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?Nadine habe ich als Person gesehen, die sich eine eigene Realität geschaffen hat.?

Gespräch mit Katharina Wackernagel

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Wie bereitet man sich auf eine emotional so fordernde  Rolle vor wie die einer Mutter, die ihr Kind verliert? 

Ich versuche nicht, mir extrem schreckliche Dinge vorzustellen  und sie dann im Spiel umzusetzen. Ich versetze  mich nicht permanent in den angenommenen emotionalen  Zustand des Charakters. Vielmehr ist mir wichtig,  schon vorab in Zusammenarbeit mit dem Regisseur den  Charakter einer Figur zu definieren, herauszufinden,  was eine Figur ausmacht, was in ihr vorgeht. Ich möchte  die Möglichkeit haben, die Figur, die ich spiele ? egal ob  sie traurig ist oder glücklich ? einmal als Ganzes vor  Augen zu haben, um sie als Person verstehen zu können.  Beim Dreh selbst versuche ich dann das Drumherum  so weit wie möglich wegzublenden, die Situation des  Augenblicks aufzunehmen und sie so echt wie möglich  nachzuspielen.

 

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Als Schauspielerin bleibt es für mich  immer ein Spiel. Es ist nicht so, dass ich emotional völlig  aufgelöst bin, weil ich alles lebensecht nachvollziehe.  Das kann ich auch gar nicht. In diesem Fall auch deshalb  nicht, weil ich selber keine Mutter bin. Wenn ich von  der Figur überzeugt bin und mit dem Regisseur eine  Vereinbarung getroffen habe, wie sie sich erzählt,  dann funktioniert es durch die Fantasie, mich in einen  Charakter hineinfallen zu lassen. 

Welche Vereinbarung über Nadine Nowak haben Sie  mit dem Regisseur getroffen? 

Als wir uns zum ersten Mal trafen, hatten wir beide ein  ziemlich genaues Bild von Nadine und waren beide der  Meinung, diesen Typ von Frauen genau zu kennen. Wir  sind dann die emotionalsten Szenen und Bögen gemeinsam  durchgegangen, um herauszufinden, ob wir auch  das Gleiche meinen. Es ist oft so, dass Dinge einfließen,  die man bei anderen Menschen schon erlebt hat, selbst  dann, wenn man die extremen Charakterzüge in der  Regel nicht schon mal gesehen hat. 

 

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Haben Sie sich in spezieller Weise damit auseinandergesetzt,  wie es ist, wenn das Kind ermordet wird?

Man hätte sich natürlich mit einem Psychologen zusammensetzen  können. Aber ich weiß nicht, ob mir das  geholfen hätte, denn wichtig für die Figur ist, dass sie  gesund und rational wirkt. Als ich das Buch zum ersten  Mal las, hatte ich mir eine ganz andere Frau vorgestellt  als die, die ich verkörpern könnte. Andererseits ist es so,  dass man nicht unberührt bleibt von dem, was um einen  herum passiert und dies Denken, Verhalten und Arbeit  beeinflusst. Während des Drehs wurde die Geschichte  von Fritzl bekannt, der in Österreich seine Tochter gefangen  gehalten und Kinder mit ihr bekommen hatte. Im  Zuge dieser Geschichte tauchten plötzlich lauter schreckliche  Meldungen über Kindstötungen und -missbrauch  auf. Das mischte sich in den Arbeitsprozess und veränderte  ihn vielleicht auch. 

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Was hat Sie an der Figur am meisten fasziniert? 

Dass sie sich eine Fantasiewelt baut. Einerseits ist sie eine  erwachsene Frau und Mutter, aber in ihrem Verhalten  ist sie auch ein Kind. Ihrer Mutter widerspricht sie barsch,  aber gegenüber ihrem Ehemann möchte sie wie eine  kleine Puppe sein. Das ist eine spannende Konstellation. 

Nadine Nowak nimmt eine zentrale Rolle in dem Film  ein. Wie war die Interaktion, die Zusammenarbeit mit  den Kollegen, den anderen Figuren? 

Nadine habe ich als Person gesehen, die sich eine eigene  Realität geschaffen hat, in die sie sich immer wieder  zurückzieht ? auch in Kontakt mit anderen Personen.  Borowski ist einer dieser Fremden. Von ihm denkt sie  außerdem, er wolle ihre Welt zerstören. Daher zieht sie  sich extremer als sonst in ihr Schneckenhaus zurück.  Ihren Ehemann hingegen erkennt sie nicht, wie er wirklich  ist, sondern sieht ihn nur, wie er in ihrer Welt sein  soll. Das war beim Dreh etwas eigenartig, da ich immer  so gespielt habe, als sei ich in einem Kokon. Aber natürlich  geben die verschiedenen Figuren immer wieder  neuen Spielraum. Wenn Frieda Jung versucht, Nadine  zu erreichen, gab mir das andere Möglichkeiten als im  Spiel mit Borowski oder wenn Nadine fordernd gegenüber  ihrem Ehemann wird.   

NDR-Pressemappe


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