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Mann über und Frau an Bord

Beim Fischen vor Bremen geht einem Fangschiff eine Leiche ins Netz. Allem Anschein nach handelt es sich bei dem Toten um den zweiten Offizier der MS Karina. Das Containerschiff ist jedoch laut Zollbehörde mit der kompletten Besatzung ausgelaufen und in Richtung Norwegen unterwegs.

Bild: RB

Da also Eile geboten ist, lässt sich Inga Lürsen sofort an Bord des Schiffes bringen, um die Identität des Toten zu ermitteln. Doch als Lürsen realisiert, dass der Mörder sich noch an Bord befinden muss und das Schiff zur Umkehr zwingen möchte, wird ihr eröffnet, dass sie außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone keine Polizeigewalt mehr hat.An Land bemüht sich währenddessen Kollege Stedefreund darum die Reederei zu überzeugen, die MS Karina nach Bremen zurück zu holen.

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Eine Seefahrt ist nicht lustig

Was Inga kaum fassen kann, bekommt Stedefreund vom Staatsanwalt persönlich erklärt: außerhalb der sogenannten Zwölf-Meilen-Zone befindet sich ein Schiff im rechtlichen Raum des Flaggenstaates und kann höchstens von dessen Justiz oder der Reederei zurückbefohlen werden.

Also klappert Ingas treuer Kollege zuerst die nigerianische Botschaft und dann die Reederei ab. Beim afrikanischen Staatsvertreter löst die Vorstellung, dass eine Frau allein an Bord des Schiffes ist zwar - wie sich später herausstellen wird zu Recht - blankes Entsetzen aus, aber mehr ist hier für Stedefreund nicht zu holen ? außer einer Akte über die MS Phoenix: ein aus bislang ungeklärten Gründen gesunkenes Schiff der Reederei Delius. Hier gibt man sich unterdessen gelassen. Die nordisch-kühl wirkende Tochter des alten Reeders Delius ignoriert Stedefreunds Anliegen mit einer gehörigen Mischung aus Profitdenken und Überheblichkeit.

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Eine Seefahrt ist nicht schön

Inga ist also allein auf dem Schiff, mit einer rein männlichen Mannschaft, von denen einer der Mörder ist. Sehr spannend! Findet zumindest der Regisseur Florian Baxmeyer. Und so ganz mag man ihm da auch nicht widersprechen. Allerdings merkt man diesem Film auch deutlich an, dass er aus der Feder eines Doumentarfilmers stammt. Zwar steht für Wilfried Huismann, dem mehrfach für seine Dokumentarfilme ausgezeichneten Drehbuchautor, nicht immer der Mordfall im Vordergrund, jedoch sind seine filmischen Beobachtungen der düsteren Stimmung an Bord auch nicht zu verachten.

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Die Charaktere der Nebendarsteller ? allen voran der schmierige Maschinist Onno, gespielt von Gustav Peter Wöhler ? sind hochkarätig besetzt und vermitteln überzeugend, dass der Alltag eines Seemanns heutzutage einsam und hart ist.

Im Kabinenverlies

Diese Erfahrung muss auch Inga machen. Durch ein Rückenleiden deutlich geschwächt wirkt sie alt und verletzlich, als sie auf der MS Karina ankommt. Dass sie als Frau bei der Besatzung ohnehin keinen leichten Stand hat, erschwert ihre Arbeit zusätzlich.

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Als das Schiff schließlich die viel zitierte Zwölf-Meilen-Zone passiert, Ingas Polizeimarke wertlos und ihre staatliche Autorität hinfällig wird, verschlechtert sich ihre Situation dramatisch. Der Kapitän entwaffnet die Kommissarin und macht sie dadurch für die Besatzung zu einem leichten Opfer brutaler Übergriffe.

Wie (MS) Phoenix aus der Asche

Dem Schrecken an Bord wird damit ein Ende gesetzt, dass die traditionelle Rollenverteilung der Geschlechter wieder hergestellt wird ? und zwar sowohl zu Lande als auch zu Wasser!

In der Reederei beendet der alte Delius ? ein echter Kerl, der noch selbst zur See fuhr ? die dubiosen Machenschaften seiner Tochter. An Bord wird der Kapitän rehabilitiert und von allen vergangenen und sicherlich auch künftigen Sünden freigesprochen. Dem neuen Glanz und der alten Stärke dieses Mannes kann sich endlich auch Inga problemlos und selbstverständlich unterordnen.

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Sogar die Mannschaft wirkt glücklich, als sie in Bremen von Bord geht! Fast könnte man meinen, die Männer wären gute Kumpel geworden: Ende gut, alles gut!

Aber nur, wenn man bereit ist, den ungeschminkten Blick auf den Alltag der Crew zu vergessen und sich der Vorstellung hinzugeben, die Seefahrt sei eines der letzten romantischen Abenteuer für harte Männer!

Nun denn: Mast und Schotbruch!

Katharina Gamer


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