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Heute ist der: 13.10.2019. --> Bis heute wurden 1118 unterschiedliche TATORTe erstausgestrahlt. (Hä?)

?Ich kann gar nicht wirklich
abgrenzen, wer Borowski ist.?
 

Gespräch mit Axel Milberg

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Wenn jemand in einem Krimi sein Kind verliert, ist man als Zuschauer emotional gleich mehr eingebunden als bei einem Mord an einem Erwachsenen. Bereiten Sie sich in einem solchen Fall anders vor?

Wenn ich echte Kriminalbeamte frage, was für sie das Schlimmste an ihrer Arbeit ist, dann antworten sie: wenn Kindern etwas zustößt und Fälle, die wir nicht abschließen können. Aber wenn man eine solche Geschichte fiktional erzählt, muss man sich schon überlegen, ob man die Situation nutzt, um die Emotionen der Zuschauer ohne große erzählerische Anstrengung frei Haus zu bekommen. Es gibt ja regelmäßig Filme, in denen Kinder Opfer werden. Gut ist, wenn der Film dem Zuschauer etwas geben kann. Etwa was es bedeutet zu trauern. Wie trauere ich? Um das zu vermitteln, muss ich mir überlegen, wie ich Szenen gestalte, die Gefühle zeigen und beim Zuschauer erzeugen. Also: Wie überbringe ich der Mutter die Todesnachricht? Als ich das Buch gelesen habe, habe ich gesagt: Da kann ich nicht alleine hingehen. Dabei muss mich die Psychologin Frieda Jung begleiten. Borowski musste es aber alleine durchstehen. Als wir die Szene dann gespielt hatten, ging es fast von alleine. Katharina Wackernagel ist eine so starke Schauspielerin, dass alles ineinander griff und sich sofort richtig anfühlte, so dass man sich schau- spielerisch nichts mehr ausdenken musste. Ihr Spiel hat mich quasi geführt.

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Wie ist die Stimmung am Set, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt?

Wenn ein Schauspieler trauert, weint, vor Schmerz schreit und brüllt, überträgt sich das auf das Team. Es ist sensibilisiert und eingeschüchtert und flüstert nur noch.

Der Zuschauer lernt in dieser Folge recht viel über Borowski. Gleich zweimal haut es ihm emotional die Beine weg. Einmal, als er die Todesnachricht überbringen muss, und zum zweiten Mal, als er erfährt, dass Frieda Jung nach Zürich wechseln will. Was für ein Typ ist Borowski?

Der Zuschauer ist sehr nahe an Borowski dran und bekommt so seine Emotionen mit. Vor anderen würde er sie nicht zugeben, weil er sich nicht schwach zeigen möchte. Er will auch nicht, dass man weiß, dass es ihm etwas ausmachen würde, wenn sie geht. Nach außen zeigt er nicht mehr als in einer professionellen Arbeitsbeziehung angemessen ist. Das macht ihn mir angenehm. Ich kann gar nicht wirklich abgrenzen, wer Borowski ist. Das wird von den Autoren bestimmt. Manchmal geht es mehr ins Humoristische, dann wieder ins Dramatische. Jeder Autor interessiert sich ja für etwas anderes.

 

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Diese Folge ist ein klassischer ?Whodunit?. Ist das eine Krimiform, die Sie anspricht?

Ich finde das nicht sonderlich interessant, weshalb wir sie in den anderen Folgen auch vermieden haben. Aber hier sind die Figuren und die Familiengeschichte stark und spannend. Auch strahlt der Film eine eigene Atmosphäre aus und ist sehr dynamisch. Das, was man sieht, ist auch etwas anderes als das, was man den Gesprächen entnehmen kann.

Dieser TATORT beschäftigt sich auch damit, wie Familie funktioniert. Haben Sie sich in diesem Zusammenhang wieder daran erinnert, was Familie für Sie selbst bedeutet?

Bild: NDR/ Marion von der Mehden

Während der Arbeit hatte ich zuerst die Filmfamilie im Blick und gesehen, was dort alles falsch ist. Ich hätte gerne zu Nadine gesagt: Siehst du denn nicht, wie gewaltbereit dein Mann ist? Warum deckst du ihn? Warum ist er so pampig? In dieser Familie fehlt die Zusammengehörigkeit, obwohl Nadine sich bemüht, eine Familie zu schaffen. In Wirklichkeit fliegt ihnen aber alles um die Ohren. Es gibt zu viele kleine fehlerhafte Entscheidungen und dadurch schlittert sie dann in die schlimme Situation, die der Film beschreibt.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Regisseur?

Sehr interessant. Florian Froschmayer ist ein sehr höflicher, jungenhafter Schweizer, der uns nicht viel von seinen Plänen verraten wollte. Aber immer wenn ich nachfragte, konnte er sehr akkurat antworten. Nach einer Weile merkte ich dann: Lass den mal machen, der hat da was vor und weiß genau, wie er die Geschichte filmisch und ästhetisch erzählen will. So habe ich ihm sehr schnell vertraut. Ich glaube, dass wir noch weiter von ihm hören werden. Er arbeitet sehr fein und eigen.   

 

NDR-Pressemappe


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