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Heute ist der: 14.12.2019. --> Bis heute wurden 1124 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

Götter in weiß, die blau sind

Professor Dr. Julius Gann ist kein Halbgott in Weiß. Er ist ein Vollgott in Grün. Seiner Auffassung nach ist er ?einer der besten Chirurgen des Landes?. Und Mitbesitzer einer Privatklinik, Despot und Autist zugleich.

Bild: WDR/ Uwe Stratmann

Schwer verletzt wird er nach einem Überfall in seiner Wohnung in die eigene Privatklinik eingeliefert, seine Frau hat den Überfall nicht überlebt. Am TATORT finden Max Ballauf und Freddy Schenk zwar keine Tatwaffe, dafür aber den im Nebenzimmer seinen Rausch des Vorabends ausschlafenden Sohn des Ehepaares, der von dem blutigen Überfall nichts mitbekommen zu haben vorgibt und ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater zu haben scheint ...

Bild: WDR/ Uwe Stratmann

Ließ Gann eine Patientin sterben?

Die ersten Ermittlungen führen die Kommissare zu Stefan Koschinski, der Professor Gann vorwirft, durch einen Fehler während der Operation seiner Frau deren späteren Tod verschuldet zu haben. Mit öffentlichen Aktionen und der Erstellung von Gutachten kämpft er verzweifelt gegen Gann und dessen Teilhaber Bernstein, hatte jedoch vor Gericht keinen Erfolg gegen die Lobby des anerkannten Chirurgen. Nach der Durchsuchung seiner Wohnung stoßen die Kommissare mit Hilfe von Franziska auf Akten, die neue und viel weiter reichende Fragen aufwerfen ...

Die vermeintliche Lösung ist zum Problem geworden

Dieser TATORT thematisiert eindrücklich und anschaulich die verschiedenen Ebenen der kleinen und größeren Alkoholprobleme des ganz normalen Alltags. Vom gesellschaftlich anerkannten "Bierchen nach Feierabend" zum Abschalten, der hochprozentigen Kompensation von Stress oder Einsamkeit bis hin zur manifesten Alkoholsucht werden die Facetten der Problematik - deutlich - gezeigt.

Bild: WDR/ Uwe Stratmann

Auch in der Lebensrealität von Max Ballauf ist der zur Gewohnheit gewordene Absacker von der vermeintlichen Lösung zum Problem geworden, was sich schon in der ersten Einstellung dieser Folge zeigt. Er muss sich unangenehme Fragen stellen lassen, überwindet letztlich aber die drohenden Gefahren der individuellen Verharmlosung und des schleichenden Realitätsverlusts, denn er hat Glück: Er hat einen Freund.

Ohne dessen Hilfe könnte weder die zunehmende Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung als Problem wahrnehmbar werden, bevor es wirklich peinlich wird, noch wäre die soziale Isolation zu durchbrechen, die sich häufig durch den regelmäßigen Konsum von Alkohol noch verstärkt. Max Ballauf ist aber in dieser Folge bei Weitem nicht der Einzige, für den Alkohol schleichend zu einem wirklichen Problem geworden ist ...

Bild: WDR/ Uwe Stratmann

Große Zielgruppe

Mit ruhiger Hand ist darauf ausgelegt, eine große Zielgruppe anzusprechen: Das Bierchen zum Feierabend ist vielen ebenso vertraut wie ein stressiger Alltag und Probleme bei der Arbeit. Sich der potenziellen Gefahren bewusst zu sein und somit rechtzeitig den sich etablierenden Teufelskreis durchbrechen zu können, auch dazu scheint dieser TATORT aufzurufen. Die Darstellung sowohl von Funktion als auch von Gefahr des Alkohols als Verarbeitungsinstrument des Alltags ist während der 90 Minuten allgegenwärtig. Durch Auslassen der üblichen Klischeegruppen (Obdachlose, Jugendgangs, Fußballfans etc.) wird dem Zuschauer zusätzlich der eine oder andere Ausweg verbaut, sich nicht angesprochen zu fühlen.

Bild: WDR/ Uwe Stratmann

Offene Fragen bleiben

Die Folge hat durchaus einige Lücken und sie lässt auch Fragen offen, die ein wirklich guter TATORT beantwortet. Die kleinen Holprigkeiten in der Geschichte werden allerdings mehr als wettgemacht durch die schauspielerischen Darbietungen von Klaus J. Behrendt und vor allem Roeland Wiesnekker als Professor Gann.

Ballaufs innere Kämpfe, Reflexionen, seine Unsicherheiten und Anstrengungen, um ein Problembewusstsein zu entwickeln und schließlich aktiv nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen, werden von Behrendt realistisch, dabei sensibel und sympathisch dargestellt, mit allen Ecken und Kanten. Der Schweizer Roeland Wiesnekker ist in der schwierigen und vielseitigen Rolle des ausdrucksstarken und doch so kaputten Julius Gann grandios. Es gelingt ihm eindrucksvoll, eine sehr extrem angelegte Figur so zu spielen, dass sie trotz ihrer Abgehobenheit nachvollziehbar und vor allem glaubwürdig bleibt.

Bild: WDR/ Uwe Stratmann

Sensibel und eindrücklich inszeniert

Mit ruhiger Hand ist ein interessanter, durchaus kurzweiliger Krimi. Der Film treibt einem zwar nicht den Angstschweiß des Mitfieberns auf die Stirn, aber er ist sensibel und eindrücklich inszeniert und bietet über weite Strecken die Möglichkeit, mitzufühlen. Ein Fall auch, bei dem - wie üblich in Köln - das Ermittlerpärchen auch wirklich ein solches ist: Freddy und Max sind ein Team, das sich auch nach 43 Fällen noch etwas zu sagen hat.

Harald Sigmund


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