gearbeitet.

Sie sind 1977 in Potsdam geboren. Wie sehen Sie das,was als 68er-Generation beschrieben wird? Haben Sie überhaupt einen Bezug dazu?

Ich bin ein großer John-Lennon- und Bob-Dylan-Fan! Die Beatles habe ich mit zwölf hoch- und runtergehört. Na ja, es gibt ja große Unterschiede zwischen Ost und West. Ich komme aus dem Osten und habe trotzdem sehr viel Beatles und Udo Lindenberg gehört. Das ist die Musik, die mir mein Vater gezeigt hat. Im Osten gab es auch die 68er, aber eben anders. Mein Vater erzählte mir aber, dass sie auch lange Haare hatten und Stones-Platten aus dem Westen reingeschmuggelt bekamen. Auch durch die vielen RAF-Filme habe ich natürlich einen Bezug zu den 68ern. Das ist offenbar eine Zeit, die relativ viel Aufarbeitung bis heute benötigt. Ich mag mich gerne damit beschäftigen. Meine Eltern haben im Osten eine tolle Zeit erlebt, man wollte Reformen ... da fing es an. Die Kleidung und Kostüme finde ich super.

Janis scheint sehr an ihrem Vater zu hängen, der nicht ihr leiblicher Vater ist. Welches Verhältnis hat sie zu den Männern aus der Vergangenheit ihrer Mutter?

Janis will sich selbstständig machen und emanzipieren. Sie kann mit dem Rocker nicht umgehen, erst am Ende öffnet sie sich kurz, und man weiß nicht, was sein wird. Ich glaube, sie wird auf jeden Fall eine Beziehung zu ihrem echten Vater aufbauen. Ihr Stiefvater hat sie angenommen, wie sie ist. Er hat sie akzeptiert und sie ihn. Es war für Janis einfach immer zu viel, so viele Väter zu haben. Deshalb will sie sich ja selbstständig machen.

Sie haben in ?Vivere? bereits mit Angelina Maccarone gearbeitet. Was schätzen Sie an der Arbeit mit ihr?

Angelina ist eine sehr gute Autorin und Regisseurin.Sie schafft es, ein Team konzentriert für die Sache zu halten. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander und können auch viel lachen! Das ist sehr schön und wichtig. Ich habe mich sehr gefreut, als sie mich anrief und fragte, ob ich Lust und Zeit hätte, zu spielen. Angelina hat einen sehr guten Blick für die Schauspieler und dafür, wer mit wem zusammenpasst. Meine Partner waren durch die Reihe speziell und sehr passend.

Was war denn beim Drehen die größte Herausforderung für Sie?

Als einer meiner Spielpartner Hühner auseinandernahm, das fand ich sehr ekelhaft ... Man will es ja nicht sehen und dann guckt man genau deshalb hin ... Diese Küchenbilder haben sich mir eingeprägt. Außerdem musste ich ja in einem Hotelbetrieb spielen, in dem normales Hotelpersonal arbeitet. Sie beobachteten mich, ob ich es auch richtig mache. Ab und zu kam ein Hotelgast und stellte mir Fragen, da dachte ich, jetzt spiele ich die Rolle richtig! Und ich musste eine Rechtshänderin spielen, bin aber selbst Linkshänderin. Daswar sehr neu, das hatte ich noch nie in eine Rolle eingebaut. Der ganze Bewegungsapparat verändert sich damit. Damit zu experimentieren hat mir viel Freude gemacht!

NDR-Pressemappe
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