Zur Startseite tatort-fundus.de
Heute ist der: 26.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Architektur eines Todes

November in Frankfurt

Der Herbst ist eine an Farben reiche Jahreszeit. Sind alle Blätter von den Bäumen gefallen, wird er grau und trist. So wie in Frankfurt, wie "Architektur eines Todes" zeigt ...

Der Stararchitektin fehlt die rechte Hand. Bild: HR/ Bettina Müller

Anett Berger, die rechte Hand der Stararchitektin Sofia Martens, ist spurlos verschwunden. Der mit Martens befreundete Staatsanwalt Dr. Scheer bittet Charlotte Sänger und Fritz Dellwo, die junge Architektin zu suchen. Widerwillig nehmen die Kommissare die Ermittlungen auf und müssen herausfinden, wer am Verschwinden der jungen Architektin ein Interesse haben kann. Was haben die Droh-E-Mails und obszönen Anrufe, die die Karrierefrau erhalten hat, mit ihrer Assistentin zu tun? Wie ist die Verletzung von Sofia Martens zustande gekommen? Was hat Callboy Charlie in Bergers Wohnung gesucht? Von wem stammt das Blut an ihrer Wohnungstür? Was will Eva Kaufmann den Kommissaren erzählen?

Motiv Eifersucht

Der Zuschauer erfährt schnell, dass geschäftliche Interessen in den Hintergrund des Falls rücken. Die Tatverdächtigen hatten oder hätten gerne eine private Beziehung zu dem Mordopfer gehabt. Alle hatten Eifersucht als Motiv: der Callboy Charlie, der Assistent Peter Kaufmann sowie Holger und Sofia Martens.

Es wird ein überschaubares Umfeld dargestellt, das aber sehr facettenreich illustriert wird. Die Beziehungen werden distanziert und nicht mit den Blicken eines Voyeurs erzählt, so dass es Spaß macht, den Protagonisten zu folgen.

Was haben sich Fritz und Charlotte zu sagen? Bild: HR/ Bettina Müller

Von der Bedrohung zum Mord

Der Titel dieser Folge ist passend. Der Film zeigt in diesem Ablauf die Verfolgung, die Gefangenschaft und schlussendlich den Mord an Anett Berger.  Teilweise werden Rückblenden eingesetzt, in der die Tatverdächtigen und der Täter während der Vernehmungen bei ihren letzten Begegnungen mit der jungen Architektin gezeigt werden. Auf die gängige Dramaturgie, die Leiche spätestens nach zehn Minuten zu zeigen, wird verzichtet. Das ist nicht nur bemerkenswert, sondern passt auch hervorragend in die Dynamik der Geschichte.

Grau

Die dominierende Farbe dieses TATORTs ist grau. Die Häuser sind grau, die Nachtaufnahmen wirken grau gefiltert, selbst die Mäntel der Hauptfiguren sind grau. Die "deprimierenden Dunkelzonen" können auch durch Lichteffekte nicht kaschiert werden. Dass die Assistentin in einem grauen Rohbau umkommt, betont die Hauptfarbe dieses Films.

Anett Berger über den Dächern von Frankfurt Bild: HR/ Bettina Müller

Nebeneinander

Es ist auffällig, wie wenige gemeinsame Szenen Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf haben. Viel haben sie sich nicht mehr mitzuteilen. Es verbindet die beiden nur noch der Fall, was darüber hinausgeht, kratzt an der Oberfläche. Nicht einmal ihre Wohnungen werden noch gezeigt. Das freie Wochenende ist mehr Bedrohung als die verdiente Erholung vom Alltagsstress. Sänger und Dellwo haben ein Verhältnis, das nur noch auf ihrer Profession basiert. Gemeinsame Bezugspunkte sind nicht mehr zu finden.
Auch die Hauptfiguren verbringen viel gemeinsame Zeit und agieren doch nebeneinander. Die verbleibende wenige Freizeit wird in Einsamkeit oder geschlossener Gesellschaft verbracht.

Beim Verhör des Architekten gewinnen Fritz und Charlotte wichtige Erkenntnisse. Bild: HR/ Bettina Müller

Frauenaffinität ohne Verklärung

Judith Angerbauer hat einen frauenaffinen Tatort geschrieben, der erfolgreiche Frauen zeigt. Sie gibt einen Blick hinter die glänzende Fassade, der zeigt, dass Erfolg einen hohen Preis haben kann. Deshalb werden diese Frauentypen nicht verklärt, sondern mit einer Menschlichkeit gezeichnet, in der die Einsamkeit dominiert. Von Titus Selge mit grauen und düsteren Bildern inszeniert, wird daraus ein Film, der aufzeigt, dass Karriere nur die eine Seite der Medaille ist.

Dass Eifersucht das Mordmotiv ist, ist schlüssig wie der ganze Film.
Bemerkenswert ist, dass nicht klischeehaft ein Umfeld von Werbegraphikern und Webdesignern dargestellt wird, sondern die im Fernsehen noch unverbrauchte Welt von Architekten.  Zu bemängeln ist, dass die baulich interessante Stadt Frankfurt zu wenig zu sehen ist.

Architektur eines Todes ist ein guter TATORT, weil er ohne Aufregung eine Geschichte erzählt, die ein gängiges Motiv aufgreift und dramaturgisch sehr gut aufgebaut ist.

Benjamin Neudek
MEHR ZUM THEMA
Der neue TATORT aus Frankfurt - "Architektur eines Todes"
"November in Frankfurt" - Benjamin Neudek über den neuen Frankfurter TATORT


BITTE SPENDEN SIE!

Bitte unterstützen Sie das private Hobbyprojekt tatort-fundus.de! Wir freuen uns über jede Unterstützung und Anerkennung. Mit dem Geld werden primär die laufenden Kosten des Server- Betriebs beglichen! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!


TV-TERMINE
Alle anstehenden TV-Wiederholungen finden Sie übersichtlich gelistet

© tatort-fundus 1997 - 2018
Der Tatort-Fundus ist eine Webseite für Tatort-Fans

Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung der Texte, BIlder und Daten nur mit Genehmigung des tatort-fundus

Sitemap | Impressum | Disclaimer |  Diskussionsforum RanglisteUnsere Datenschutzerklärung 

Alle inhaltlichen Fragen richten Sie bitte an frage(at)tatort-media.de 
Bei technischen Problemen bitte Nachricht an webmaster(at)tatort-media.de
Diese Website nutzt das Content-Management-System TYPO3