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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Borowski und die Sterne

Wer hat den Kanarienvogel gefressen?

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus: Klaus Borowski erhält zu seinem Geburtstag Glückwünsche von seiner Telefongesellschaft, seiner Krankenkasse und seiner Tochter, die aber eigentlich nur Geld will. Er seinerseits möchte seine Psychologin zum Essen einladen, die allerdings nicht in ihrem Büro ist ...

© NDR/Marion von der Mehden

Währenddessen stürzt Margret Saloschnik vom Dach eines Hotels, in dem sie eine Verabredung mit ihrem Ex-Geliebten, dem Rocksänger Bodo Dietrich, hatte. Trotz eines kurzen, der alten Liebe gewidmeten ?Abschieds-Graffitis? auf dem Hoteldach stellt sich bald heraus, dass Margret Saloschnik nicht selbst gesprungen ist, wenngleich sowohl ihre Tochter Janis, die im Hotel als Rezeptionistin beschäftigt ist als auch der Ehemann der Toten einen Suizid für die wahrscheinlichste Erklärung halten. Wer könnte ein Motiv gehabt haben ?

Beziehungskisten, wohin man schaut

Borowski und die Sterne beschäftigt sich in erster Linie mit allerlei Beziehungsgeflechten: Margret hatte im Anschluss an die alte Liaison mit Bodo ein Verhältnis mit dessen Ex-Gitarristen Henning ?Hendrix? Krause, der auch der leibliche Vater von Janis ist und von Bodo seinerzeit aus der Band geworfen wurde. Die Mutter-Tochter-Beziehung stellt sich ebenfalls als schwierig heraus. Janis ihrerseits, die von Margrets aktuellem Ehemann Eberhard aufgezogen wurde und als Tochter anerkannt wird, plant mit ihrem Freund Tim, der auch im Hotel arbeitet, sich selbstständig zu machen. Doch damit nicht genug, auch die Beziehung zwischen Borowski und Jung ist natürlich wieder ein Thema ...

© NDR/Marion von der Mehden

Früher war alles wilder

Drehbuchautorin und Regisseurin Angelina Maccarone arbeitet in ihrem dritten TATORT (sie inszenierte - ebenfalls als Autorin - die 2007 ausgestrahlten Lindholm-Folgen ?Wem Ehre gebührt? und ?Erntedank e.V.?) mit immer wiederkehrenden Rückblenden, die die Protagonisten in ihre wilde Zeit von vor 30 Jahren zurückführen. Diese sind allerdings angenehm kurz gehalten und werden in Form von Erinnerungsfetzen präsentiert, bei denen immer wieder das Dreigestirn Bodo-Henning-Margret extravagant und ausgelassen im Stil der früher 70er Jahre thematisiert wird.

Thrill geht anders

Wer Spannung am TATORT schätzt, wird in dieser Folge leider nicht bedient. Die Ermittlungen plätschern mehr oder weniger dahin, denn eigentlich geht es um etwas völlig anderes. In Anlehnung an klassische Horrorwerke bedient sich Maccarone immer wieder eines oft genutzten Bildes, allerdings reichen düster dreinblickende Zimmermädchen in langen Hotelfluren nicht wirklich aus, um Nervenkitzel zu erzeugen. Darüber hinaus stehen diese Szenen leider durchgängig zusammenhanglos und ohne inhaltliche Bedeutung für den Verlauf der Geschichte im Raum, sodass ihre Wirkung mehr oder weniger persifliert beim Betrachter ankommen muss.

© NDR/Marion von der Mehden

4ever Jung?

Die Weiterentwicklung des Erzählstrangs ?Klaus und Frieda? überlagert den Fall von Beginn an. Nachdem Frieda Jung sich gegenüber Borowski sehr emotional als Fan von Bodo Dietrich outet, sabotiert dieser in der Folge die verdeckte Ermittlung der Psychologin, indem er, von seiner Eifersucht geleitet, ein Gespräch von Jung mit dem Sänger (Borowski: ?singendes Backblech?) unterbricht und damit seine von ihm selbst hochgeschätzte Professionalität ebenso aufgibt wie eine vorzügliche Chance zunichte macht, die Ermittlungen voranzutreiben.

Den ?Staffellauf?, wie Angelina Maccarone die Weiterentwicklung der Figuren durch wechselnde Drehbuchautoren bezeichnet, inszeniert sie wenig subtil: Borowski und Jung landen im Hotelbett und müssen sich fortan an das gegenseitige ?Du? gewöhnen.

© NDR/Marion von der Mehden

Es steht zu befürchten, die beiden in den folgenden Episoden als verliebt turtelndes Pärchen erleben zu müssen, was wohl zumindest zu Lasten des doch im Kieler TATORT mitunter sehr amüsanten Wortwitzes gehen wird. Eine staubtrockene Antwort z. B., wie sie Frieda Jung dem Kollegen entgegenwirft, als dieser sie blümerant fragt, ob sie ihn zum Ehemann der Toten begleitet, ist von nun an nur noch schwer vorstellbar.

Der Fall gerät zur Nebensache

Freunde des klassischen Krimis dürften von der Folge Borowski und die Sterne eher enttäuscht sein, da es dem Fall sowohl an Spannung als auch an überraschenden Wendungen mangelt. Dies ist in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass die eigentliche Nebenhandlung, nämlich die Beziehung zwischen den Ermittlerfiguren, stark im Vordergrund steht und dem Fall an sich wenig Raum lässt. Hugo Egon Balder allerdings überzeugt als alternder Rockstar mit gefühlvollem und wohldosiertem Spiel.

Harald Sigmund
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