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Heute ist der: 24.08.2019. --> Bis heute wurden 1114 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

?Wenn ein Kind das Opfer ist,
ist man betroffener.?
 

Gespräch mit Maren Eggert

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Mord ist nicht gleich Mord. Wenn Kinder die Opfer sind, berührt das noch mehr als bei Erwachsenen. Wie bereitet man sich auf so eine Konstellation vor?

Wenn ein Kind das Opfer ist, ist es in der Tat so, dass man betroffener ist und das Gefühl bekommt, das Thema noch vorsichtiger angehen zu müssen. Einerseits als Privatperson, aber natürlich auch in meiner Rolle als Psychologin bzw. Ermittlerin. Da überlege ich mir schon genauer, wie ich vorsichtig und korrekt mit der Fallkonstellation umgehe, ohne dadurch eine offensichtliche Betroffenheit auszustrahlen. Ohnehin finde ich es nicht so gut, wenn die Ermittler so wahnsinnig betroffen sind ? egal worum sich jetzt der Fall dreht. Das gefällt mir weder persönlich noch denke ich, dass dies das Thema eines Krimis ist. So muss man einen Mittelweg finden: Es muss gezeigt werden, dass es sich bei Kindsmord um etwas Besonderes handelt, ohne dass es vor Betroffenheit trieft.

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Dem wird Rechnung getragen, wenn Borowski anmerkt, dass sich Nadine normal für eine Mutter verhalte, die ihr Kind verloren habe, und Frieda Jung erwidert, dass sie nicht wisse, was in einem solchen Fall normal sei.

Genau. Und da sieht man auch die Qualität des Drehbuchs, denn man hätte ja auch anbiedernd, einfühlsam antworten können: ?Oh ja, da haben Sie Recht. Man muss sich fürchterlich fühlen, wenn das Kind getötet wurde.? Ich finde Frieda Jungs Antwort gut, denn solange man es nicht selbst erfahren hat, kann man nicht wissen, wie es ist, und man darf auch nicht vergessen, dass jeder Mensch auf seine Weise auf einen Mord reagiert.

Ein Ermittler hat zwar objektiv zu sein, dennoch nicht ganz ohne Gefühle?

Im wirklichen Leben bin ich nun kein Ermittler, aber es kommt mir schon so vor, als sei man als Ermittler Tag und Nacht mit einem Fall beschäftigt, um die Lösung zu finden. Da dürfte es schon passieren, dass man emotional in einen Fall hineingezogen wird beziehungsweise dagegen ankämpfen muss, dass die Gefühle die Objektivität beeinträchtigen.

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Wie intensiv können Sie sich mit einem Drehbuch und ihrer Rolle vor Drehbeginn auseinandersetzen?

Das hängt von der Drehbuchentwicklung ab. Aber ich bekomme das Buch spätestens sechs Monate vor Drehbeginn. Falls das nicht klappt, weiß ich zumindest frühzeitig schon ziemlich genau, worum es geht und wie meine Rolle in der Geschichte aussieht.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rolle vor, sprechen Sie mit Psychologen?

Die Rolle gestalte ich nach meiner eigenen Vorstellung. Es gibt ja immer wieder Interviews mit echten Polizeipsychologen, die dann erzählen, dass es zwischen der Wirklichkeit und den Fernsehkrimis erhebliche Unterschiede gibt. Das zweifle ich nicht an. Wir stellen Fiktion her und wenn ich nun versuchte, an Reales anzuknüpfen, würde das die Sache nur verkomplizieren. Viel wichtiger bei der Gestaltung der Rolle ist hingegen die Zusammenarbeit mit den Kollegen und die Abstimmung der Arbeit auf das gewünschte Gesamtbild.

Wie war in diesem Fall die Zusammenarbeit mit den Kollegen und dem Regisseur?

Florian Froschmayer ist ein junger, engagierter Regisseur, dem das Projekt sehr wichtig war, und mit Katharina Wackernagel zu arbeiten war sehr angenehm. Sie war gut vorbereitet und konzentriert.

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

?Borowski und die heile Welt? geht auch der Frage nach, was Liebe für Auswirkungen hat. Frieda Jung beschreibt hier eine neurotische Disposition, in der sich zwei perfekt ergänzen. Borowski erwidert darauf: ?Ich dachte, das nennt man Liebe.? So weit auseinander liegt das für viele Menschen doch nicht?

Nicht unbedingt. Ich würde schon sagen, wenn zwei sich finden, dann tun sie das, weil sie sich auf die ein oder andere Weise ergänzen, weil der Andere etwas hat, was man selber nicht hat oder sucht. Das muss aber nicht in eine Kollision führen. Spannender ist allemal der Aspekt, dass Liebe in eine Abhängigkeit führen kann. Das thematisieren wir auch. Nadine bekommt kaum mehr alleine etwas hin und ist in den meisten Dingen auf ihren Mann angewiesen, wodurch sie in eine Abhängigkeit geraten ist.

Eine Abhängigkeit, die auch im Verhältnis von Borowski und Frieda Jung aufblitzt. Besteht die Gefahr, dass Borowski nur mit Frieda Jung voll leistungsfähig ist?

Nein, das glaube ich nicht. Borowskis Problem ist nicht, dass er in irgendeiner Art abhängig ist von Frieda Jung, sondern dass er seine Gefühle ihr gegenüber nicht zugeben kann. Wenn er normaler mit seinen Gefühlen umgehen könnte, wäre das viel unspektakulärer. Es würde schon reichen, wenn er sagte, ich sei eine wichtige Mitarbeiterin für ihn. Weiter muss er ja nicht gehen, aber schon das kann er nicht zugeben. Da er nicht in Kontakt mit seinen Gefühlen ist, staut sich alles in ihm auf und dann ist es nicht verwunderlich, wenn er von der Nachricht, Frieda Jung könnte nach Zürich gehen, kalt erwischt wird. 

NDR-Pressemappe


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